24.10.2019 | Von Die Stiftung

Roland-Berger-Stiftung sagt Preisverleihung ab

Stifter Roland Berger hat die Verleihung des Preises für Menschenwürde 2019 auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Eine Handelsblatt-Recherche hatte zuvor ergeben, dass sein Vater ein Profiteur des Nazi-Regimes war. Bisher hatte Berger diesen als Gegner und Opfer dargestellt.

Roland Berger
Dieses Jahr verleiht Roland Berger (rechts) keinen Preis für Menschenwürde wie hier 2010. Die Roland-Berger-Stiftung hat die Verleihung abgesagt. Foto: Roland-Berger-Stiftung

Nur zwei Tage vor der geplanten Verleihung des Preises für Menschenwürde 2019 hat die Roland-Berger-Stiftung die Veranstaltung abgesagt. In der Pressemitteilung heißt es, Roland Berger wolle vermeiden, dass die aktuelle Berichterstattung über die Rolle seines Vaters zur Zeit des Nationalsozialismus die Würde des seit 2008 verliehenen Preises gefährde.

Bergers Vergangenheit

In der Woche vor der geplanten Preisverleihung hatte das Handelsblatt Recherchen über Georg Berger veröffentlicht. Diese hatten ergeben, dass Roland Berger bis dato anscheinend ein falsches Bild von seinem Vater zeichnete, berichtete die Zeitschrift Stern. Demnach soll Berger senior, der 13 Jahre lang aktives Mitglied der NSDAP war, Finanzchef der Hitlerjugend gewesen sein. 1937 habe Hitler ihn zum Ministerialrat ernannt, danach habe er als Generaldirektor das Unternehmen Ankerbrot in Wien geleitet, deren jüdische Inhaber durch den NS-Staat enteignet worden waren. Zudem habe er in einer Villa gewohnt, die von Fritz Mendl, Gründer von Ankerbrot, beschlagnahmt worden sei.

Berater Roland Berger habe dies 2018 in einem Interview anders dargestellt: Sein Vater sei zwar 1933 in die Partei eingetreten, nach der Reichskristallnacht 1938 aber aus Prostest wieder ausgetreten. Den Preis für außerordentliche Verdienste zum Schutz der Menschenrechte habe Berger junior unter anderem ausgelobt, um an die Verdienste und das moralische Vorbild seines Vaters zu erinnern.

Preisträger wollen Preis nicht

Laut Stiftung hat die Berichterstattung die Preisträger verunsichert. Bei diesen habe die Wirtschaftszeitung zudem gezielt nachgefragt. Der polnischen Menschenrechtsbeauftrage Adam Bodnar sowie das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erklärten daraufhin, den Preis nicht mehr annehmen zu wollen.

Roland Berger sagte deshalb die Preisverleihung ab. Diese hätte im Jüdischen Museum Berlin stattfinden sollen. „Ich respektiere diese Entscheidungen und sage die Veranstaltung ab, um weiteren Schaden von meiner Stiftung abzuwenden und den Geist der Auszeichnung für kommende Preisträger zu wahren“, heißt es in der Pressemitteilung. Angesichts des Medienumfelds habe er sich nun dazu entschlossen, die Verleihung auf das kommende Jahr zu verschieben. Mit den vorgeschlagenen Preisträgern werde man im Gespräch bleiben.

Historische Untersuchung

Bis dahin will er Untersuchungen zum Leben seines Vaters anstellen. Dafür beauftragte Berger laut Pressemitteilung zwei Historiker. Sie sollen den Vorwürfen im Handelsblatt nachgehen. Die Stiftung betont: Roland Berger weise den Vorwurf vom Handelsblatt zurück, dem zufolge er das Bild seines Vaters unkritisch und unvollständig gezeichnet habe. Er sei aber bereit dieses Bild zu revidieren – falls die historischen Untersuchungen ergeben, dass Georg Berger tatsächlich ein Profiteur des NS-Regimes war.

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