14.06.2018 | Von Die Stiftung

Steinkohle-Ende: Kassensturz bei der RAG-Stiftung

Die RAG-Stiftung übernimmt ab nächstem Jahr die Folgekosten des Steinkohlebergbaus in Deutschland. Ein letzter Kassensturz vor dem Ernstfall zeigte: die Stiftung ist mit 17,3 Milliarden Euro Stiftungsvermögen gut gerüstet für die Finanzierung der sogenannten Ewigkeitsaufgaben des Kohlebergbaus. Doch sie ist auch stark abhängig von der Dividende des Chemiekonzerns Evonik.

RAG-Stiftung
Die Steinkohleförderung ist bald Geschichte – und die Ewigkeitsaufgaben kommen auf die RAG-Stiftung zu. Foto: Dieter Schütz / pixelio.de

2019 wird der subventionierte Steinkohlebergbau in Deutschland Geschichte sein. Ende 2018 werden in Bottrop und Ibbenbüren die letzten deutschen Zechen dichtgemacht. Danach soll die eigens vor elf Jahren gegründete RAG-Stiftung die sogenannten Ewigkeitsaufgaben des Kohlebergbaus der heutigen Bergbaugesellschaft RAG übernehmen: Das Reparieren von Bergschäden oder das Abpumpen von Grubenwasser zählt dann zu den Aufgaben der Stiftung, sie wird rund 220 Millionen Euro pro Jahr dafür aufwenden. Diese Kosten sollen wiederum der öffentlichen Hand auf Dauer erspart bleiben  (wir berichteten).

Die RAG-Stiftung sehe sich gut gerüstet für die Zeit nach dem Bergbau, berichtete die Rheinische Post: Sie erhöhte ihre Rückstellungen im vergangenen Jahr um die Rekordsumme von 431 Millionen auf 5,27 Milliarden Euro. Der Chemiekonzern Evonik trug wie bereits in den letzten Jahren den größten Beitrag zum Stiftungsgewinn bei, er zahlte 364 Millionen Euro Dividende an die Stiftung. Diese hält knapp 68 Prozent an Evonik. Bernd Tönjes, Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung, sagte gegenüber der Rheinischen Post, dass er erwarte, dass dies so weiter gehe: „Evonik soll profitabel wachsen und verlässlich Dividende zahlen.“ Mit dessen Aktienkursentwicklung zeigte er sich hingegen unzufrieden, da sie von 33 Euro je Aktie (2013) auf 31 Euro fiel. Helmut Linssen, Finanzchef der RAG-Stiftung, erklärte gegenüber der Rheinischen Post: „Bei jeder Veränderung des Aktienkurses um ein Euro verändert sich unser Vermögen um 300 Millionen Euro.“ Grund für die negative Entwicklung sei auch der geringe Streubesitz, die Verantwortlichen zeigten sich zuversichtlich, mit einer neuen Strategie Potentiale zu heben. Grundsätzlich, aber ohne Zeitdruck, müsse die Stiftung ihren Anteil an Evonik reduzieren, da sonst das Klumpenrisiko zu hoch sei.

Drei Standbeine

Zudem hält die Stiftung 30 Prozent an der Immobiliengesellschaft Vivawest. Daneben investiert die Stiftung in ein drittes Standbein: Kapitalanlagen, Beteiligungsgesellschaft und Private-Equity-Aktivitäten. Insgesamt lieferten diese laut der Rheinischen Post 67 Millionen Euro bei der Stiftung ab.

Die Stiftung wurde 2007 von Werner Müller gegründet. Er war Vorstandsvorsitzender der RAG-Stiftung sowie Aufsichtsrat von Evonik Industries AG, RAG AG und Deutsche Steinkohle AG. Ende Mai 2018 legte er aus gesundheitlichen Gründen alle Ämter nieder. Den Vorstandsvorsitz der Stiftung übernahm Bernd Tönjes, der bis vor kurzem Chef des Zechenkonzerns RAG war (wir berichteten).

Bildungsprojekte für Bergbauregionen

3.550 Mitarbeiter sind derzeit für den Zechenkonzern RAG tätig, in den nächsten vier Jahren soll die Zahl auf 470 Personen sinken. Diese werden sich um Wasserhaltung, Bergschäden und Rekultivierung kümmern, so die Rheinische Post. Im letzten Jahr der Steinkohlenförderung verlaufe der „sozialverträgliche Personalabbau“ planmäßig, erklärte das Nachrichtenportal halloherne. Die Stiftung übernimmt mit einem Förderschwerpunkt auf Bildungsprojekten für junge Menschen auch eine gesellschaftliche Mitverantwortung für die bald ehemaligen Bergbauregionen. Dieses Jahr wird die Stiftung laut halloherne für die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Kultur insgesamt 16,5 Millionen Euro einsetzen.

www.rag-stiftung.de

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