11.11.2019 | Von Martina Benz

Ostdeutschland gründet, der Abstand bleibt

30 Jahre sind vergangen, seit die Mauer fiel. 1.337 neue Stiftungen wurden seitdem in Ostdeutschland gegründet, die Tendenz steigend. Insgesamt machen ostdeutsche Stiftungen dennoch nur rund sieben Prozent der 22.743 Stiftungen in ganz Deutschland aus. Das hat der Bundesverband Deutscher Stiftungen bekanntgegeben.

Ostdeutschland
Die vom Bundesverband veröffentlichen Zahlen zeigen: In Ostdeutschland werden immer mehr Stiftungen gegründet. Die Gesamtzahl liegt dennoch weit hinter dem Westen. Quelle: Bundesverband Deutscher Stiftungen. Berlin 2019. Stiftungen: Umfrage unter den Stiftungsaufsichtsbehörden, Stichtag 31. Dezember 2018. DESTATIS Ergebnisse der Bevölkerungsfortschreibung, 31. Dezember 2017 nach Zensus.

Ostdeutschland ist nicht mehr gar so stiftungsarm: Nach Angaben vom Bundesverband Deutscher Stiftungen sind in den fünf ostdeutschen Bundesländern seit dem Mauerfall – genauer gesagt zwischen 3. Oktober 1990 und 31. Dezember 2018 – 1.337 neue rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts gegründet worden. Insgesamt macht das 1.613 rechtsfähige Stiftungen des bürgerlichen Rechts (Stand Ende 2018). Bis Ende Oktober 2019 seien bereits 30 weitere neue Stiftungen hinzugekommen, so der Bundesverband. „Der Mauerfall war der Startschuss für die Entwicklung einer lebendigen Zivilgesellschaft und die Gründung zahlreicher Stiftungen in Ostdeutschland“, wertet Prof. Joachim Rogall, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, diese Zahlen.

Weiterhin große Unterschiede …

Dennoch liegt die Anzahl rechtsfähiger Stiftungen in Ostdeutschland weit unter der des Westens, wo es 20.175 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts gibt. Diese doch noch sehr unterschiedlichen Gesamtzahlen erklärt der Bundesverband damit, dass Stiftungen in der DDR als Ausdruck zivilgesellschaftlichen Engagements staatlicherseits unerwünscht gewesen und zwischen 1952 und 1956 rund 90 Prozent aller zu dem Zeitpunkt bestehenden weltlichen Stiftungen aufgelöst worden seien. Dass auch seit der Wiedervereinigung im Osten weniger Stiftungen gegründet werden als im Westen, liege unter anderem an der Vermögensverteilung: „Noch heute sind die Vermögen der Menschen in den östlichen Ländern insgesamt wesentlich geringer als in den westlichen. Somit steht auch weniger Geld zum Stiften zur Verfügung“, so der Bundesverband.

… auch in der Stiftungskultur

Und das ist nicht der einzige Unterschied. Auch in der Kultur unterscheide sich die ost- von der westdeutschen Stiftungslandschaft: „So spielen beispielsweise im Osten kapitalstarke Einzelstifterinnen und -stifter eine geringere Rolle als im Westen. Dafür sind Bürger- und Gemeinschaftsstiftungen, in denen sich viele Menschen zusammen engagieren, im Osten von besonderer Bedeutung. Statt durch Erträge aus dem Stiftungsvermögen stemmen viele Ost-Stiftungen ihre Arbeit durch bürgerschaftliches Engagement und Fundraising, zum Beispiel über Spenden. Angesichts niedriger Kapitalerträge trifft dies zurzeit allerdings auch zunehmend auf die kleineren Stiftungen in Westdeutschland zu“, gibt Eva Sturm, Beiratsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und Vorstand der Cellex Stiftung, Dresden, bekannt.

Genauere Zahlen und Stiftungsdichte

Im Detail lauten die vom Bundesverband veröffentlichten Zahlen im Osten wie folgt: „Unter den ostdeutschen Flächenländern liegt Sachsen mit 569 Stiftungen vorne, gefolgt von Thüringen (335), Sachsen-Anhalt (309) und Brandenburg (237). In Mecklenburg-Vorpommern ist die Zahl der Stiftungen bundesweit am niedrigsten (163).“

Und die Stiftungsdichte? Da liegt Thüringen mit 16 Stiftungen auf 100.000 Einwohner vor den anderen ostdeutschen Flächenländern. In Sachsen und Sachsen-Anhalt sind es je 14. Am niedrigsten ist die Stiftungsdichte in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern: 10 Stiftungen gibt es dort pro 100.000 Menschen. Der bundesdeutsche Durchschnitt ist mit 28 Stiftungen pro 100.000 Einwohner deutlich höher.

 

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