17.03.2014 | Von Die Stiftung

Herr Bernard, was sind eigentlich Multi-Asset-Class-Fonds?

STIFTL: Eine Multivitamintablette löse ich jeden Morgen in einem Glas Wasser auf. Und das Multicar war ein beliebter Klein-LKW in der DDR. Aber wie können einer Stiftung Multi-Asset-Class-Fonds helfen?
Christophe Bernard: Mischfonds – auch „Multi-Asset-Class“- oder „Asset-Allocation“-Fonds genannt – bieten sich sicherlich gerade in turbulenten Zeiten an. Natürlich gibt es auch andere Ansätze. Die Anleger könnten beispielsweise versucht sein, vor allem in Aktien zu investieren – eine Anlageklasse, die von der gegenwärtigen Geldschwemme der Notenbanken besonders profitiert. Doch diese Quelle wird irgendwann deutlich weniger ergiebig sprudeln oder sogar ganz versiegen. Eine restriktivere Geldpolitik der US-Notenbank, sei dies über eine Verringerung der Anleihenkäufe oder letztlich über höhere Zinsen, wird für die Hausse, die im März 2009 begonnen hat, der Härtetest sein.

STIFTL: Wie sollten also Stiftungen jetzt vorgehen?
Bernard: Das Stichwort hier heißt robuste Portfolios. Darunter verstehen wir ein Bündel von Wertpapieren aus verschiedenen Anlageklassen, das zum einen vor großen Verlusten schützen und zum anderen die Aussicht auf attraktive risikobereinigte Renditen bieten soll. Um diesem Anspruch zu genügen, sollten die Portfoliomanager bei der Zusammenstellung ihrer Portfolios möglichst frei sein. Es soll also keine Verpflichtung bestehen, dass bestimmte Anlageklassen im Fonds vertreten sein müssen, wie es bei Produkten, die sich eng an einer Benchmark orientieren, üblich ist.

STIFTL: Warum haben dann viele Multi-Asset-Class-Strategien versagt?
Bernard: Das Problem war vielfach ein Mangel an Flexibilität. Viele Anleger kaufen Produkte, die sie dann sozusagen in der Schublade liegen lassen. Sie wenden also einen simplen „Buy and hold“-Ansatz an. Das eigentlich Wichtige, das Zimmern von robusten und zugleich flexiblen Portfolios, wird dabei vielfach vernachlässigt. Zudem gilt es, dem vorherrschenden Marktumfeld entsprechend die strategische Asset Allocation anzupassen.

STIFTL: Und was sage ich nun meinem Vorstand?
Bernard: Wer sein Vermögen breit anlegen und Risiken streuen will, greift zumeist auf sogenannte Mischfonds zurück. Solche Vehikel investieren in eine Vielzahl von Anlageklassen, von Aktien und Obligationen bis hin zu alternativen Anlagen. Das Portfolio sollte weitestgehend der Nutzenfunktion der Anleger entsprechen, d.h. eine explizite Antwort auf die Kernfragen – wie hoch darf der maximale Verlust sein, welches ist der Zeithorizont, was für eine Rendite soll erzielt werden – liefern.

bernard_christophe_KleinChristophe Bernard ist Chefstratege der Vontobel-Gruppe und leitet die Balanced-/Multi Asset Class-Boutique im Asset Management. Bernard verfügt über umfangreiche Erfahrung im Asset Management, u.a. als Chief Investment Officer.

Artikel teilen