02.05.2016 | Von Die Stiftung

„Nur durch den gemeinsamen Wissenstransfer können alle voneinander profitieren“

Im Gespräch mit Michael Lürßen über die Vorteile gemeinsamer Veranstaltungsformate und Alternativen für Stiftungen im Bereich Vermögen.

DIE STIFTUNG: Herr Lürßen, Sie engagieren sich bei einem eher allgemeinen Veranstaltungs-Format für Stiftungen. Was motivierte Sie zu dem Entschluss?
Michael Lürßen: Im Stiftungsmanagement bei der Bremer Landesbank geht es uns nicht nur um sinnvolle und ertragreiche Vermögensanlagen. Vielmehr versuchen wir auch auf der strategischen Ebene aller Anlageklassen das Passende für Stiftungen zu finden. Außerdem begleiten wir diese auch in vielen anderen relevanten Themen außerhalb der Fragen zur Vermögensanlage. Das gemeinsame Format des Hamburger Havenfröstück mit Rödl & Partner hat uns insofern besonders gereizt, als wir seit einiger Zeit intensiv im Stiftungssegment zusammenarbeiten und wechselseitig von den jeweiligen Erfahrungen profitieren. Da für uns der aktive Austausch aller Teilnehmer zu den Themen Immobilien und Netzwerk im Fokus stand, haben wir bewusst keine reine Vortragsveranstaltung organisiert. Nur durch den gemeinsamen Wissenstransfer können alle Teilnehmer voneinander profitieren – das war unser Ziel!

DIE STIFTUNG: Im Bereich Immobilien möchten Sie bei den Stiftungen Kompetenzen aufbauen. Was erachten Sie diesbezüglich als besonders relevant und welche Erfahrungen haben Sie in der Vergangenheit mit diesem Thema gemacht?
Lürßen: Das Thema Immobilien ist unglaublich vielschichtig. Nur wenige Anleger bzw. Stiftungsvorstände können hier kurz- und langfristige Chancen und Risiken bewerten. Auch fällt es vielen Stiftungen zum Beispiel schwer, auf Marktveränderungen oder neue rechtliche Anforderungen wie die Mietpreisbremse zu reagieren. Wir wollen durch den Workshop im Havenfröstück die Teilnehmer anregen über ihre Erfahrungen zu berichten. Unser Spezialist Herr Borchert bewertete die einzelnen Anlageklassen im Segment Immobilien und deren Renditechancen, zeigte aber auch abseits der üblichen Strategien Möglichkeiten zur Investition, beispielsweise im kommunalen Wohnungsbau, auf. Wir konnten feststellen, dass das Thema Immobilien zu einer außerordentlich angeregten Diskussion aller Teilnehmer führte. Es ist uns ein großes Anliegen, dass wir im Dialog bleiben und ein Netzwerk der Teilnehmer bilden.

DIE STIFTUNG: Welche Herausforderungen sehen Sie in diesem Jahr für Stiftungen auf der Vermögensseite?
Lürßen: Die niedrigen Zinsen sind für alle Stiftungen mittlerweile zu einem erheblichen Problem geworden. Viele Stiftungsvorstände wissen nicht mehr, wie sie den Stiftungszweck erfüllen, oder zugesagte Projekte umsetzen sollen. Größere Risiken wollen oder können Stiftungsvorstände nicht eingehen, da dies bereits durch die Satzung oder Anlagerichtlinien untersagt wird. Aus unserer Sicht ist eine Ausweitung der Immobilienquote im Stiftungsvermögen insofern ein sinnvoller Weg, solange er mit der Satzung harmoniert. Aber auch hier gilt für Stiftungen: Lassen Sie sich von Profis beraten und langfristig begleiten. Immobilien sind schließlich langfristige Investments.

DIE STIFTUNG: Worauf müssen Stiftungen aus Ihrer Sicht bei der Kommunikation besonders achten?
Lürßen: Stiftungen müssen mehr in die Öffentlichkeit gehen, um ihre Arbeit und Projekte bekannt zu machen. Nur so gelingt es, Spenden und Zustiftungen für die eigene Sache zu gewinnen. Dies ist im Übrigen auch ein Baustein, mit dem fehlende Zinserträge ausgeglichen werden können. Betreuen Sie Spender dauerhaft und binden Sie sie an Ihre Stiftungsidee!

DIE STIFTUNG: Was möchten Sie den teilnehmenden Stiftungen gerne mitgeben?
Lürßen: Gehen Sie auf die Menschen zu, um Ihre Stiftungsidee weiterzutragen und begeisterte Mitstreiter zu gewinnen! Seien Sie mutiger in der Vermögensanlage, informieren Sie sich und schauen Sie auch abseits von Aktien und Rentenpapieren auf seriöse Vermögensanlagen  wie beispielsweise Immobilien. Achten Sie immer auf potenzielle Chancen und Risiken!

DIE STIFTUNG: Herr Lürßen, wir danken Ihnen für Ihre Zeit!

 

SONY DSCMichael Lürßen ist verantwortlich für das Generationen- und Stiftungsmanagement der Bremer Landesbank, die etwa 110 Stiftungen betreut.

 

Artikel teilen