08.07.2020 | Von Die Stiftung

Herausfordernde Vermögensanlage

Eine Online-Umfrage beim Stiftungspanel des Bundesverbands Deutscher Stiftungen zeigt: Kleinere Stiftungen haben es in der Vermögensanlage derzeit nicht leicht. Und: Die Suche nach den richtigen Anlageprodukten geht weiter.

Vermögensanlage
Nicht alle deutschen Stiftungen orientieren sich bei der Vermögensanlage an Anlagenrichtlinien. Foto: Online-Befragung unter den 605 Teilnehmenden des Stiftungspanels

Beim Stiftungspanel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen sind neue Zahlen zu Renditeerwartung und Vermögensanlage erhoben worden. Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem kleinere Stiftungen mit weniger als einer Million Euro Stiftungskapital Schwierigkeiten haben, die jährliche Inflation auszugleichen. Die Anfang des Jahres durchgeführte Befragung hat aber auch gezeigt, dass die Rendite bei 62 Prozent der kleinen Stiftungen im Jahr 2019 oberhalb der Inflationsrate lag. Bei den großen Stiftungen waren es 84 Prozent.

Gute Ausgangssituation in der Vermögensanlage

„Das Jahr 2019 war mit Blick auf die Vermögensanlage ein sehr positives für die meisten Stiftungen. Daher sind sie jetzt auch trotz Corona-bedingten Ausschlägen an den Finanzmärkten gut aufgestellt“, wird Dieter Lehmann, Leiter des Arbeitskreises Stiftungsvermögen und Immobilien im Bundesverband Deutscher Stiftungen und Mitglied der Geschäftsleitung der Volkswagen-Stiftung, zitiert. Er rät dazu, dass Stiftungen, die noch keine Anlagerichtlinien hatten, ihre Vermögensanlage spätestens jetzt strategisch aufstellen sollten.

Vermögensanlage ohne Anlagerichtlinie

Knapp 30 Prozent der befragten Stiftungen haben derzeit keine Anlagerichtlinien. Bei kleinen Stiftungen mit einem Stiftungskapital unter einer Million Euro sind es sogar rund 40 Prozent, bei großen Stiftungen ab einer Million Euro Kapital hingegen nur 16 Prozent.

Das richtige Anlageprodukt?

Wer außerhalb der Anleihe- und Aktienmärkte investiert (etwas mehr als die Hälfte hat das Stiftungskapital bisher in dieser Form angelegt), wendet sich vor allem dem Immobilienmarkt zu, zeigt die Umfrage außerdem. Gut 40 Prozent der Befragten sind dort investiert. Unternehmensbeteiligungen oder Wagniskapital spielen mit rund 10 Prozent eine untergeordnete Rolle.

Dass mehr als ein Drittel der Stiftungen Investitionen außerhalb der Anleihe- und Aktienmärkte ablehnt, hat unterschiedliche Gründe. Teils wird das Risiko als zu hoch empfunden, teils verbieten Anlagenrichtlinien es, teils – ein fünftel der Befragten trifft diese Aussage – habe man das passende Anlageprodukt noch nicht gefunden. In rund 19 Prozent der Fälle sind die Stiftungsgremien mehrheitlich dagegen.

Über das Stiftungspanel

Die Umfrage wurde im Januar und Februar 2020 online durchgeführt. Befragt wurden Stiftungen, die beim Stiftungspanel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen registriert sind. An der Befragung beteiligt haben sich 42,3 Prozent der in diesem Zeitraum 605 registrierten Teilnehmenden des Stiftungspanels. Das Stiftungspanel ist das Erhebungsinstrument zur Erforschung der Stiftungslandschaft. Träger des Stiftungspanels ist der Bundesverband Deutscher Stiftungen.

Grafiken zum Stiftungsvermögen 2019 finden Sie hier.

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