17.03.2014 | Von Die Stiftung

Frau Axelsson, was ist eigentlich TER?

STIFTL: Auf dem Schulhof haben wir damals heftig diskutiert, ob „TYR“ oder „Headless Cross“ das bessere Album von Black Sabbath ist. Und BER ist die Bezeichnung für einen Flughafen, der nie fertig wird. Was aber ist TER?
Erika Axelsson: Im Gegensatz zum Berliner Flughafen, wo der Kostenfaktor nicht so einfach zu beziffern ist, soll die TER, also die Total Expense Ratio, das Gesamtkostenverhältnis eines Fonds in % klar darstellen. In dieser Kennzahl sollten alle Kosten – außer der Kaufgebühr –, wie die jährlichen Management- und Verwaltungskosten, Kosten für Wirtschaftsprüfer, den Vertrieb, die Erstellung und Druck der Rechenschaftsberichte, Depotkosten für die Wertpapiere eines Fonds usw., enthalten sein. In der Praxis werden trotzdem nicht alle Positionen von jeder Fondsgesellschaft gleich erfasst. Dadurch verwässert sich natürlich die Aussagekraft einer TER.

STIFTL: Welche Relevanz hat diese Kennzahl dann für Stiftungen?
Axelsson: Für eine Kaufentscheidung sollte diese Kostenquote nicht ausschlaggebend sein. So kann eine hohe TER durchaus auf eine besonders erfolgreiche Anlagestrategie hinweisen. Qualität hat ihren Preis, auch bei Investmentfonds. Der Zweck, den man verfolgt, sollte ausschlaggebend für die Investitionsentscheidung sein. Wenn die Mittel dazu zwar etwas teurer sind, dafür aber der Zielerreichung am besten dienen, wird man sie unter rationalen Gesichtspunkten auch einsetzen.

STIFTL: Was also sollte eine Stiftung tun, die feststellt, dass sie einen Fonds mit einer sehr hohen TER im Portfolio hat?
Axelsson: Man muss hier genau hinschauen, ob die Kostenquote gerechtfertigt ist oder nicht. Wenn ein Fonds seine Erwartungen nicht erfüllt, muss man ihn infrage stellen. Die TER ist dabei nicht der entscheidende Faktor. Da würden wir eher die Managementqualitäten in den Mittelpunkt stellen. Für das Verwalten von Stiftungsvermögen gibt es hoch qualifizierte Fachleute, die sich ausschließlich mit Fragen der Fondsqualität und Fondsauswahl beschäftigen. Man bedient sich noch viel zu wenig deren Ressourcen. Auch die „Geiz ist geil“- Reaktionen hinsichtlich eines Verhandelns über interne Kosten eines Wertpapiers bringen einen in der Zielerreichung nicht weiter. Qualität ist der zentrale Faktor, sowohl beim Fondsmanagement als auch beim Management des Stiftungsvermögens.

STIFTL: Und was sage ich nun meinem Vorstand?
Axelsson: Der Erfolg des verwalteten Vermögens ruht auf vielen Säulen, angefangen von der Auswahl der passenden Fonds, der richtigen Depotzusammenstellung und der Konzentration auf die langfristigen Ziele bei der Portfolioverwaltung. Natürlich sind Kosten ein Faktor, der berücksichtigt werden soll, aber er ist einer unter vielen.

Erika_Axelsson_2Erika Axelsson ist diplomierte Ökonomin und leitet die Filiale des Fonds Ladens in Regensburg. Darüber hinaus ist sie im Fondsresearch tätig und ist Mitglied im Anlageausschuss des Fonds Ladens.

Artikel teilen