09.03.2018 | Von Die Stiftung

Stiftung Warentest hält Prüflabore geheim

Die bekannteste Stiftung Deutschlands untersucht und bewertet Waren und Dienstleistungen. Die Stiftung Warentest beauftragt dafür externe Prüflabore, die sie geheim halten muss. Trotzdem gewährt sie Einblicke in die Testverfahren und deren Finanzierung.

Stiftung Warentest
Die Stiftung Warentest prüft unabhängig Produkte. Und finanziert sich unter anderem über das Geschäft mit den Logolizenzen. Foto: „Stiftung Warentest“

Die Stiftung Warentest ist eine der bekanntesten Stiftungen in Deutschland. 1964 wurde sie auf Beschluss des Deutschen Bundestages gegründet, um dem Verbraucher durch die vergleichenden Tests von Waren und Dienstleistungen eine unabhängige und objektive Unterstützung zu bieten. Das tut sie noch heute, und muss dafür ihre Verfahren geheim halten. Anonym kauft sie im Handel oder nimmt verdeckt Dienstleistungen in Anspruch. Getestet wird daraufhin mit wissenschaftlichen Methoden in unabhängigen Instituten nach den Vorgaben der Stiftung. Die Bewertungen von „sehr gut“ bis „mangelhaft“ finden wir daraufhin auf Produkten platziert, in den Zeitschriften test und Finanztest oder auf der Website www.test.de.

Stiftung Warentest braucht Geheimnisse

Die Geheimhaltung der Prüfinstitute ist für die Stiftung elementar: „Das machen wir, damit die Hersteller keinen Druck auf die Labore ausüben und Testergebnisse nicht beeinflussen können“, erklärt Holger Brackmann, Untersuchungsleiter der Stiftung Warentest, gegenüber dem WDR. Trotzdem führt die Stiftung regelmäßig Journalisten durch die Labore. Der WDR stellte diese Woche eine Auswahl der Testverfahren vor, etwa den sogenannten Türschwellen-Pfosten-Test: „Bei diesem Test versuchen die Ingenieure auf dem Prüfstand das zu simulieren, was Verbraucher dem Staubsauger zumuten, wenn sie ihn am Schlauch durch die Wohnung ziehen und der Sauger gegen Türschwellen und Pfosten knallt. Dafür wird der Sauger in eine Apparatur eingeklemmt, die ihn auf einem Band 10.000 Mal über nachgebaute Türschwelle zieht.“ Die Tests der Stiftung Warentest richten sich nicht nur nach den gesetzlichen Normen, sondern zusätzlich nach eigenen, strengeren und realitätsnahen Vorgaben, erklärt der WDR.

Hohes Testbudget

Im vergangenen Jahr lag das Testbudget bei 7,8 Millionen Euro, teilt der WDR mit. Weit über die Hälfte der Umsatzerlöse stammen aus dem Verkauf der beiden Stiftungs-Zeitschriften, gut sieben Prozent aus kostenpflichtigen Abrufen von Testergebnissen auf der Website, acht Prozent aus dem Bücherverkauf. Die Logolizenzen, mit denen Unternehmen mit guten Testergebnissen werben, generieren weitere acht Prozent der Einnahmen. Hinzu kommen zehn Prozent vom Staat und vier Prozent über Kapitalerträge. Das Stiftungskapital wurde zuletzt auf einen Wert von insgesamt 175 Millionen Euro aufgestockt. Ziel sei, teilt die Stiftung dem WDR mit, dass die jährlichen Zuwendungen des Staates zurückgefahren werden und die Stiftung komplett ohne Zuschüsse auskomme.

www.test.de

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