06.06.2017 | Von Die Stiftung

„Die Immobilienpreise steigen langsamer“

Staatliche Regulierungen zeigen Auswirkungen am Markt / Im Gespräch mit DAVE-Experte Christoph Sterczyk.

Auch größere Sanierungsgebiete in Städten führen zu einer Verlangsamung des Anstieges der Immobilienpreise. (Urheber: M. Grossmann / pixelio.de)

DIE STIFTUNG: Herr Sterczyk, wie hat sich der Immobilienmarkt und die Immobilienpreise 2017 bis dato entwickelt?
Christoph Sterczyk: Der Markt ist nach wie vor im Aufschwung, vielleicht nicht mehr ganz so extrem wie in den vergangenen Jahren. Am Beispiel Berlins lässt sich das gut festmachen: Preisanstiege von 45 Prozent, die wir in den vergangenen Jahren erlebt haben, werden wir sicherlich nicht mehr sehen.

DIE STIFTUNG: Warum?
Sterczyk: Zunehmend greift der Staat in die Regulierung der Mieten ein, wie die Mietpreisbremse, aber auch Sanierungs-, Erhaltungs- oder Millieuschutzgebiete zeigen, so dass es zwangsläufig zu einer Verlangsamung des Preisanstieges kommen muss, wenn Immobilien weiter rentierlich bleiben sollen. Ein Rückgang der Preise ist aber nicht zu erwarten.

Langfristige Bestandshalter – wie es Stiftungen überwiegend sind – wird dies freuen, weil Markteilnehmer entfallen, die ausschließlich auf den kurzfristigen Erfolg setzen.

DIE STIFTUNG: Gibt es eine Unterscheidung im Wachstum zwischen Wohnimmobilien und gewerbliche Immobilien?
Sterczyk: Ich würde in Deutschland eher eine Unterscheidung zwischen Ballungsgebiet und ländlichem Raum machen. In den Ballungsgebieten wird es weiteren Zuzug geben, dadurch wird sich automatisch auch der Flächenbedarf erhöhen, im gewerblichen Bereich genauso wie beim Wohnen. Im ländlichen Raum hingegen gibt es diese Dynamik nicht überall.

DIE STIFTUNG: Was bedeutet diese Entwicklung für Stiftungen?
Sterczyk: Auch für Stiftungen gilt: Egal ob ich in gewerbliche oder Wohnimmobilien investiere, in Ballungsgebieten bin ich zunächst mal richtig.

DIE STIFTUNG: Was sollten Stiftungen beim Immobilieninvestment grundsätzlich bedenken?
Sterczyk: Um eine Immobilie muss man sich intensiv kümmern. Vorbereitungen für den Ankauf, Bewirtschaftungskosten, Instandhaltung für die Wertsteigerung und für den Werteerhalt. Außerdem muss die Immobilie immer wieder neuen gesetzlichen Anforderungen entsprechen, was oft mit Nachrüstungen verbunden ist.

Und für das Ende der Lebensdauer eines Objektes sollte man rechtzeitig eine passende Exit-Strategie parat haben. Eine Stiftung, die sich für ein Immobilieninvestment entscheidet oder bereits Bestandshalter ist, muss in der Lage sein, sich um all das zu kümmern. Oder sie muss einen professionellen Partner dafür einsetzen.

DIE STIFTUNG: Immobilien als Investitions- bzw. Sachwerte sind in der Wahrnehmung von Stiftungen also stärker verankert als früher?
Sterczyk: Wir denken ja, weil Immobilien ein wichtiger Bestandteil des Vermögenserhalts und der Risikostreuung bei der Anlagepolitik sind.

DIE STIFTUNG: Welche Veränderungen in der Beratungspraxis von Stiftungen bezogen auf Immobilieninvestments stellen Sie fest? Konfrontieren Sie Stiftungen mit anderen Fragen oder Bedürfnissen als noch vor ein paar Jahren?
Sterczyk: Ja, weshalb einer der besonderen Schwerpunkte unserer Arbeit momentan auf dem professionellen Immobilienmanagement liegt. Außerdem beraten wir Stiftungen dabei, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie Immobilien erben – behalten und bewirtschaften? Verkaufen oder das Erbe gar nicht antreten? Wir haben uns darauf eingestellt, hier mit unseren Kunden verständliche Lösungen zu finden.

DIE STIFTUNG: Wie reagieren Sie auf diesen veränderten Beratungsbedarf?
Sterczyk: Wir beraten heute ganzheitlicher als früher. Um dies zu gewährleisten, haben wir im DAVE-Netzwerk beispielsweise kürzlich erst eine vertrauliche, telefonische Erstinformation für Stiftungen eingerichtet, über die eine rasche und pragmatische Kontaktaufnahme zu uns möglich ist. Für andere Stiftungen wiederum, die langfristig investieren wollen, erstellen wir passgenaue Ankaufsprofile. Alles Dienstleistungen, die außerhalb der klassischen Maklerarbeit liegen.

DAVE_sterczyk ImmobilienpreiseZur Person: Christoph Sterczyk, Dipl. Betriebswirt (BA) arbeitet im Berliner Büro von Rohrer Immobilien. Rohrer Immobilien ist Teil des Netzwerks DAVE (Deutscher Anlage-Immobilien Verbund), einem Zusammenschluss von zehn inhabergeführten Immobilienunternehmen aus ganz Deutschland. DAVE ist Jahrespartner von DIE STIFTUNG. (Foto: © Rohrer Immobilien).

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