07.08.2012 | Von Die Stiftung

„Stiftungen sollten ihre Anlagen nicht auf Tagesbasis managen“

DIE STIFTUNG: Was ist der Schlüssel für eine Investmentstrategie, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist?
Fredrik Gunnarsson: In meinen Augen ist das Erfolgsgeheimnis der Langfristblick, den ich als Stiftung auf sämtliche Investments haben sollte. Stiftungen sollten ihre Anlagen nicht auf Tages- oder Quartalsbasis managen. Letztlich ist es vom Prozess her exakt dasselbe, ob sie das beste nachhaltige Investment oder den besten Vermögensverwalter für ihre Anlagen suchen.

DIE STIFTUNG: Wenn eine Stiftung nur den Weg nachhaltiger Vermögensanlage gehen will, welche Fragen sollte sie sich stellen?

Gunnarsson: Unsere Stiftung beschäftigt sich mit Forschung im Bereich der Umwelt. Da war es für uns natürlich leicht, denn wir haben bereits in den für nachhaltige Investments notwendigen Kategorien gedacht. Hier müssen Stiftungen zunächst einmal hinkommen, bevor sie sich die richtigen Fragen stellen. Bei uns diskutierte dann der Vorstand vor zehn Jahren, wie wir eigentlich unser Vermögen investierten. Die Entscheidung fiel für eine Anlagepolitik, die auf nachhaltige Investments setzt, obwohl wir bezüglich der Socially Responsible Investment-Fonds sehr skeptisch waren. Wir dachten, wir verlieren Geld. In einem ersten Schritt haben wir die schlimmsten Branchen von vornherein ausgeschlossen, agierten also nach den sogenannten Negativkriterien. Das aber reichte uns nicht, und relativ rasch begannen wir, Vermögensmanager zu suchen, die auch mit Positiv-Kriterien arbeiteten. Zunächst machten diese nur einen kleinen Teil des Portfolios aus, aber seit 2007 sind wir nahezu vollständig in sogenannten SRI-Produkten investiert.

DIE STIFTUNG: Wenn Sie den Markt für SRI-Produkte insgesamt betrachten, wie viele davon sind wirklich stiftungsgeeignet?
Gunnarsson: Schwierig zu sagen. Es gibt SRI-Fonds mit einem soliden Anlageprozess, der durchaus als nachhaltig angesehen werden kann. Auch sind einige Alternative Investments nachhaltig. Das Problem ist jedoch, dass es auch genügend Produkte gibt, bei denen Stiftungen vorsichtig sein müssen. Hier steht vielleicht Nachhaltigkeit drauf, ist jedoch nicht drin.

DIE STIFTUNG: Aber wie finden Stiftungen die für sie geeigneten Anlageprodukte?
Gunnarsson: Stiftungen sollten sich an erster Stelle stärker mit sich selbst beschäftigen und sich fragen, was am wichtigsten für sie ist. Dann würde ich Stiftungen empfehlen, sich mit anderen Stiftungen zu unterhalten, wie diese eine nachhaltige Anlagestrategie letztlich mit Leben gefüllt haben. Ist das passiert, probieren Sie sich aus, suchen entweder SRI- oder Nachhaltigkeitsfonds oder Vermögensverwalter, die Ihnen eine nachhaltige Anlagestrategie implementieren. Fangen Sie mit einem kleinen Teil vom Stiftungsvermögen an, und je größer der Erfahrungsschatz ist, desto höher kann der SRI-Anteil im Portfolio sein.

DIE STIFTUNG: Wo haben Sie zuletzt investiert?
Gunnarsson: Wir haben jüngst in einige Alternative Investments investiert, die wir dem Cleantech-Universum zurechnen. Denn dieses passt sehr gut zur inhaltlichen Mission unserer Stiftung. Insgesamt beträgt unser Anteil alternativer Investments mittlerweile etwa 10%. Der Rest ist hälftig, also mit je 45%, in Aktien und Anleihen investiert. Bei den Aktien unterscheiden wir drei Regionen: Wir investieren einmal global, dann in die Emerging Markets sowie in schwedische Titel.

DIE STIFTUNG: Das ist ein interessanter Mix. Ihre Stiftung ist nun mehrere hundert Millionen Euro „schwer“, entsprechend arbeiten Sie mit vielen Investmentmanagern zusammen. Wie sieht die Zusammenarbeit im Detail aus?
Gunnarsson: Wir verfügen über ein professionelles Investment-Gremium, das seinerseits viele der Vermögensmanager persönlich kennt, mit denen wir zusammenarbeiten. Wenn einer aus diesem Gremium ein interessantes Produkt findet, dann wollen wir uns auf jeden Fall mit dem verantwortlichen Manager treffen. Hat bei uns das Gespräch stattgefunden, dann entscheiden wir im Gremium, ob wir den Fonds selektieren oder nicht.

DIE STIFTUNG: Wie erfolgreich sind Sie mit Ihrer Anlagepolitik?
Gunnarsson: In den vergangenen zwölf Monaten haben wir eine Rendite von 4,7% erzielt. Die durchschnittlichen jährlichen Erträge in der Zeit von 2004 bis 2011 lagen bei 4,93%, wobei es durchaus Jahre mit Verlusten gab.
Generell sind Stiftungen aber nicht deshalb erfolgreich in ihrer Anlagepolitik, weil sie nachhaltiger ihr Geld anlegen, sondern weil sie sich ausgiebig mit einem Weg in der Vermögensanlage auseinandergesetzt haben und diesen dann auch konsequent gehen.

DIE STIFTUNG: Damit sprechen Sie ein wahres Wort. Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Tobias M. Karow.


Fredrik Gunnarsson ist Verwaltungsleiter der schwedischen Mistra Foundation mit Sitz in Stockholm. Die Organisation ist im Bereich der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung aktiv und mit einem Vermögen von umgerechnet etwa 400 Mio. EUR eine der größten Stiftungen in Schweden. Sie ist zudem eine der ersten Stiftungen Europas, die sich für eine nachhaltige Investmentstrategie entschieden hat, und verfolgt diesen Kurs seit zehn Jahren. Seit 2007 legt die Mistra Foundation ihr Geld nahezu komplett nachhaltig an.

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