17.03.2014 | Von Die Stiftung

Frau Klaußner, was ist eigentlich ein REIT?

STIFTL: In Reit im Winkl habe ich mit manchem Schneehasen Jagertee getrunken. Und Lou Reed klärte uns 1972 auf, wie man es per Anhalter nach New York schafft. Was aber ist ein REIT?
Susanne Klaußner: REIT steht für Real Estate Investment Trust. In Deutschland ist damit eine steuerbegünstigte börsennotierte Aktiengesellschaft gemeint, deren Vermögen zu mindestens 75% aus Immobilien besteht und die auch mindestens 75% ihrer Gesamteinkünfte aus ihrem Immobilienvermögen erwirtschaftet. Zur Erlangung des REIT-Status – dies ist in Deutschland seit dem 1. Januar 2007 möglich – müssen darüber hinaus aber noch weitere Voraussetzungen erfüllt werden. So sind REITS hierzulande unter anderem verpflichtet, mindestens 90% ihres Gewinns an die Aktionäre auszuschütten, sie müssen eine Mindeststreuung der Anteile sicherstellen und ein einzelner Aktionär darf nicht mehr als 10% des Grundkapitals direkt halten. Die Steuerbegünstigung beinhaltet dann, dass die Ausschüttungen auf der Gesellschaftsebene steuerfrei bleiben und ausschließlich auf Gesellschafterebene, also bei den Anlegern, versteuert werden.

STIFTL: Inwiefern ist denn so ein Anlageinstrument überhaupt für Stiftungen geeignet?
Klaußner: Die zur Auswahl stehenden deutschen REITs sind in der Regel stärker auf bestimmte Marktsegmente spezialisiert als die deutschen offenen Immobilienfonds. Als Beispiel seien Hotels, Büros, Wohnungen und Pflegeimmobilien genannt. Da diese Fokussierung ein Trend aufgrund der aktuellen Anforderungen institutioneller Investoren ist, könnten neue REITS zukünftig eventuell auch als Investitionsobjekt für ein so genanntes „mission-related investment“ in Frage kommen. Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass Ausschüttungen und sonstige Bezüge eines REITS ausschließlich auf Gesellschafterebene, also bei den Anlegern, versteuert werden müssen – für steuerprivilegierte Stiftungen entstehen damit gar keine Abzüge.

STIFTL: Warum haben bislang nur drei Unternehmen die Möglichkeit des REIT genutzt?
Klaußner: Voraussetzung zur Erlangung des REIT-Status ist der Börsengang der Immobilien-AG. Als der Gesetzgeber entschied, auch in Deutschland REITs zuzulassen, bildete ein anlegerfreundlicher Kapitalmarkt den Rahmen für diese Überlegung. Aufgrund des eingetrübten Kapitalmarktumfelds haben dann aber die meisten REIT-Kandidaten von einem kostspieligen Börsengang abgesehen.

STIFTL: Und was sage ich nun meinem Vorstand?
Klaußner: Aufgrund der Veränderung der rechtlichen Rahmenbedingungen für offene und geschlossene Fonds ist es gut möglich, dass bei einem angenehmeren Kapitalmarktumfeld REITs zu einer interessanten Alternative für Immobilieninvestitionen werden. Hierfür muss der Gesetzgeber jedoch die Rahmenbedingungen für den REIT verbessern. Beispielsweise dürfen Wohnimmobilien von einem REIT nur erworben werden, wenn ihr Erstellungszeitpunkt nach dem 1. Januar 2007 liegt.

Susanne_KlaussnerSusanne Klaußner ist stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Handelsimmobilien-Investors GRR AG.

Artikel teilen