20.10.2017 | Von Die Stiftung

Weltbevölkerungsbericht: Die Kluft wächst

Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung hat den Weltbevölkerungsbericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) vorgestellt. Die Experten empfehlen unter anderem, einen universellen sozialen Mindestschutz einzurichten, der ein sicheres Grundeinkommen garantiert.

Weltbevölkerungsbericht
Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung fördert Familienplanung und Aufklärung im Senegal. Foto: Jonathan Torgovnik / DSW-Pressearchiv

Rund um den Globus bekommen arme Mädchen dreimal so viele Kinder wie reiche, so der Weltbevölkerungsbericht – Deutschland müsse sich deshalb bei der Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele deutlich mehr für die Rechte von Mädchen und jungen Frauen engagieren.

Weltweit ist die Ungleichheit in und zwischen Ländern groß, was sich unter anderem bei der Geburtenrate in Entwicklungsländern zeigt. Sie ist bei Mädchen und jungen Frauen aus den ärmsten 20 Prozent der Haushalte etwa dreimal so hoch wie bei ihren Altersgenossinnen aus den reichsten 20 Prozent der Haushalte. Weitere Benachteiligungen zeigen sich bezüglich des Geschlechts. So verdienen Frauen im weltweiten Durchschnitt nur 77 Prozent dessen, was Männer verdienen. Und rund zwei Drittel (63 Prozent) aller Analphabeten sind Frauen, so der diese Woche veröffentlichte UNFPA-Weltbevölkerungsbericht „Gespaltene Welt – Reproduktive Gesundheit und Rechte in Zeiten der Ungleichheit“.

Ungleichheiten hemmen laut Weltbevölkerungsbericht Wachstumspotential

„In den meisten Ländern wird die Kluft zwischen Reich und Arm immer größer“, sagt Bettina Maas, UNFPA-Repräsentantin in Äthiopien. Aber auch in zahlreichen anderen Bereichen gebe es erhebliche Benachteiligungen, etwa aufgrund der Hautfarbe, der ethnischen Zugehörigkeit, des Alters, des Geschlechts und des Wohnorts. „Ungleichheiten wirken sich nicht nur gravierend auf den Einzelnen aus, sie hemmen auch das langfristige Wachstumspotenzial von Ländern. Deshalb müssen Benachteiligungen in all ihren Formen deutlich entschiedener bekämpft werden“, so Maas.

Deutsche Stiftung Weltbevölkerung plädiert für mehr Aufklärung

„Arme Mädchen bekommen mehr Kinder als reiche, weil es ihnen an Aufklärung, Verhütungsmöglichkeiten und Bildung mangelt und weil sie eine geringe soziale Stellung haben“, sagt Renate Bähr, Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW). Die DSW gab die deutsche Kurzfassung des Berichts heraus und stellte den Bericht diese Woche in Berlin vor. „Um Ungleichheiten abzubauen, sind Aufklärung und Verhütung für junge Menschen einer der wirkungsvollsten Ansätze. Denn wenn Mädchen und junge Frauen frei entscheiden können, ob und wann sie Kinder bekommen, haben sie zugleich bessere Bildungschancen und Aussichten auf ein eigenes Einkommen.“ Deutschland müsse sich deshalb bei der Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele deutlich mehr für die Rechte von Mädchen und jungen Frauen engagieren.

Um die Ungleichheiten abzubauen, empfiehlt der Bevölkerungsfonds unter anderem, einen universellen sozialen Mindestschutz einzurichten, der ein sicheres Grundeinkommen garantiert und lebenswichtige Dienstleistungen abdeckt. Zudem sei es wichtig, den gesamten ungedeckten Bedarf an Familienplanung abzudecken und dabei den ärmsten 40 Prozent der Haushalte Vorrang einzuräumen sowie Dienstleistungen etwa zu Kinderbetreuung auszubauen, damit Frauen berufstätig sein und bleiben können.

Zum Weltbevölkerungsbericht: www.dsw.org

Zum Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen: www.unfpa.org

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