06.07.2018 | Von Die Stiftung

Stiftungsfokus: Transparenzdebatte im Dritten Sektor geht weiter

Obwohl fast drei Viertel der für den Stiftungsfokus des Bundesverbands Deutscher Stiftungen befragten Stiftungen die Einrichtung eines bundeseinheitlichen Stiftungsregisters mit Publizitätswirkung befürworten, lässt die Transparenz im Stiftungssektor noch zu wünschen übrig.

Stiftungsfokus
Der Wille zu mehr Transparenz im Stiftungssektor ist da, an der Umsetzung hapert es zum Teil noch – das zeigt der Stiftungsfokus Transparenz des Bundesverbands Deutscher Stiftungen. Foto: birgitH / pixelio.de

Die aktuelle Stiftungspanel-Befragung des Bundesverbands Deutscher Stiftungen – Stiftungsfokus Transparenz – ist folgenden Fragen nachgegangen: Wie halten es Stiftungen mit der Transparenz gegenüber der allgemeinen Öffentlichkeit? Welche Kennzahlen publizieren sie regelmäßig? Gehen sie Selbstverpflichtungen zur Transparenz ein?

Stiftungsfokus zeigt Befürwortung eines Stiftungsregisters

Die Ergebnisse zeugen von mäßiger Transparenz. Obwohl Grundsätze, Siegel oder Selbstverpflichtungen der Zivilgesellschaft die Transparenz erhöhen sollen, zeigten die Befragten Spenden sammelnden Stiftungen nur ein geringes Interesse an der Beantragung des DZI Spenden-Siegels (nur ein Viertel derer, denen das Siegel ein Begriff war). Jedoch sprechen sich fast drei Viertel der befragten Stiftungen für ein bundeseinheitliches Stiftungsregister mit Publizitätswirkung aus. An die Forderung desselben hat der Bundesverband anlässlich der zweitägigen Innenministerkonferenz in Quedlinburg (DIE STIFTUNG berichtete) erinnert.

Die Transparenz Online könnte besser sein

Nur knapp 40 Prozent der Spenden sammelnden Stiftungen geben online das Datum ihres jüngsten Freistellungsbescheids bekannt, und nicht mal 50 Prozent der befragten Stiftungen machen auf der eigenen Website Angaben zu den Stiftungsfinanzen, so weitere Ergebnisse des Stiftungsfokus. Den Jahresbericht schickt mehr als ein Viertel der befragten Spenden sammelnden Stiftungen nur an die Stiftungsaufsicht.

Immerhin: Nach Angaben der Autoren veröffentlichen rund drei Viertel der Stiftungen mit eigener Internetseite dort Angaben zur Mittelherkunft, und zum Zeitpunkt der Umfrage hatten mehr als 80 Prozent der befragten Stiftungen ihre wirtschaftlich Berechtigten in das Transparenzregister eingetragen.

Grundsätze guter Stiftungspraxis

2006 hat die Mitgliederversammlung des Bundesverbands Deutscher Stiftungen auf dem Deutschen Stiftungstag in Dresden die Grundsätze guter Stiftungspraxis verabschiedet. Darin wird „die regelmäßige Darstellung von Eckdaten zu Mittelherkunft und -verwendung, zu Tätig­keiten sowie zu Organisations- und Entscheidungsstrukturen“ als Teil des  „Basispakets Transparenz“ von Stiftungen erläutert.  Die aktuelle Umfrage zeigte nun: Obwohl zwar fast drei Viertel der befragten Stiftungen die Grund­sätze guter Stiftungspraxis anwenden, wird deren Einhaltung nur von einem knappen Drittel überprüft.

Stiftungsfokus und Stiftungspanel

Die Umfrage fand laut Bundesverband online im November 2017 statt. Befragt wurden Stiftungen, die beim Stiftungspanel des Bundesverbands registriert sind. An der Befragung beteiligt haben sich 45 Prozent der in diesem Zeitraum 553 registrierten Teilnehmenden des Stiftungspanels. Mit dem Stiftungspanel erforscht der Wissenschaftliche Dienst des Bundesverbands die Stiftungslandschaft. Hier können Stiftungen schnell und einfach ihre Meinung zu aktuellen Themen einbringen. Die Ergebnisse werden im Stiftungsfokus aufbereitet. Träger des Stiftungspanels ist der Bundesverband Deutscher Stiftungen. Es wird von der Software AG-Stiftung gefördert.

Der Stiftungsfokus Transparenz steht hier zum kostenlosen Download bereit.

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