25.09.2020 | Von Die Stiftung

Aldi Familienstiftung: Ermittlung wegen Verdachtes der Untreue

Drei Erben von Aldi Nord sollen mehrere Millionen Euro aus der Jakobus-Stiftung entnommen haben – obwohl ein gerichtliches Urteil dies untersagt hat.

Ursprungs-Aldi in der Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck, 2006. Während der Aldi Rechtsstreit um Macht über drei Stiftungen letztes Jahr als beendet erklärt wurde, gibt es nun Untreue-Vorwürfe gegen Mitglieder der Unternehmerfamilie. Foto: USt at German Wikipedia., Aldi Essen-Schonnebeck, CC BY-SA 3.0

Sowohl Aldi Nord als auch Aldi Süd sind vollständig in Besitz von Familienstiftungen. Dies führte bei Aldi Nord in den vergangenen Jahren zu einem Familienstreit und Machtkampf (die-stiftung.de berichtete). Während im Frühjahr 2019 das Bundesverwaltungsgericht mitteilte, dass das Verfahren beendet sei, berichtet das Wirtschaftsmagazin Business Insider nun von neuen Vorwürfen im Familienstreit: „Die Staatsanwaltschaft Kiel ermittelt wegen des Verdachtes der Untreue gegen Mitglieder der Familie Albrecht. Demnach sollen drei Erben aus dem Aldi-Nord-Clan mithilfe eines Anwalts zu Unrecht Millionenausschüttungen aus einem Stiftungsvermögen veranlasst haben.“ Ausgelöst habe das Ermittlungsverfahren Nicolay Albrecht, einziger Sohn von Berthold Albrecht, so der Business Insider in einem weiteren Artikel. Seine Beweggründe, mit den Vorwürfen seine eigene Familie zu belasten, seien noch unklar.

Hintergrund ist folgender, wie der Business Insider erklärt: „Nach dem Tod von Aldi-Gründersohn Berthold Albrecht im Jahr 2012 haben die Erben recht schnell einen Brauch eingeführt. Fast jedes Jahr zur Weihnachtszeit drehen sie bei der Familien-Stiftung Jakobus den Geldhahn auf.“ Mindestens 25 Millionen Euro fließen demnach aus der Stiftung, die ihren Sitz in Schleswig-Holstein hat, in die Taschen der Witwe Babette und ihrer fünf Kinder. Ein gerichtliches Urteil habe dies jedoch untersagt – trotzdem hätten die vier Beschuldigten weiterhin hohe Summen aus der Stiftung entnommen.

Recherchen von Business Insider erhärten den Verdacht gegen die drei Aldi-Erben: „Besonders brisant ist dabei ein Schreiben der zuständigen Stiftungsaufsicht im Landkreis Rendsburg-Eckernförde an die Jakobus-Stiftung vom 28. August 2019. Darin warnt die Behörde ausdrücklich davor, solange der Vorstand nicht rechtmäßig besetzt wird, keine weiteren Ausschüttungen an die Destinatäre zu veranlassen.“

Die Familienstiftungen

Der Discount-Pionier Theo Albrecht hat vor seinem Tod dafür gesorgt, dass Aldi weiter fortentwickelt und nicht von seinen Erben aufgeteilt oder verkauft wird: Das Unternehmensvermögen ist in mehreren Familienstiftungen gebunden, die sich weitgehend um die Geschäfte des Discount-Riesen kümmern und den Angehörigen der Albrecht-Familie regelmäßig die Ausschüttungen aus den Stiftungsinvestitionen zahlen. Die Stiftungen sind damit nicht gemeinnützig und genießen auch keinerlei Steuervorteile. Alle 30 Jahre muss eine Erbersatzsteuer bezahlt werden. Familienstiftungen sind dennoch bei manchen Unternehmern durchaus beliebt. So muss das Vermögen nicht aufgeteilt werden, was häufig zu Konflikten führt. (die-stiftung.de berichtete)

 

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