01.03.2017 | Von Die Stiftung

Mindestlohn in Deutschland geringer als bei vielen westlichen Nachbarn

Trotz Anhebung des Mindestlohns auf 8,84 EUR pro Stunde liegt dieser in Deutschland zum Teil deutlich unter dem Niveau anderer westeuropäischer Staaten. Das zeigt der neue Mindestlohnbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. In Frankreich liegt die Untergrenze bei 9,76 EUR, in den Niederlanden bei 9,52 EUR, in Belgien bei 9,28 EUR und in Irland bei 9,25 EUR. Den Rekord hält Luxemburg, wo abhängige Beschäftigung mit mindestens 11,27 EUR pro Stunde vergütet werden muss. Der Mindestlohn in Großbritannien liegt mit umgerechnet 8,79 EUR zwar auf dem gleichen Niveau wie Deutschland, dies führt die Organisation allerdings auf den sinkenden Kurs des Britischen Pfunds nach der Brexit-Entscheidung zurück.

Innerhalb der EU hat sich der Mindestlohn insgesamt erfreulich entwickelt, konstatiert die Untersuchung. Inzwischen haben 22 der 28 Mitgliedsstaaten eine Lohnuntergrenze. 21 davon haben diese zum 1. Januar dieses Jahres oder im Laufe des vergangenen Jahres angehoben. Da gleichzeitig die Inflation sehr niedrig war, legten die Mindestlöhne in den meisten EU-Ländern auch real deutlich zu. Nur in Griechenland gab es aufgrund der Vorgaben der Troika keine Erhöhung, das Land bildet mit 3,35 EUR das Schlusslicht unter den Staaten.

Der Mindestlohn wurde in Deutschland zum 1. Januar 2015 eingeführt und betrug zunächst 8,50 EUR die Stunde. Zum 1. Januar 2017 wurde das Entgelt auf 8,84 EUR erhöht. Die Angemessenheit des Mindestlohns wird immer wieder lebhaft diskutiert. So hat das Europäische Parlament im Herbst 2016 als Ziel formuliert, diesen stufenweise auf 60% des nationalen Durchschnittslohns anzuheben.

www.boeckler.de

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