14.05.2010 | Von Die Stiftung

Stiftungsfrühstück in München – wie sich Kassenstürze verhindern lassen

Ist die Finanzkrise schon überstanden, oder steht Stiftungen der Kassensturz noch bevor? Dieser Frage gingen die Referenten auf dem Stiftungsfrühstück am 29. April im Münchener Kaufmanns Casino nach. DIE STIFTUNG hatte hierzu gemeinsam mit der DAB bank eingeladen.

Gegenwärtig gibt es in diesem Zusammenhang noch viele Unsicherheiten. So ist schon umstritten, was mit dem Gebot des Kapitalerhaltes gemeint ist. Jasper von Hoerner von der Kanzlei Peters, Schönberger & Partner bemerkte, dass zumindest die Kommentierung zum Bayerischen Stiftungsgesetz einen realen Kapitalerhalt verlangte. Dies bedeute jedoch nicht, dass Vermögensgegenstände wie z.B. Immobilien nicht verkauft werden dürften. Es sei denn, dies ist in der Satzung so vorgesehen.

Ebenso plagen Stiftungen Sorgen um die Aberkennung der Gemeinnützigkeit. Von Hoerner betonte, dass eine Stiftung zahlreiche bilanzielle Gegenmaßnahmen habe, um den Verlust zu kompensieren – wie z.B. Umschichtungen und Rücklagenbildung. Eine Herabsetzung des Grundstockvermögens werde die Stiftungsaufsicht dagegen nicht genehmigen, ergänzte sein Kollege Joachim Doppstadt.

Ein schönes Beispiel von der Irrationalität vieler Kapitalanleger brachte Michael Reuss, Gründer der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen, mit: Eine Universität gab 40 Doktoranden Spielgeld von 10.000 USD in die Hand. Sie sollten in 100 Runden einen beliebigen Geldbetrag setzen. Wurde einer von insgesamt 60 grünen Chips gezogen, gewannen sie das Doppelte des Einsatzes. Bei einem von 40 roten Chips verloren sie das gesetzte Geld. Stochastisch gesehen hätte jeder Teilnehmer Gewinn machen müssen, doch nur zwei hatten tatsächlich dieses Glück. Alle anderen verleitete der Drang, Verluste auszugleichen, zu immer größeren Einsätzen. „Eine hohe Trefferquote bringt keine Gewinnsicherheit“, erläuterte der Referent. Für die Geldanlage von Stiftungsvermögen empfahl er deshalb insbesondere ein diszipliniertes Risikomanagement.

Uwe Roppelt zeigte sich überzeugt, dass die Finanzkrise noch nicht überwunden sei. „Sie wird uns weiter begleiten. Nicht in den Aktienpreisen, sondern durch andere schlechte Nachrichten“, sagte der Geschäftsführer von RS Vermögensmanagement. Er empfahl den Stiftungen daher, Sachwerte wie Immobilien und Aktien in das Portfolio aufzunehmen. Insgesamt sollte die Struktur der Anlagen einfach gehalten und jedes Produkt zu 100% durchschaubar sein.

Zur Veranstaltung kamen rund 50 Besucher. In den nächsten Wochen lädt DIE STIFTUNG mit verschiedenen Partnern zu einer Reihe von Events in mehreren deutschen Großstädten ein (siehe dazu auch die Rubrik „Termine“). Leser im Einzugsbereich der jeweiligen Veranstaltungen werden gesondert informiert.

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