18.09.2018 | Von Die Stiftung

„Stiftungen sollten die ‚100-Jahre-Brille‘ aufsetzen“

Beim Stiftungsforum Rhein-Ruhr im Duisburger MKM Museum Küppersmühle am 25. September wird Petra Träg die Keynote-Sprecherin sein. Im Interview mit DIE STIFTUNG spricht die Geschäftsführerin der SOS-Kinderdorf-Stiftung über den richtigen Umgang mit dem Wandel.

Petra Träg
Vorausschauend: Eine langfristige Perspektive kann Stiftungen helfen, sich gegenüber Herausforderungen zu behaupten. Foto: Petra Bork / pixelio.de

Sie ist die Keynote-Sprecherin des Stiftungsforums Rhein-Ruhr am Dienstag, 25. September, in Duisburg. Vorab gibt Petra Träg Einblicke in den richtigen Umgang mit Herausforderungen für Stiftungen.

Stiftungen in Zeiten, die einem raschen Wandel unterliegen, gut aufzustellen, ist eine zunehmende Herausforderung. Was sind in Ihren Augen typische Fehler, die vielen Stiftungen unterlaufen?
Petra Träg: Ich würde es nicht Fehler nennen, sondern Handlungsmuster: Vor der Entscheidung, zum Beispiel bei der Geldanlage, haben Vorstände oftmals einen zu kurzen Zeithorizont bei der Betrachtung, aus Sorge, etwas falsch zu machen. Und nach Entscheidungen neigen Stiftungen dann dazu, einmal gewonnene Überzeugungen langfristig zu konservieren – egal, wie sich die Umwelt verändert – und zu lange an Entscheidungen festzuhalten, die sich nicht bewährt haben.

Petra Träg ist Geschäftsführerin der SOS-Kinderdorf-Stiftung und deren 64 Treuhandstiftungen. Einer der Tätigkeitsschwerpunkte ist die Anlage des Stiftungskapitals. Foto: Jonathan Skudlik – Spielmannsbilder (www.spielmannsbilder.de)

Wie können diese typischen Probleme vermieden werden? Und was können Stiftungen, mit Bezug auf die Veranstaltung in der nächsten Woche, noch besser machen als bisher schon, in Ihren Augen?
Träg: Generell sollten Stiftungen in meinen Augen die „100-Jahre-Brille“ aufsetzen und sich die möglichen Extremsituationen anschauen, die auf sie zukommen könnten. Und das nicht nur in der Kapitalanlage, sondern auch, was die Satzung oder sonstigen Regelungen angeht. Die 100-Jahresbrille hilft aber auch, das aus schleichenden Prozessen sich kumulierende Gefahrenpotential zu identifizieren. Denn viele kleine Veränderungen – jeweils in homöopathischer Größenordnung – können langfristig doch ein größeres Risikopotential ergeben.

Welches betrachten Sie im Moment als eine zukünftige Herausforderung, die Stiftungen noch nicht bewusst ist?
Träg: Die Gefahren des Gewöhnungseffekts. Was wir heute für normal halten, dürfte in Zukunft für Stiftungen noch zur Herausforderung werden. Wir Stiftungshandelnde werden wahrscheinlich wieder aktiver, mehr als Unternehmer, statt nur als Verwalter agieren müssen.

Lassen sich Stiftungen als „Organisationen für die Ewigkeit“ vielleicht von manchen Trends auch zu leicht aus der Ruhe bringen? Ist manchmal abwarten vielleicht die bessere Lösung, vor allem in diesen politisch und wirtschaftlich unruhigen Zeiten?
Träg: Man muss nicht auf jeden Zug aufspringen, aber Stiftungen müssen ganz klar unterscheiden zwischen normalen Veränderungen oder Schwankungen im Geschäfts- und Anlagebereich und außergewöhnlichen Ereignissen. Normale Schwankungen können Stiftungen gut aushalten, hier hilft der „ewige“ Zeithorizont – also die „100-Jahre-Brille“. Außergewöhnliche Entwicklungen müssen aber auf ihre Chancen und Risiken hin abgeklopft werden.

Das Stiftungsforum Rhein-Ruhr richtet sich an Stiftungen und deren Vertreter sowie an Stiftungsinteressierte.

Anmeldungen sind per E-Mail an events@die-stiftung.de, telefonisch unter 089 244 11 75-62 sowie über das Online-Anmeldetool möglich.

Alle Informationen mitsamt Anmeldeformular und gesamtem Programm finden Sie in der Einladungskarte.

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