15.11.2019 | Von Stefan Dworschak

Stiftungsfonds – viele Regeln, viele Möglichkeiten

Was sollten Stiftungen bei der Kapitalanlage in Fonds beachten, was sind überhaupt Stiftungsfonds – und sind alle für die Bedürfnisse von Stiftungen geeignet? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Gesprächskreises Stiftungsfonds in Frankfurt am Main.

Diskussion und Austausch mit dem Publikum: Stefan Dworschak (DIE STIFTUNG), Kay-Peter Tönnes (Antecedo Asset Management), Thomas Homm (Bank im Bistum Essen) und Prof. Dirk Söhnholz (Bankhaus von der Heydt, von links). Fotos: Julia Laumer

Kapitalanlage für Stiftungen ist in den vergangenen Jahren komplexer geworden. Dazu hat vor allem die Niedrigzinsphase beigetragen, aber auch Regulierungen erfordern Wachsamkeit. Zum Beispiel die seit Anfang 2018 geltende Markets in Finance Directive 2 (Mifid 2), wie Stefan Gips von Fondsdiscount.de beim Gesprächskreis Stiftungsfonds in Frankfurt am Main zeigte. Mifid 2 bedeute auf der Habenseite sehr hohe Kostentransparenz, mehr Sicherheit, dass nur geeignete Produkte empfohlen werden, sowie eine bessere Vergleichbarkeit der Finanzinstrumente. Das ergibt sich etwa aus verschärften Wohlverhaltenspflichten für Banken und Dienstleister. Diese müssen zum Beispiel prüfen, ob eine Umschichtung wirklich im Sinne des Anlegers ist, sowie Kostenvorschau und tatsächliche Kostenaufstellung bieten.

Stefan Gips von Fondsdiscount.de führt in die Folgen von Mifid 2.

Zugleich ziehe Mifid 2 allerdings auch einen höheren Verwaltungsaufwand nach sich, führe zu langsameren Entscheidungen in der Beratung. Gips zeigt, dass die Informationsflut nicht unbedingt zu mehr Klarheit beitragen muss, wie ein Blick auf eine Fondskostenaufstellung verdeutlicht, die Posten bis in die zweite Nachkommastelle aufführt. Mifid 2 unterscheidet zudem zwischen den Leistungen Beratung und Vermögensverwaltung. Letztere hat den Vorteil, dass nur einmalige Dokumentation notwendig ist. Danach kann der Verwalter schnell und eigenständig entscheiden. Allerdings ist eine regelmäßige Überprüfung der Vorgaben an den Verwalter notwendig.

Für Stirnrunzeln im Publikum sorgte der Legal Entity Identifier (Lei). Der 20-stellige Code aus Zahlen und Buchstaben ist seit Mifid 2 für alle institutionellen Investoren notwendig, die Wertpapier oder Fonds an der Börse handeln wollen. Durch ihn lassen sich die Transaktionen zuordnen, was Geldwäsche erschweren soll. Wie berichtet, hatte der Bundesverband sich dafür eingesetzt, dass zumindest die Beantragung nicht mehr jährlich stattfinden muss. Bislang jedoch ohne Erfolg. Der Vorgang ist jedes Jahr notwendig und kostet etwa zwischen 80 und 100 Euro.

Keine Angst vor Aktien

Sind die Formalia bekannt, kann es an die Fondsauswahl gehen. Das Angebot an Stiftungsfonds ist inzwischen gewaltig – auch wenn der Name selbst keinerlei Verbindlichkeit besitzt, wie Klaus-Dieter Erdmann von Asset Standard darstellt. Er zeigt, dass die Bezeichnung von Fonds seitens der Bafin nicht genauer geprüft wird. Ohne entsprechende Beratung oder Erfahrung kann es für Stiftungen demnach herausfordernd sein, ein passendes Angebot zu finden.

Klaus-Dieter Erdmann von Asset Standard wirbt für die Aktienanlage für langfristige Rendite.

Ein genauer Blick sollte laut Erdmann den Kosten gelten: Seiner Erfahrung nach bestehe kein Zusammenhang zwischen Performance und Gebührenhöhe – im positiven wie im negativen Sinne. Jeden Basispunkt, den das Management erhält, muss der Fonds erst einmal erwirtschaften. Das gilt auch für den Ausgabeaufschlag, den Erdmann für überholt hält. „Wer noch Aufschlag bezahlt, kauft beim falschen Anbieter“, sagt der Experte.

Unabhängig von den Kosten ist für Erdmann deutlich, wo die Rendite herkommt: Eine Darstellung der Wertentwicklung der vergangenen 200 Jahre zeigt, dass Aktien mit Abstand das beste Ergebnis eingebracht haben. Damit sind sie trotz Volatilität gut für Stiftungen mit ihrer sprichwörtlich langfristigen Perspektive geeignet. Die Fondslösungen haben aus Erdmanns Sicht den Vorteil, die Dienstleistung Vermögensanlage transparent aus einer Hand zu liefern und mit einer Gebühr alle Kosten abzudecken.

Qual der Wahl

Wie vielfältig die Fondslandschaft für institutionelle Anleger wie Stiftungen inzwischen ist, war auch im Rahmen der Fondspräsentationen zu erleben: Günter Wanner von Antecedo Asset Management stellte mit dem Antecedo Defensive Growth ein Produkt vor, das sich auf den Nasdaq 100 konzentriert und mit Absicherungsinstrumenten gegen Kursverluste von mehr als zehn Prozent schützt. Um dies zu finanzieren, verkauft Antecedo Optionen auf einen Teil der Aktien im Depot. So sollen Chancen nach oben weitgehend erhalten bleiben, während das Abwärtsrisiko begrenzt ist. Wanners Partner und Gründer von Antecedo, Kay-Peter Tönnes, begründete die Fokussierung mit dem Potential des Nasdaq 100, der die 100 größten Nasdaq-Unternehmen umfasst, die nicht zum Finanzsektor zählen. Er enthalte global agierende, höchst innovative Unternehmen – weit mehr als die allgemeine Konzentration auf große, hoch bewertete Titel wie Facebook, Amazon und Apple nahelegt.

Austausch im Vitra Showroom

Weg von der Börse und den Metropolen führen die Mikrofinanzfonds der Bank im Bistum Essen (BIB). Für Thomas Homm steht beim KCD III der Impactgedanke im Mittelpunkt, gepaart mit der Möglichkeit, die Volatilität der Kapitalmärkte durch konstante Einnahmen auszugleichen. Hierbei arbeitet die BIB mit Mikrofinanzinstituten, die wiederum die Einzelkredite vergeben – immer für Investitionen, nicht für Konsumausgaben. Die deutlich zweistelligen Zinshöhen, die hierfür fällig werden, klingen für europäische Ohren im ersten Moment extrem hoch – relativieren sich jedoch angesichts der Inflation und des Zinsniveaus vor Ort. Das legt auch die Rückzahlungsquote von 97 Prozent nahe. Bei der Auswahl der Partner achte man genau auf den Umgang mit Kreditnehmern.

Den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit wird auch der Investmentfonds pure ESG des Bankhauses von der Heydt legen, den Prof. Dirk Söhnholz vorstellte. Der voraussichtlich ab dem ersten Quartal 2020 verfügbare Mischfonds legt ungewohnt strenge Kriterien an, investiert nur in Unternehmen aus „Marktsegmenten, die überwiegend positive Wirkungen im Sinne der Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen haben“. Ausgeschlossen sind damit nicht nur die üblichen Branchen wie etwa Alkohol-, Waffen- oder Mineralölindustrie. Als erster Fonds, so Söhnholz, verweigert er etwa Cannabisherstellern den Zutritt, die Milchproduktion sowie Rindfleischherstellung sind mit Blick auf die CO2-Bilanz ebenfalls außen vor. Außerdem stellt der regelbasierte Fonds jeweils sehr strenge Anforderungen in Bezug auf Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsratings. Es gehe nicht darum, den Markt zu schlagen, so Söhnholz, das schafften die meisten Fondsmanager ohnehin nicht, sondern ein sehr nachhaltiges Investments mit vergleichbaren Renditen und Risiken zu haben.

Präsentationen zum Gesprächskreis finden Sie hier:

Save the Date – die Gesprächskreise 2020:

  • 24. März in Hamburg
  • 28. April in Stuttgart
  • 9. Juni in Köln
  • 20. Oktober in München
  • 10. November in Frankfurt am Main
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