12.12.2016 | Von Die Stiftung

Herr Bergande, was ist eigentlich Smart Beta?

STIFTL: „Clever & Smart“ ist eine Comicserie, deren Witze ich als Kind nie verstanden habe. Und meine Ex-Freundin hat mit mir Schluss gemacht, weil sie ein Alpha- und kein Beta-Männchen wollte. Was aber ist Smart Beta?
Roger Bergande: Smart-Beta-Strategien versuchen, die Vorteile der passiven Anlageansätze mit einer aktiven Auswahl von Einzeltiteln zu verbinden. Smart Beta ist somit eine Weiterentwicklung des Anlageansatzes eines klassischen Indexfonds. Jede Smart-Beta-Strategie hat ihr eigenes Regelwerk, welches die Auswahl und Gewichtung der zugrunde liegenden Einzeltitel genau vorgibt. Die aus einem solchen Regelwerk entstehenden, teilweise sehr aktiven Portfolios werden wie die Indexfonds passiv umgesetzt. Deine Ex-Freundin hätte mit einem Smart-Beta-Männchen also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und sich nicht zwischen Alpha- und Beta-Männchen entscheiden müssen.

STIFTL: Sich an einem Index orientieren und gleichzeitig versuchen, diesen zu übertreffen, wie soll das gehen?
Bergande: Das Ziel des Regelwerks ist, den klassischen nach der Marktkapitalisierung von Unternehmen gewichteten Index eines vergleichbaren Anlageuniversums zu übertreffen. Die bekanntesten Smart-Beta-Strategien versuchen, von Marktineffizienzen und Unregelmäßigkeiten an den Finanzmärkten, die in der Vergangenheit beobachtet wurden, zu profitieren. Bekannt dafür ist zum Beispiel das Kursmomentum. Bei dieser Strategie investiert man gezielt in die Gewinner der jüngsten Periode. Ebenfalls sehr beliebt sind Value/Substanz-Strategien, bei denen relativ attraktiv bewertete Einzelwerte bevorzugt werden.

STIFTL: Was macht die Manager so sicher, dass genau in den ausgewählten Titeln der große Reibach steckt?
Bergande: Die Auswahl der einzelnen Titel steht nicht im Vordergrund. Es geht bei Smart Beta um die Arbeit mit Investmentstilen und nicht um Einzeltitel. Die ganze Branche lanciert Hunderte verschiedener Smart-Beta-Strategien, damit für jedes Anlagebedürfnis etwas dabei ist. Der Erfolg basiert auf der niedrigen Managementvergütung und der Systematik bei der Auswahl und Gewichtung von Einzeltiteln. Hier werden einige dieser Strategien verlieren und andere gewinnen. Dies ist allen Managern bewusst, und deshalb werden auch gegenläufige Strategien entwickelt und angeboten. Die Wahl, welchen Smart-Beta-Index der Kunde kauft, liegt beim Kunden und nicht beim Manager.

STIFTL: Wie erfolgreich sind diese Strategien schlussendlich?
Bergande: Die bekanntesten Risikoprämien dieser Smart-Beta-Strategien sind zwar langfristig, bieten aber nicht zu jeder Zeit die gewünschten Eigenschaften. Ihre Bedeutung und Gewichtung kann sich über die Zeit ändern. Der Investor sollte sich der Risikofaktoren bewusst sein und deren Ausprägung im Portfolio an seine Verpflichtungen und Bedürfnisse anpassen. So hat jeder die Chance, mit Smart-Beta-Konzepten sehr kosteneffizient eine gezielte und aktive Aufteilung seines Vermögens zu erreichen.

STIFTL: Und was sage ich nun meinem Vorstand?
Bergande: Smart-Beta-Konzepte können im Gesamtportfolio sehr nützlich sein. Grundsätzlich ist es sinnvoll, dass ein Investor seine aktive Positionierung an Smart-Beta-Risikoprämien knüpft. So wird aktiver Blindflug vermieden, und es kann sichergestellt werden, dass die ausgewählten Fonds in der Summe nicht wieder einen klassischen Index ergeben. In der Praxis hat es sich zudem bewährt, die Aufteilung der Anlagestile und die damit verbundenen aktiven Investitionsentscheidungen regelmäßig zu überprüfen. Wichtig ist auch, mit dem Asset Manager kontinuierlich die Bedeutung der aktiven Portfolio-Ausprägungen zu diskutieren und sie gegebenenfalls an die veränderten Rahmenbedingungen der Finanzmärkte anzupassen.

 

G1 Roger BergandeRoger Bergande ist Senior Portfoliomanager Systematic Markets bei der BANTLEON BANK AG in Zug (Schweiz). In dieser Funktion ist er für die Entwicklung quantitativer Ansätze zur optimierten Abbildung von Aktien- und Anleihenindizes verantwortlich.

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