15.03.2012 | Von Die Stiftung

Die Verwaltungskosten der Philanthropie

Schon Jakob Fugger war ein Social Entrepreneur. Und Friedrich Wilhelm Raiffeisen hat den Mikrokredit bereits vor 150 Jahren erfunden. Gesellschaftliches Engagement von Privilegierten hat also eine lange Tradition. In jüngster Zeit wird versucht, soziale Probleme durch stark unternehmerisch geprägtes Handeln zu lösen. Das beinhaltet auch, zu kontrollieren, wie im Stiftungswesen gewirtschaftet wird.

„Wir haben eine Verpflichtung, Auskunft über Effizienz zu geben“, betonte Dr. Dominik Domnik von der Social Entrepreneurship Akademie in München. „Reportingstandards kommen, da müssen wir nicht mehr drum herum reden“, informierte er die Gäste des Augsburger Stiftungsfrühstücks im Haus St. Ulrich.

Die Veranstaltung, zu der das Magazin DIE STIFTUNG gemeinsam mit dem Internationalen Katholischen Missionswerk missio eingeladen hatte, fand in einer Runde von gut 25 Teilnehmern statt. Diesmal unter dem Motto: „Wirksamkeit von Social Investments – Projektförderung von Stiftungen auf dem Prüfstand“.

„Wenn ich 100 EUR spende, kommen 50 EUR im Projekt an. Der Rest muss Aufwendungen decken“, schilderte Domnik die Realität im Non-Profit-Sektor. „Diese Tatsache müsste transparenter gemacht werden.“ Viele Förderer bestehen jedoch darauf, dass ihre gesamte Spende dem gemeinnützigen Zweck zukommt. Vor welche Schwierigkeiten diese Tatsache stellt, beschrieb der Referent anschaulich: „Ich kann kein gutes Projekt machen, wenn ich keine gute Verwaltungsstruktur habe.“

Auch missio-Referentin Ulrike Philipp griff diesen Aspekt auf: „Die Stiftungen erwarten qualifizierte Ansprechpartner und die verursachen natürlich Kosten. „Vielleicht könnte durch mehr Transparenz mehr Verständnis hierfür entstehen.“

Neben der zunehmenden Forderung nach Rechenschaft über den Einsatz von Spendengeldern stehen NPOs noch vor einer weiteren Herausforderung: So verlangen immer mehr Förderer, dass die Organisationen einen Teil der Projektkosten selbst tragen müssen. Auch missio fordert von den Projektpartnern in rund 35 Ländern eine Eigenfinanzierung von 10%. „Diese 10% können aber auch aus Gebäudenutzung oder Arbeitsleistungen bestehen“, erklärte die Referentin.

Maria Festl informierte abschließend über den Transfer-Service. Hier wird Spendern, die bereits Projektpartnerschaften in Afrika, Asien oder Ozeanien unterhalten, der organisatorische Aufwand gebührenfrei von missio abgenommen, die Spendengelder ohne Abzüge an den kirchlichen Partner im entsprechenden Land transferiert. „Die Förderer, die auf missio zukommen, haben schon ein ganz konkretes Projekt im Sinn oder sogar schon einen konkreten Kontakt vor Ort“, berichtete Festl. Die restliche Abwicklung übernimmt missio. Eine Arbeitserleichterung, die dankbar angenommen wird.

Lisa Wolff

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