13.07.2018 | Von Die Stiftung

Point-Alpha-Stiftung: Schäfer-Gümbel kritisiert Landesregierung

Die Unruhe um die Point-Alpha-Stiftung entwickelt sich zur politischen Auseinandersetzung: Der hessische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel übt in einer Pressemitteilung deutliche Kritik an der Landesregierung, der Organisation und der „einseitigen parteipolitischen Verortung“.

Schäfer-Gümbel
Thorsten Schäfer-Gümbel im Wahlkampf 2013 in Frankfurt am Main. Foto: Epizentrum, Thorsten Schäfer-Gümbel in Frankfurt.20130921, CC BY-SA 3.0

Thorsten Schäfer-Gümbel, Landesvorsitzender der SPD und Fraktionsvorsitzender im Landtag, fordert die Landesregierung auf, die Point-Alpha-Stiftung neu aufzustellen. Wie berichtet, war im Juni die Direktorin Ricarda Steinbach mit sofortiger Wirkung zurückgetreten, jüngst gefolgt vom Rückzug des halben CDU-dominierten Wissenschaftlichen Beirats unter dem Vorwurf der Provinzialisierung. „Die zurückgetretenen Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats haben sehr diplomatisch formuliert, dass die Stiftung inzwischen von CDU-Mitgliedern aus der Lokalpolitik geprägt wird“, wird Schäfer-Gümbel in einer Pressemitteilung zitiert. „Das führt offenbar zu einer fortschreitenden Provinzialisierung dieser wichtigen Einrichtung, die doch mit einem hohen internationalen Anspruch gegründet wurde.“

Schäfer-Gümbel: „Akt der Verzweiflung“

Dass die Stiftung den Verlust hochrangiger Experten im Wissenschaftlichen Beirat als Chance für einen Generationswechsel schönzureden versuche, sei ein Akt der Verzweiflung, so Schäfer-Gümbel. „Das Problem ist nicht das Lebensalter derer, die gegangen sind, sondern die einseitige parteipolitische Verortung derer, die bleiben“, so der SPD-Fraktionsvorsitzende. Er forderte die hessische Landesregierung auf, sich umgehend mit dem Land Thüringen ins Benehmen zu setzen, um Point Alpha wissenschaftlich, weltanschaulich und organisatorisch wieder ins Lot zu bringen.

„Ministerpräsident Bouffier hat seinen Pressesprecher ausrichten lassen, man könne leider gar nichts tun“, so Schäfer-Gümbel. „Aber wenn eine einstmals angesehen Institution wie die Point-Alpha-Stiftung in die Gefahr gerät, sich selbst zu einem besseren Heimatmuseum herunterzuwirtschaften, dann müssen alle politischen Kanäle genutzt werden, um das zu verhindern.“ Einfach nur zuzusehen, wie das Elend seinen Lauf nehme, sei keine Antwort auf die Herausforderungen, vor denen die Stiftung steht. „Ich erwarte deswegen, dass die Landesregierung sich schnell und ohne politische Scheuklappen darum kümmert, dass die Arbeit und das Ansehen der Stiftung nicht weiter durch provinziellen Streit beschädigt werden.“

Rückzug nicht im Zusammenhang mit Steinbach-Rücktritt

Unterdessen hat Prof. Joachim-Felix Leonhard, eines der fünf zurückgetretenen Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats, gegenüber Osthessen-News betont, dass der Rückzug nichts mit dem Rücktritt Steinbachs zu tun habe. „Uns hat die Sorge umgetrieben, dass das gemäß Satzung international aufgestellte Projekt Point Alpha in letzter Zeit zu stark regional verengt wurde. Der Ausgangspunkt war eine weltpolitische Konfrontation, die gerade mit Blick auf momentane Entwicklungen in Europa hochaktuell ist: Es heißt Fulda Gap – und nicht Fulda-Loch. Zehn von dreizehn Stiftungsrat-Mitglieder sind der CDU verbunden, angesichts dieser parteipolitischen und regionalen Fixiertheit ist Pluralität undenkbar“, wird Leonhard zitiert. Auch kritisiert er gegenüber Osthessen-News eine Veränderung in der Kommunikation in der Stiftung: Der Stiftungsrat, so schildert Leonhard, sei immer seltener vor Entscheidungen konsultiert worden.

https://pointalpha.com

Artikel teilen

Jahrespartner

Artikel teilen