14.11.2018 | Von Die Stiftung

Päpstliches Zentrum gegen Cybermobbing

Im Vatikan soll eine internationale Beobachtungsstelle für Cybermobbing eingerichtet werden: das „International Cyberbullying Observatory“ (ICO). Träger des Projekts sind die von Papst Franziskus gegründete Stiftung „Scholas“ und die italienische Carolina-Stiftung.

Päpstliches Zentrum Scholas
Cybermobbing ist unter Jugendlichen ein großes Thema. Der Vatikan plant eine internationale Beobachtungsstelle. Foto: Joachim Kirchner / pixelio.de

Eine internationale Beobachtungsstelle für Cybermobbing soll im Vatikan eingerichtet werden. Dies teilte der bischöfliche italienische Pressedienst (SIR) mit und wurde im deutschsprachigen Raum unter anderem vom Katholischen Medienzentrum kath.ch und von Domradio verbreitet. Träger des Projekts seien die von Papst Franziskus gegründete Stiftung „Scholas“ und die italienische Carolina-Stiftung.

Das Zentrum namens „International Cyberbullying Observatory“ (ICO) habe sich zum Ziel gesetzt, „weltweit Informationen  zu sammeln, konkrete Vorschläge auszuarbeiten und die Politik ermutigen, dieses Phänomen zu verhindern“, zitiert SIR den Vorsitzenden der Scholas-Stiftung, Jose Maria del Corral.

Für April 2019 ist ein Kongress mit Vertretern von rund 50 Universitäten, etwa 30 Regierungen sowie von Telelommunikations- und Internetunternehmen geplant. Dort soll das Projekt genauer vorgestellt werden. Bis dahin würden Vorarbeiten geleistet, unter anderem „eine globale Umfrage per Internet, die in Kürze gestartet werden solle, zu entsprechenden Erfahrungen von Schülern und Studenten“, so das Medienzentrum kath.ch.

Zu den Stiftungen

Die von Franziskus gegründete und an der päpstlichen Akademie der Wissenschaften angesiedelte Stiftung „Scholas“ kümmert sich weltweit um Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche. Zu ihrem Netzwerk gehören nach eigenen Angaben 440.000 Schulen weltweit. Die Carolina-Stiftung wurde im Gedenken an das erste italienische Todesopfer von Cybermobbing gegründet.

Der geplanten Beobachtungsstelle dürfte es indes nicht langweilig werden: Schon vor fünf Jahren waren rund ein Drittel aller Jugendlichen und jungen Erwachsenen laut einer Untersuchung der Universität Münster von Cybermobbing betroffen – als Opfer und/oder als Täter.

Schlimmer als nur Mobbing

Unter Cyberbullying oder Cybermobbing versteht man die Beleidigung, Bedrohung, Bloßstellung oder Belästigung von Personen mithilfe von Kommunikationsmedien, informiert das Bundesfamilienministerium (BMFSFJ). Es kann in Chats, Foren und per E-Mail passieren, aber auch in Social Communities wie Facebook und Instagram und auf Videoplattformen wie Youtube. „Mobbing fand früher häufig in der Schule oder auf dem Schulweg statt – Kinder und Jugendliche konnten entkommen. Online verfolgt Mobbing die Betroffenen bis in ihr Zuhause, was ihr Leid erheblich verstärkt“, so das BMFSFJ. Das Internet mache Beleidigungen und Diffamierungen außerdem einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.

In Deutschland will die Stiftung „Mobbing stoppen! Kinder stärken!“ – kürzlich gegründet von Moderator und Komiker Tom Lehel und mit einigen Prominenten als Mitstreiter – Grundschulkinder für das Thema (Cyber-)Mobbing sensibilisieren (DIE STIFTUNG berichtete).

Einen Beitrag von DIE STIFTUNG über Cybermobbing und darüber, wie Stiftungen und Vereine in der Schweiz versuchen, die Opfer zu stärken, finden Sie hier.

Artikel teilen