19.01.2018 | Von Die Stiftung

Nach Domabriss: Stiftung Denkmalschutz fordert Umdenken

Der Dom von Immerath in Nordrhein-Westfalen wurde letzte Woche abgerissen, weil RWE Power an dieser Stelle den Kohletagebau ausbauen will. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz plädiert für eine stärkere Lobby für Kulturdenkmale.

Denkmalschutz
Proteste von Bürgern und Aktivisten konnten den Abriss des Immerather Doms nicht verhindern. Das Bundesverfassungsgericht hatte eine Klage gegen die Umsiedlung zugunsten der Braunkohleförderung zurückgewiesen. Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Als hätte es die Energiewende nie gegeben: In Erkelenz-Immerath in Nordrhein-Westfalen ist der denkmalgeschützte Dom von Immerath dem Braunkohletagebau zum Opfer gefallen. Die RWE Power erweitert den Abbau in der Region, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) fordert indes ein Umdenken: „Dass in der Abwägung der öffentlichen Interessen der Denkmalschutz trotz der erfolgten Energiewende und der wachsenden Sensibilität gegen die Umweltverschmutzung durch Kohlekraftwerke sich nicht durchsetzen konnte, ist eine vertane Chance“, erklärt die Stiftung auf ihrer Website.

Appell zum Denkmalschutz

Auf der Grundlage der gewandelten politischen Rahmenbedingungen hätten sich Vorstand und Wissenschaftliche Kommission der Stiftung gerade zu Beginn des Europäischen Kulturerbejahres 2018 eine Neubewertung der Notwendigkeit gewünscht, gewachsene Kulturlandschaften zu zerstören. „Dass auch in diesem Jahr Kultur weiterhin scheinbar selbstverständlich zur Disposition steht, sehen wir als misslungenen Start in das Kulturerbejahr“, so die Stiftung. Eine stärkere Lobby wünscht sie sich für solche Kulturlandschaften, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben und für Identität und Heimatgefühl der Menschen eine große Bedeutung haben.

Protest vor und bei Abriss des Doms

Von 1888 bis 1891 wurde das Kirchengebäude gebaut, zwei Tage dauerte der Abriss. Proteste gab es nicht nur vor Ort, unter anderem von Greenpeace-Aktivisten, sondern schon seit Jahren: Im Jahr 2013 wies das Bundesverfassungsgericht die Klage eines Anwohners gegen die Umsiedlung des Dorfes zurück und machte die Nutzung der Grube durch die RWE Power bis 2045 möglich, wie Spiegel Online berichtet. „Der denkmalgeschützte Bau steht aber nur beispielhaft für zahlreiche einzigartige Baudenkmale in Deutschland, die immer wieder akut bedroht sind, sobald wirtschaftliche Überlegungen ins Feld geführt werden“, so die Stiftung.

Aktiv seit 1985

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist die größte private Initiative für Denkmalpflege in Deutschland. Sie setzt sich seit 1985 für den Erhalt bedrohter Baudenkmale ein: von der Notfall-Rettung gefährdeter Denkmale, pädagogischen Schul- und Jugendprogrammen bis hin zur bundesweiten Aktion „Tag des offenen Denkmals“.

Zur Webseite der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

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