20.12.2017 | Von Die Stiftung

Studie beleuchtet Digitalisierung in NPO

Das „Betterplace Lab“ hat zusammen mit anderen Partnern eine Studie veröffentlicht, welche Auskunft über den Wandel durch Digitalisierung in NPO gibt. Doch können sie ihr auch gerecht werden?

Digitalisierung in NPO
Auch NPO müssen sich dem digitalen Wandel anpassen. Foto: Paul-Georg Meister/pixelio.de

70 Prozent der 162 Befragten sehen sich in den kommenden Jahren stark oder sehr stark von der Digitalisierung in NPO betroffen. Insbesondere die Nutzung digitaler Tools wie Social Media oder die Erledigung administrativer Aufgaben spielt eine große Rolle. Die Bedeutung struktureller und prozessualer Veränderungen für die eigene Organisation steht dagegen weniger im Fokus. Im Kern gilt bei vielen das Motto „Alt und bewährt“.

Rund 70 Prozent der Studienteilnehmer halten die Möglichkeit, Aufgaben wie zum Beispiel Mitglieder- oder Spendenverwaltung durch digitale Tools auszuführen, für sehr relevant. Aber nur ein viertel der Organisationen sieht sich darauf gut vorbereitet. Hier besteht also Verbesserungsbedarf. Digitalisierung in NPO funktioniert bei kleinen und jungen Organisationen jedoch tendentiell besser als in alten.

Die Probleme der Digitalisierung in NPO

Die gute Nachricht: Eine grundsätzliche Digitalisierungsskepsis oder Orientierungslosigkeit konnte bei den Befragungsteilnehmern nicht festgestellt werden. Woran fehlt es also in der Praxis? Mangelnde finanzielle, personelle und zeitliche Ressourcen sind die entscheidenden Faktoren, die die Digitalisierung in NPO aufhalten. Selbst Organisationen mit großen Jahresbudgets investieren wenig in die Digitalisierung.

Insgesamt könnte man aufgrund des geringen Interesses auf einen Mangel an Digitalkompetenzen schließen. Tatsächlich gaben nur 30 Prozent der Organisationen an, gute oder sehr gute Kenntnisse über digitale Produkte und Online-Tools zu haben. Jeder zweite Teilnehmer stellt seiner Organisation ein schlechtes Zeugnis bei Kenntnissen im Bereich der Wirkungsanalyse oder beim Online-Fundraising aus. Insbesondere Methoden wie „Scrum“ oder „Design Thinking“ sind 70 Prozent der Befragten ein Fremdwort. Auch hier zeigt sich ein Generationenschnitt. Vor allem die vor 1987 gegründeten Organisationen schneiden deutlich schlechter ab, als jüngere.

Unterschiede zwischen alt/groß vs. jung/klein

Dabei scheint in den meisten NPO zumindest die Basis für eine positive digitale Entwicklung gelegt. Nur 15 Prozent der befragten Non-Profit-Organisationen geben an, über veraltete IT-Ausstattung zu verfügen. Die Hälfte der Befragten gibt an, bei Netzwerk, IT-Sicherheit und Hardware auf dem neuesten Stand zu sein. Im Bereich der Software ist jedoch nur ein Drittel technisch up-to-date. Hier haben die größeren und älteren Organisationen stark investiert.

In der Nutzung digitaler Tools wie Cloud, Social Media und Mobile Apps sind junge Organisationen den Großen ein Vorbild. Einen eigenen IT-Verantwortlichen leisten sich aber nur die großen Organisationen. Ein geringer Teil arbeitet mit externen Dienstleistern zusammen. Das spart zwar zunächst Geld, könnte laut der Studie aber auch ein Hemmnis für künftige Digitalisierungsinitiativen sein.

Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die Mehrzahl der Mitarbeiter und der überwiegende Teil der Gremien und großen Geldgeber kein Interesse an Veränderungen im Bereich der Digitalisierung haben. Auch hier neigen ältere und größere Organisationen zur Schwerfälligkeit, dagegen sind kleine und junge Organisationen wesentlich agiler.

Nicole Dufft, Mitautorin der Studie, hat die Studienergebnisse auch bei den Kollegen von Stifter TV vorgestellt:

 
Über die Studie

Für die Studie „Digitalisierung in Non-Profit-Oragnisationen“ wurden im Juni und Juli 2017 insgesamt 162 Mitarbeiter von Non-Profit-Organisationen online befragt. Die Umfrage erhebt laut den Studienautoren keinen Anspruch auf Repräsentativität, sondern soll vielmehr die Heterogenität des Non-Profit-Sektors widerspiegeln.

So sind Organisationen unterschiedlicher Rechtsformen ebenso befragt worden wie fördernde und operative Organisationen mit unterschiedlichen gemeinnützigen Zwecken sowie Organisationen unterschiedlichen Alters (Gründungsdatum) und unterschiedlicher Größe (Jahresbudget und Mitarbeiterzahl). Im Vergleich zur Gesamtheit des gemeinnützigen Sektors in Deutschland – z.B. abgebildet im Ziviz-Survey – sind beispielsweise deutlich weniger Vereine und kleine Organisationen vertreten.

 

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