07.11.2012 | Von Die Stiftung

Geschichten aus dem Land der Gegensätze


Am 23. und 25. Oktober fanden zwei Stiftungsfrühstücke statt, die den Gästen einen Blick weit über den Tellerrand ermöglichten. In Speyer war Pater Andrew und in München Bischof Unabali zu Gast, die beide den weiten Weg aus Papua Neuguinea auf sich genommen hatten, um aus ihrer Heimat zu berichten.

Von Tobias M. Karow

Foto: Alexandra RößerBei den gemeinsam mit dem Katholischen Missionswerk missio und der Kapitalanlagegesellschaft Aachener Grundvermögen veranstalteten Stiftungsfrühstücken erzählten die Geistlichen davon, wie gemeinnützige Arbeit heute in Papua Neuguinea Berge versetzen kann. Warum sie das muss? Weil das Land am anderen Ende der Welt, um das zu erreichen es eine ganze Tagesreise braucht, einst ob seines Rohstoffreichtums plötzlich in die Moderne katapultiert wurde.

Dort wo die Rohstoffkonzerne aber wieder abzogen sind, nachdem sie die Vorkommen ausgebeutet hatten, fiel Papua Neuguinea in seiner Entwicklung wieder zurück. Mit all den Problemen, die das vor allem für die jungen Menschen mit sich bringt. Jetzt wird versucht, durch Bildungsinitiativen den Kindern und Jugendlichen eine Basis für eine berufliche Zukunft in Papua Neuguinea zu geben,

Der junge Mensch zählt
Bischof Unabali erzählte sehr eindrücklich, wie in seiner Diözese Programme für junge Menschen aussehen und in welchen Branchen diese dann in der Folge arbeiten könnten. Zum Beispiel in der Landwirtschaft oder in der Verwaltung. Schwellenländer haben eben mehr zu bieten als nur Arbeitsplätze in der Rohstoffindustrie. Für Bischof Unabali und Pater Andrew ist die Jugend die Zukunft des Landes, und damit rührten sie die Zuhörer sowohl in Speyer als auch in München.

Dabei ist der Weg noch lang, bis in Papua Neuguinea die Traditionen mehr sind als nur Folklore, die sich Touristen bei ihren seltenen Besuchen zu Gemüte führen und die Unternehmen eher als lästig empfinden. Die Traditionen der Menschen Papua Neuguineas haben zur Gänze mit Freundlichkeit, Aufgeschlossenheit, Vielfalt und Optimismus zu tun. Das als Basis wäre ein geeignetes Fundament, damit ganz Papua Neuguinea den nächsten Entwicklungsschritt geht.

Auch Ulrike Philipp, Referentin der Stiftung ecclesia mundi, konnte hier anknüpfen und erklärte, wie ihre Organisation vor allem Infrastruktur und Bildung in den Vordergrund stellt. In Papua Neuguinea seien beispielsweise in den Schulen 75% der Schüler männlich, über verschiedene Maßnahmen soll sich nun die Quote zwischen Jungen und Mädchen auf 50:50 einpendeln. Bischof Unabali und Pater Andrew dürften es mit Wohlwollen vernommen haben. Für die Gäste waren die beiden, die auf Einladung von missio auf den Stiftungsfrühstücken als Referenten auftraten, echte Highlights. Denn 24 Stunden Anreise hatte noch kein Vortragender auf sich genommen.

Foto: Alexandra RößerAuf der Suche nach sozialer Rendite
Aber auch die anderen Themenbereiche, die auf den Stiftungsfrühstücken diskutiert wurden, hinterließen bei den Gästen einen bleibenden Eindruck. In Speyer stand wieder einmal der SROI, also der Social Return on Investment, auf der Agenda.

Thomas Scheuerle vom Centrum für Soziale Investitionen und Innovationen an der Universität Heidelberg wusste die Zuhörer abzuholen, indem er erklärte, wie Stiftungen das Konzept des SROI in der Praxis umsetzen könnten. Jedoch sei der Weg nicht ganz einfach. Zunächst einmal, und hier ging Scheuerle nochmals auf die Grundzüge des SROI-Konzepts ein, würden drei Arten von Renditen voneinander unterschieden. Die ökonomische Rendite zeigt, „was letztlich hängen bleibt“. Die sozioökonomische Rendite fragt nach geringeren Kosten für die Öffentliche Hand. Und letztlich fragt die soziale Rendite nach Mehrwerten für die Gesellschaft beziehungsweise einem Plus an Lebensstandard.

Scheuerle wusste dann auch, dieses theoretische Gerüst auf die Bedürfnisse von Stiftungen zu übertragen. Jedoch wies er auch darauf hin, dass nicht jede Stiftung mit dem SROI wird arbeiten können. Das Konzept ist schlichtweg komplex und bedarf gewisser organisatorischer Voraussetzungen. Stiftungen, die sich das leisten können, sollten vier Schritte gehen: Erst das Projekt auswählen, dann den Weg der Wirkung kennen, die Wirkungsarten bestimmen und letztlich die exakte Wirkung eruieren.

Dies fordert viele Stiftungen grundsätzlich heraus, aber diejenigen Stiftungen, die diese Kette nicht abarbeiten können, dürften künftig im Wettbewerb um Spender und Unterstützer im Vergleich zurückfallen. Denn nicht nur Stiftungen wollen wissen, ob und wie ihre Projektarbeit funktioniert, die Unterstützer und Spender wollen das umso mehr. Professionalisierung ist also vonnöten, in der Projektarbeit wie in der Vermögensanlage.

Foto: Alexandra RößerMehr Substanz geht kaum
Auf dem Stiftungsfrühstück in München lag der zweite Schwerpunkt auf der Veranlagung von Immobilienvermögen und wie durch Immobilien die Erträge auch und vor allem in einer Stiftung verstetigt werden können. Prof. Dr. Thomas Zimmer von der Hochschule Ansbach konnte die Zuhörer davon überzeugen, dass sich Stiftungen in ihrer Kapitalanlage auf verschiedene Risiken vorbereiten müssen, die sie bisher nicht auf dem Schirm hatten. Zum Beispiel dürfte die Häufigkeit von Krisen eher noch zunehmen: Die vergangenen zehn Jahre brachten so viele mit sich wie die gesamten 30 Jahre davor. Das schockierte bisweilen etwas.

Auch dürfen Stiftungen keine rasch steigenden Renditen bei den Anleihen erwarten. Im Zinszyklus sind wir weit fortgeschritten, weiter als bis null können Zinsen nicht fallen, und hiervon seien wir aktuell nicht mehr weit entfernt. Zinspapiere bergen also Kursverlustrisiken in sich, und darauf seien viele Stiftungen nicht vorbereitet. Eine gute Aktie oder ein gutes Immobilieninvestment würden in Zeiten wie diesen ein geeignetes Instrument zur Diversifikation darstellen.

Bei Immobilien muss die Qualität stimmen
Damit sprach Zimmer auch Georg Heinze, Geschäftsführer der Aachener Grundvermögen, aus der Seele. Heinze steht zum Beispiel für den Aachener Spar-und Stiftungsfonds, der in 1A-Immobilien in Innenstadtlagen investiert und Stiftungen damit eine Möglichkeit für ein hochqualitatives Investment bietet. Für Heinze ist aber klar, dass nur Qualität in ein Stiftungsportfolio gehört und zur Immobilie auch die Quartalsdenke, der leider auch immer mehr Stiftungen verfallen, nicht so recht passt. Warum er Innenstadtlagen favorisiert, konnte er in der Diskussion kurz und knapp belegen: Städte werden in ihrer Bedeutung weiter wachsen, und nicht schrumpfen.

Fazit
Die beiden Stiftungsfrühstücke in Speyer und München konnten interessante neue Aspekte für die tägliche Stiftungsarbeit herausarbeiten und wichtige Hinweise geben, was Stiftungen heute tun können, um professioneller zu werden. Allein der Weg ist für die Masse der deutschen Stiftungen noch weit.

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