12.11.2018 | Von Die Stiftung

Stiftung Bauhaus Dessau: Zerwürfnisse statt Konzert

Die Band Feine Sahne Fischfilet spielte im ausverkauften Brauhaus – nachdem die Stiftung Bauhaus Dessau in den letzten Wochen versuchte zu erklären, warum sie das Konzert abgesagt hat. Personelle Konsequenzen wurden gezogen, der Rücktritt des Stiftungsratsvorsitzenden gefordert.

Stiftung Bauhaus Feine Sahne Fischfilet
Auch wenn die Stiftung Bauhaus Dessau dagegen war: Feine Sahne Fischfilet spielte in Dessau – dank der medialen Aufruhr im ausverkauften Brauhaus. Foto: Florian Koppe, CC BY-SA 3.0, (https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=33845851)

Seit 2011 vermietet die Stiftung Bauhaus Dessau ihre Bühne zweimal im Jahr für die Aufzeichnungen der ZDF-Konzertreihe zdf@bauhaus. Die Künstler wählt das ZDF aus – doch diesmal war die Stiftung damit nicht einverstanden, sie ließ das Konzert der Politpunkband Feine Sahne Fischfilet absagen. In einer Pressemitteilung teilte sie am 18. Oktober ihre Beweggründe mit: „Unmittelbar nach der Veröffentlichung dieses Konzertes und des Vorverkaufes konnte die Stiftung Bauhaus Dessau in den sozialen Medien beobachten, dass sich rechte Gruppierungen aus dem regionalen Umfeld gegen den Auftritt der Band am Bauhaus Dessau mobilisieren.“ Sie wolle nicht Austragungsort politischer Agitation und Aggression werden, auch vor dem Hintergrund des Status als UNESCO-Welterbe, aus Verantwortung für das Gebäude. „Das Bauhaus Dessau ist historisch und zeitgenössisch ein Ort für alle Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Nationalität. Politische extreme Positionen, ob von rechts, links oder andere finden am Bauhaus Dessau keine Plattform, da diese die demokratische Gesellschaft – auf der auch das historische Bauhaus beruht – spalten und damit gefährden.“

Stiftung Bauhaus Dessau: Entscheidung bekräftigt

Schon am nächsten Tag folgte die nächste Pressemitteilung, um die Entscheidung nochmal zu bekräftigen: „Aufgrund vermehrter Aufrufe in den sozialen Medien zur gewaltsamen Störung des Konzerts mussten wir annehmen, dass das Bauhaus Ziel von extremistischen Angriffen geworden wäre. So liegt der Grund für unsere Entscheidung neben dem Status des UNESCO-Welterbes, vor allem in dem Ziel, keine erneuten medialen Bilder einer gespaltenen zerrissenen Gesellschaft zu ermöglichen.“

Nachdem das Thema am Wochenende die Schlagzeilen füllte, erklärte sich die Stiftung am Montag: „Wir bedauern es sehr, mit unserer Absage des Konzertes von Feine Sahne Fischfilet die Öffentlichkeit enttäuscht und in der Pressemitteilung das Bauhaus als unpolitisch dargestellt zu haben.“ Direktorin Claudia Perren wurde zitiert: „Seitdem ich die Leitung der Stiftung Bauhaus Dessau übernommen habe, war es mir wichtig in der Programmarbeit zu zeigen, dass wir ein internationaler, offener und transparenter Ort gesellschaftlicher Debatten im Sinne des historischen Bauhauses sind. Dies impliziert eine deutliche Abgrenzung zu Neonazis.“ Die Stiftung wolle, so ließ sie in der Pressemitteilung verlauten, in den kommenden Wochen die Kritik, vor den Rechten eingeknickt zu sein, zum Anlass nehmen, eine öffentliche Debatte darüber zu führen, wie sie sich heute für eine offene Gesellschaft und gegen Ausgrenzung engagiere.

Stiftungsrat meldet sich auch noch

Gute zwei Wochen darauf fand das Konzert von Feine Sahne Fischfilet dennoch statt: Allerdings nicht im Bauhaus, sondern im Brauhaus „Alte Brauerei“. Das Konzert war ausgebucht. Ein Tag später meldete sich der Stiftungsrat zu Wort: Er habe sich auf Grundlage des Berichtes der Direktorin intensiv mit der Absage des Konzertes befasst. „Der Stiftungsrat erwartet, dass er zukünftig bei Entscheidungen von erheblicher kulturpolitischer Tragweite umgehend eingebunden wird.“ Er konstatierte, dass „die Entscheidung ohne ausführliche Abwägung der damit verbundenen Konsequenzen und ohne ausreichende Einbeziehung der lokalen Akteure und Verantwortlichen sowie fachlichen Partnern erfolgte.“ Dass die aktuellen Vorgänge die inhaltliche Arbeit der Stiftung – und dies im Jubiläumsjahr – überlagere, sei bedauernswert. Hingegen begrüßte der Stiftungsrat das Format „Offenes Gespräch“, das am 30. Oktober auf der Bauhausbühne stattfand und als eine neue Form der öffentlichen Standortbestimmung fortgeführt werden soll.

Personelle Konsequenzen

Eine erste personelle Konsequenz wurde bereits gezogen. Pressesprecherin Helga Huskamp wurde vorläufig freigestellt,  meldete welt.de (im Video). Direktorin Claudia Perren erklärte, dass im Pressestatement die Begründung der Absage – dass man den Rechtsextremen keine Kulisse für Proteste habe bieten wollen – nicht rübergekommen sei.

Doch wenn es nach dem ehemaligen Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt ginge, müsste auf höherer Ebene angesetzt werden: Er forderte Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra (CDU) zum Rücktritt aus dem Stiftungsrat der Stiftung Bauhaus und zum Verlassen des ZDF-Fernsehrats auf, so die Mitteldeutsche Zeitung. Robra habe dem Bauhaus schweren Schaden zugefügt und die Programmfreiheit des öffentlich-rechtlichen Senders verletzt, erklärte der ehemalige Direktor. Das Gefahrenszenario durch Rechtsradikale bezweifelte er und schlussfolgerte: „Man ist nicht vor Rechten eingeknickt, es ist leider viel schlimmer: Man hat die Sichtweise von Rechts übernommen.“ Es sei der Kulturminister selbst, so Oswalt gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung, der mit dem Konzert von Feine Sahne Fischfilet ein Problem habe: „Nicht die Band passt nicht zum Bauhaus. Es ist der Stiftungsratsvorsitzende, der nicht zum Bauhaus passt.“

Das Konzert indes war ein Erfolg: während vor die Bauhaus-Bühne nur 120 Personen gepasst hätten, spielte die Band in der ausverkauften Alten Brauerei vor 600 Leuten. Dem Bauhaus statteten die Musiker trotzdem einen Besuch ab: auf ihren Social-Media-Kanälen zeigten sie, wie sie dort eine Urkunde für die „PR-Aktion des Monats“ abgeben.

www.bauhaus-dessau.de

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