18.09.2015 | Von Die Stiftung

Wie bringe ich Evaluation in die Medien?

Während Journalisten schnelle Informationen und Meinungen brauchen, sind viele Wissenschaftler mit Aussagen zurückhaltend, wenn sie sich im Thema nicht absolut sattelfest fühlen. Was sich daran ändern könnte, diskutiert heute eine Expertenrunde auf der Jahrestagung der DeGEval in Speyer, an der auch DIE STIFTUNG-Redaktionsleiter Gregor Jungheim teilnimmt.

Während Journalisten schnelle Informationen und Meinungen brauchen, sind viele Wissenschaftler mit Aussagen zurückhaltend, wenn sie sich im Thema nicht absolut sattelfest fühlen. Einer der Gründe, warum Evaluation medial eher spärlich vertreten ist. Was sich daran ändern könnte, diskutiert heute eine Expertenrunde auf der Jahrestagung der DeGEval in Speyer, an der auch DIE STIFTUNG-Redaktionsleiter Gregor Jungheim teilnimmt.
Von Gregor Jungheim

 

Wenn Journalisten Evaluationswissenschaftler um ein kurzes Statement bitten, prallen mitunter zwei Welten aufeinander. Der eine glaubt, einfache Fragen zu stellen, die in drei oder vier Sätzen beantwortet werden können. Die andere Seite möchte weder einen Kollegen in die Pfanne hauen noch sich unqualifiziert äußern. Entsprechend sieht sich der Journalist mit vielen Ich-muss-doch-erstmals konfrontiert: „Ich muss doch erstmal wissen, von welchem Institut die Studie stammt.“ „Ich muss doch erstmal wissen, welche Methoden zur Anwendung kamen.“ Oder auch: „Ich muss doch erstmal wissen, ob das verwendete Datenmaterial repräsentativ ist.“

Beide Seiten finden nicht zueinander – oder doch?
Ein Journalist, der spätestens um 17 Uhr seine Geschichte rund haben muss, wird so lange nicht warten und sich anderer Quellen bedienen. Zurück bleibt der Eindruck, dass Evaluationswissenschaftler kaum überwindbare Hürden aufbauen. Der Evaluationswissenschaftler ist dagegen entsetzt, wie oberflächlich die Presse arbeitet und glaubt, dass die Medien ohnehin nie verstehen werden, was er tut.

Gregor Jungheim 2011-RGBDiesem Dilemma widmet sich heute ein Panel zum Thema „Mediale Verwertbarkeit und Verwertung von Evaluation“ auf der Jahrestagung der DeGEval – Gesellschaft für Evaluation in Speyer. Neben Wolfgang Wirtz-Nentwig (Saarländischer Rundfunk), Prof. Dr. Reinhard Stockmann (u.a. Herausgeber der Zeitschrift für Evaluation), Dr. Ursula Heckel (Waxmann Verlag) und einem Vertreter der Pressestelle des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wird auch DIE STIFTUNG-Redaktionsleiter Gregor Jungheim hieran teilnehmen.

Manchmal ist die Antwort einfacher als gedacht
Seine These: Mitunter werden für die Presseanfrage einer Tageszeitung, eines Nachrichtenportals oder einer Publikumszeitschrift Informationen auf so einfachem Niveau benötigt, dass die oben beschriebene Vorrecherche nicht notwendig ist. So könnte beispielsweise nächste Woche eine Studie des XY-Instituts im Auftrag der Z-Stiftung erscheinen, die besagt, dass bei Kinderpatenschaften ein Drittel der monatlichen Spende für Verwaltungskosten aufgebraucht wird. Auch ohne die Datenerhebung, die angewandte Methodik, das Institut und die Autoren der Studie zu kennen, lässt sich auf die Bitte um eine Einschätzung Folgendes sagen: Entwicklungszusammenarbeit erfordert ein gewisses Maß an Verwaltungskosten! Über deren Angemessenheit lässt sich trefflich streiten. Doch einem Spender zu versprechen, dass 100% seiner Zuwendung den Bedürftigen zugutekommt, ist nur möglich, wenn die Administration aus anderen Quellen finanziert wird. Und: Das Engagement für eine gute Sache kann durchaus aufwändiger sein als das Engagement für eine andere. Schon die soziale Arbeit mit Senioren erfordert wesentlich weniger Ressourcen als die soziale Arbeit mit Migrantenfamilien in prekären Lebenssituationen. Entsprechend größer dürfte der Unterschied ausfallen, wenn man die Entwicklungszusammenarbeit in Subsahara-Afrika mit der Tätigkeit einer Bürgerstiftung in einer deutschen Metropole vergleicht. Auch dies sollte bei Entrüstungen über vermeintlich überbesetzte Hilfsorganisationen und die Verschwendung von Spendengeldern berücksichtigt werden.

Manchmal ist so etwas schon eine völlig ausreichende Information für einen kurzen Artikel oder einen einminütigen Bericht. Hierbei gilt es natürlich zu erkennen, worauf die journalistischen Fragen letztlich hinauslaufen. Aber auch das lässt sich trainieren.

Wie diese Thesen ankommen, werden Besucher der Tagung heute zwischen 9 und 10.30 Uhr im Deutschen Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung Speyer erfahren. Einen kurzen Eindruck von der Diskussionsrunde bekommen Sie im Anschluss auf unserer Facebook-Seite.

www.degeval.de/veranstaltungen/jahrestagungen

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