07.06.2018 | Von Die Stiftung

Stiftung Polytechnische Gesellschaft zieht positive Bilanz

Sie gehört mit 432 Millionen Euro Vermögen zu den 20 größten Stiftungen Deutschlands und hat seit ihrer Gründung rund 60.000 Menschen gefördert: Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main hat zum Jahr 2017 eine positive Bilanz gezogen. 

Stiftung Polytechnische Gesellschaft
Mehr als 300 aktuelle Stipendiaten und Alumni mit Familien kamen im September 2017 beim Alumni- und Stipendiatentag zusammen. Foto: Stiftung Polytechnische Gesellschaft / Philip Eichler

„Unsere Stiftung fördert Vielfalt und ist vielfältig tätig. Sie fördert Jung und Alt, sie ist insbesondere in der Integration von Zuwanderern aktiv; sie fördert Menschen mit Potenzial, Talente und Vorbilder aus allen Bevölkerungsschichten“, so der Vorstandsvorsitzende Roland Kaehlbrandt bei der Jahrespressekonferenz über die Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main. „Neben Vielfalt geht es der Stiftung aber auch um den Zusammenhalt in der Stadtgesellschaft.“ Entsprechend lautet der Titel des Tätigkeitsberichts 2017 „Vielfalt und Zusammenhalt“.

Stiftung Polytechnische Gesellschaft fördert 10.000 Menschen

Was dies quantitativ in der Praxis bedeutet, zeigt ein Blick auf die Schlaglichter des vergangenen Jahres. Die Stiftung …

  • förderte 300 Stipendiaten in sieben Stipendienprogrammen.
  • sprach im Alumni-Netzwerk 1.600 ehemalige Stipendiaten an.
  • förderte 2017 rund 10.000 Menschen in Frankfurt. Seit Stiftungsgründung sind es 60.000 Menschen.
  • wird im Rahmen des Diesterweg-Stipendiums für Kinder und ihre Eltern bis Ende 2018 insgesamt 2.300 Personen an zwölf Standorten gefördert haben.  Ein hiervon ist die Familienbildung. In Frankfurt wird das Projekt nun auch in zwei Großunterkünften mit Flüchtlingsfamilien durchgeführt. Dabei wurden auch Seminarstunden zum Thema „Deutschland verstehen“ angeboten. Denn Landes- und Geschichtskenntnis sind aus Sicht der Stiftung ein wichtiger Beitrag zum Zusammenhalt in Vielfalt.

Den Idealen der Aufklärung verpflichtet

„Unser Angebot ist die polytechnische Tradition, nämlich die der Aufklärung: also Bildung und Verantwortung“, führte Kaehlbrandt aus, der auf die spätaufklärerischen Wurzeln der Gesellschaft und ihrer Stiftung verweist. „Bei uns zählen und wir fördern deshalb: Vernunft, Argument, wissenschaftliche Denkmethoden, Geschichtsbewusstsein und Sprachfähigkeit. Noch etwas dient uns als Rahmung: Bindung und Beziehung zu den vielen von uns geförderten Stipendiaten.“ Inhaltlich deckt die Stiftung mit einer Belegschaft von 27 Stellen eine entsprechend große Bandbreite ab:

  • Deutschsommer: Eine Kernaufgabe sieht die Stiftung in der Deutschförderung. „Deshalb wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt ein extra Standort für Flüchtlingskinder in der Textorschule in Sachsenhausen angeboten. Das Hessische Kultusministerium hat ferner im vergangenen Jahr einen neuen Deutschsommer-Standort in Gießen ermöglicht. Weitere Deutschsommer-Standorte sind u.a. seit Jahren bereits Offenbach, Kassel und Münster.“
  • Der große Diktatwettbewerb soll die zurückgehenden Rechtschreibkenntnisse stärken. Das betrifft laut Stiftung nicht nur Zuwandererkinder. „Deshalb breitet sich der Wettbewerb nun aus. Neben Frankfurt und Hessen sind inzwischen Standorte aus Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hamburg eingestiegen.“
  • Naturwissenschaft und Technik: Die Stiftung will junge Menschen zu den MINT-Fächern hinführen. Deshalb hat sie eine Projektkette von der Grundschule bis zu den Hochschulen aufgebaut. „Das ist polytechnische Tradition: Im vergangenen Jahr wurde das 200-jährige Jubiläum der Förderung begabter Handwerker begangen. Das Konzept der Samstagsschule für begabte Handwerker konnte nun auch nach Darmstadt exportiert werden. 35 begabte junge Wissenschaftler wurden als 7. Generation in das Main-Campus-Stipendiatenwerk aufgenommen.“
  • In der kulturellen Bildung geht die Förderung des Jazz-Nachwuchses voran: 1.900 Schüler wurden in einem Angebot aus Lehrkonzerten, Schüler-Jam-Sessions, einem Schüler-Jazz-Festival, durch Lehrkonzerte an Schulen sowie indirekt durch Lehrerfortbildungen erreicht.
  • Soziales: Der Schulterschluss zwischen den Präventionsprojekten Babylotse und Willkommenstage in der frühen Elternzeit ist inzwischen vollzogen. „Das ist ein echter sozialpolitischer Fortschritt. In unserem Engagement-Stipendium Stadtteil-Botschafter werden die Projekte bis September 2018 zu Ende geführt. Mehrere Absolventen des noch jungen Kollegs für junge Talente sind bereits als Stadtteil-Botschafter aktiv.“

Finanzen: Zufriedenstellende Performance

Finanziell zeigt sich die Stiftung zufrieden. Vorstandsmitglied Johann-Peter Krommer sprach von einer Performance von 5,9 Prozent. Besonderes Augenmerk des Vermögensmanagements habe den laufenden Erträgen gegolten. „Entgegen dem allgemeinen Trend und dank breit diversifizierter Anlage des Vermögens konnte der Überschuss an laufenden Erträgen um neun Prozent auf 11,5 Millionen Euro gesteigert werden.“ Für die gemeinnützige Zweckerfüllung seien  6,7 Millionen Euro eingesetzt worden – seit Errichtung der Stiftung im Jahr 2005 seien insgesamt rund 60 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke in Frankfurt am Main zur Verfügung gestellt worden. Die Höhe ihres Vermögens gibt die Stiftung Polytechnische Gesellschaft zum Jahresende mit 432 Millionen Euro an. Damit sei man unter den 20 ersten Stiftungen in Deutschland. In die freie Rücklage sei der steuerlich maximal zulässige Betrag in Höhe von 3,2 Millionen Euro eingestellt worden. „Neben Drittmitteln in Höhe von 500.000 Euro hat die Stiftung eine Zustiftung einer mäzenatisch eingestellten Familie in Höhe von 100.000 Euro erhalten“, so Krommer.

Volles Programm

Die Tagen und Wochen stehen für die Stiftung Polytechnische Gesellschaft im Zeichen zahlreicher Veranstaltungen: „Vor uns liegt das überregionale Finale des Großen Diktatwettbewerbs am 12. Juni 2018. Am 20. Juni 2018 verabschieden wir die aktuelle Generation der Diesterweg-Familien. Der Deutschsommer beginnt am 25. Juni 2018 und wird uns drei Wochen lang intensiv beschäftigen“, so Kaehlbrandt. „Am 19. August 2018 findet ein Alumni-Sommerfest der Stiftung auf dem Gelände des Leistungszentrums von Eintracht Frankfurt im Riederwald statt, und Ende August 2018 läuft die Bewerbungsfrist für die neuen Stadtteil-Historiker aus.“ Projekte wie der Deutschsommer, das Diesterweg-Stipendium, der Diktatwettbewerb, die Stadtteil-Historiker und die Samstagsschule für begabte Handwerker werden inzwischen auch außerhalb Frankfurts umgesetzt.

www.sptg.de

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