04.08.2015 | Von Die Stiftung

Paradiesische Zustände

Erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird die Stiftung als Rechtsform in den Niederlanden häufiger genutzt. Durch die nur geringen Auflagen, die behördliche Offenheit gegenüber Privatinitiativen und die spärliche Aufsicht hat das Stiftungswesen in den Niederlanden jedoch einen großen Aufschwung erlebt.

Fundraisende Stiftungen haben den höchsten Bekanntheitsgrad
Es gibt im Moment über 200.000 Stiftungen in den Niederlanden. Davon sind mehr als 25.000 gemeinnützig. Diesen Status erreicht eine Stiftung, wenn sie von der Steuerbehörde als ANBI = Algemeen Nut Beogende Instelling anerkannt wird. Vorteile des ANBI-Status sind die Befreiung von der Schenkungsteuer für die Stiftung und der Abzug von der Einkommensteuer für den Spender. Formell sind die Bedingungen, eine ANBI zu werden, ziemlich schwer.

Am bekanntesten sind in den Niederlanden fundraisende Stiftungen. Die CBF – eine Stiftung zur freiwilligen Aufsicht von fundraisenden Organisationen – veröffentlicht jedes Jahr interessante Daten über eben diese Stiftungen und Vereine. Von den zehn Organisationen, welche die meisten Fundraising-Einnahmen verzeichnen, sind sieben Stiftungen und drei Vereine. Spitzenreiter ist die Stichting KWF (Kampf gegen Krebs) mit 137 Mio. EUR. Viel Geld wird auch von Entwicklungshilfe-Organisationen gesammelt. Zusätzlich werden diese Organisationen mit großen Summen vom Staat subventioniert. Mit 298 Mio. EUR die meisten Subventionen empfing 2014 die Heilsarmee für ihre Sozialhilfearbeit, welche sie in einer Stiftung untergebracht hat.

NiederlandenEine Kategorie von Stiftungen, die eine sehr lange Geschichte hat, sind die sogenannten Fonds, in denen Bürger und Betriebe Teile ihres Vermögens für einen guten Zweck anlegen. Geschätzt wird, dass sie insgesamt mehr als 3,6 Mrd. EUR besitzen. Eine bekannte Stiftung im Bereich von Kultur, Natur und Wissenschaft ist der Prins Bernhard Cultuurfonds. Dieser Fonds finanziert sich einerseits über Zinsen, er sammelt aber auch jährlich Spenden und hat für viele Zwecke mit den deutschen Treuhandstiftungen vergleichbare Namensfonds errichtet – von Bürgern, Betrieben und Behörden.

In der Geschäftswelt werden Stiftungen oft als sogenannte Zweckgesellschaft für die Verwaltung von Aktien oder als Zentralstelle in einer Unternehmensgruppe benutzt. Ein Beispiel ist die Stichting INGKA Foundation. Das ist eine niederländische Stiftung, welche Inhaberin der IKEA-Gruppe ist. Diese Stiftung investiert den Gewinn des Betriebs teilweise in Kinderhilfe weltweit und teilweise reinvestiert sie ihn in die IKEA-Gruppe. Anscheinend war die niederländische Stiftung eine attraktive Rechtsform für den skandinavischen Möbelgiganten.

Auch Behörden bedienen sich der Rechtsform Stiftung, speziell wenn es um Aktivitäten geht, die sie zusammen mit Privatpersonen durchführen. Sie benutzen die Stiftungsform auch für andere Angelegenheiten, jedoch bestehen hiergegen staatsrechtliche Bedenken.

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