18.01.2018 | Von Die Stiftung

Stiftung Berliner Mauer will Fluchttunnel bewahren

Historische Funde unter dem Berliner Mauerpark: Ein 80 Meter langer Fluchttunnel und eine 20 Tonnen schwere Betonplatte, die einen Grenzdurchbruch verhindern sollte. Im Gespräch mit der Stiftung Berliner Mauer dazu, wie sie die Fundstücke der Öffentlichkeit zugängig machen möchte.

Stiftung Berliner Mauer
Die Funde im Berliner Mauerpark bringen für die Stiftung Berliner Mauer Potential für neue Projekte mit sich: Im Zentrum ist die 20 Tonnen schwere Betonplatte mit den eingegossenen Fahrzeugsperren zu sehen. Foto: © Stiftung Berliner Mauer / Manfred Wichmann

DIE STIFTUNG: Als wie wichtig erachtet die Stiftung Berliner Mauer diese Funde?
Dr. Manfred Wichmann, Sammlungsleiter der Stiftung Berliner Mauer: Die Funde am Mauerpark zeigen insbesondere, wie die Grenzanlagen die bestehende Stadtstruktur durchschnitten und zerstörten, und wie sich der Grenzstreifen bis 1989 beständig änderte. An der Fundstelle sind die Schichten der Stadtgeschichte gut zu identifizieren: So finden sich Fundamente und Reste der alten Bahnanlagen, auf und neben denen sich Reste der Grenzanlagen aus den 1960er und 1970er Jahre erhalten haben, die wiederum im Zuge des Gebietsaustausches 1988 noch im letzten Jahr der Mauer selber wieder überbaut wurden. Die Funde verdeutlichen die Rigorosität des Grenzstreifens und gleichzeitig die enormen Ressourcen, die in den beständigen Ausbau der Grenzanlagen flossen. Die Fluchtaktionen an dieser Stelle belegen zudem, dass trotz allen Aufwands immer wieder Menschen versuchten, die Mauer auch hier im innerstädtischen Bereich zu überwinden.

Stiftung Berliner Mauer: Geschichte mitten im Berliner Bauboom greifbar machen

DIE STIFTUNG: Zweck Ihrer Stiftung ist, die historischen Orte und authentischen Spuren der Berliner Mauer zu bewahren. Welchen Einfluss haben die Fundstücke auf die Stiftung und ihre Tätigkeiten in naher Zukunft?
Wichmann: Der mit Abstand wichtigste Befund, die Betonplatte mit den eingegossenen Fahrzeugsperren und Zaunpfosten, soll als Ganzes erhalten bleiben und könnte nach Abschluss der Arbeiten am originalen Platz sichtbar gemacht werden. Dafür wäre allerdings eine entsprechende Umplanung der Gestaltung erforderlich, was die Stiftung zusammen mit dem Landesdenkmalamt begrüßen würde. Hier wäre eine Art archäologisches Fenster denkbar, um den Befund zu zeigen und im Kontext der Teilungsgeschichte zu erklären. Dafür könnte das erprobte Informationskonzept der Gedenkstätte, das bereits auf der anderen Straßenseite umgesetzt worden ist, hier am Eingang zum Mauerpark eine adäquate Umsetzung und für den Besucher eine sinnvolle Fortsetzung finden. Die Kleinfunde, vor allem von der Lichttrasse und dem Telefonmeldenetz der Grenztruppen, werden von der Sammlung der Stiftung dauerhaft in den Bestand übernommen. Diese könnten bei einer Gestaltung vor Ort dann auch im Original oder mit Fotos zur Verdeutlichung der ursprünglichen Situation genutzt werden.

DIE STIFTUNG: Ist all das mitten im Berliner Bauboom möglich –  vor allem mitten auf einer Baustelle und im sehr belebten Mauerpark?
Dr. Günter Schlusche, Planungs- und Baukoordinator der Stiftung: Die Stiftung Berliner Mauer kann ihre Aufgaben nur dann erfüllen, wenn sie bei ersten Anzeichen und Befunden möglichst früh und direkt informiert wird. Dies geschieht in den letzten Jahren immer häufiger, was auch damit zu tun hat, dass das öffentliche Bewusstsein in Bezug auf die Geschichte und Bedeutung der Berliner Mauer heute wesentlich besser entwickelt ist als z. B. vor 10 oder 15 Jahren. Die Kooperation mit dem Landesdenkmalamt, den Bezirken und weiteren Planungsträgern hat sich in dieser Hinsicht deutlich verbessert und ist, bezogen auf die Berliner Wasserbetriebe, auch bei dem aktuellen Befund im Mauerpark sehr gut. In Bezug auf private Bauträger bzw. Bauvorhaben bleibt in dieser Hinsicht – gerade im Zeichen des Berliner Baubooms der letzten Jahre – allerdings noch viel zu tun. Aber auch hier gibt es positive Erfahrungen, und es lassen sich immer wieder gestalterische Lösungen finden, die im beiderseitigen Interesse liegen.

Zu den Personen: Dr. Manfred Wichmann ist Sammlungsleiter, Dr. Günter Schlusche Planungs- und Baukoordinator der Stiftung Berliner Mauer.

www.stiftung-berliner-mauer.de

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