22.03.2016 | Von Die Stiftung

Herr Eilers, was sind eigentlich Genussscheine?

STIFTL: „Geistreicher Genuss in Nuss“ war der Slogan eines drögen Werbespots mit Günter Pfitzmann. Was aber sind Genussscheine?
Uwe Eilers: Ein Genussschein hat wenig mit alkoholgefüllten Pralinen zu tun, allerdings können manche Versprechungen von Emittenten die Sinne der Anleger vernebeln.
Genussrechte sind quasi Zwitter zwischen Vorzugsaktien und Anleihen. Wirtschaftlich werden die „Genüsse“ als Eigenkapital angesehen, und im Regelfall haftet ein Genussschein auch dementsprechend, allerdings ohne Stimmrecht. Schmerzlich erfahren mussten dies die Anleger von Prokon, die im letzten Jahr mehr als die Hälfte ihres eingesetzten Kapitals verloren haben.
Sofern alles normal verläuft, wird der Nennwert wie bei einer Anleihe zum Ende der Laufzeit zurückgezahlt. Es gibt dabei keine feste Verzinsung. Die Höhe des jährlichen Zinses orientiert sich stattdessen am jeweiligen Gewinn der Gesellschaft. In hochprozentigen Genuss können Inhaber von Genussscheinen kommen, falls die emittierende Gesellschaft betörende Gewinne erzielt. Diesen manchmal hohen Renditen steht das Risiko entgegen, gar keinen Zins zu erhalten, wenn sich die Gewinnsituation der Gesellschaft deutlich eintrübt. Dann ist der Kater anschließend groß. Aktuell bangen Anleger von Genüssen der Deutschen Bank um ihre Ausschüttungen, denn die Dividende für 2015 wurde gestrichen, und auch für 2016 werden schlechte Unternehmenszahlen befürchtet.

STIFTL: Das klingt ja kompliziert! Warum nicht einfach eine Aktie oder Anleihe zeichnen?
Eilers: Ein Genussschein bietet bei guter wirtschaftlicher Lage langfristig eine bessere Verzinsung als eine Anleihe und eine höhere Ausschüttung als die Dividende. Sofern man also von langfristig guten Ergebnissen ausgeht, bietet das Investment schlichtweg höhere Erträge. Im Übrigen sind die Kursschwankungen der Genussscheine deutlich geringer als die von Aktien.
Darüber hinaus kann es sein, dass gar keine Aktien von der emittierenden Gesellschaft angeboten werden. Bestes Beispiel ist Bertelsmann, die nur Genussrechte begeben.

STIFTL: Allerdings sind Genussscheine gesetzlich nicht geregelte Wertpapiere. Kommt so etwas für Stiftungen überhaupt infrage?
Eilers: Sofern es die Satzung zulässt durchaus. Zwar sind die Wertpapiere nicht gesetzlich geregelt, dennoch haben sie jeweils eine klare und individuelle Ausgestaltung. Die Bedingungen der Zinszahlungen und Haftung werden im Prospekt beschrieben, ähnlich wie dies bei Anleihen der Fall ist. Dabei können die Papiere als Namens-, Inhaber- oder Orderpapiere begeben werden.

STIFTL: Und was sage ich nun meinem Vorstand?
Eilers: Als Beimischung in einem diversifizierten Stiftungsvermögen sind Genussscheine sehr gut geeignet. Zwar haben sie wie die Aktie ein Totalverlustrisiko, sofern eine Gesellschaft insolvent wird. Dennoch liegen die Vorteile auf der Hand: deutlich geringere Kursschwankungen als eine Aktie, dafür bei dauerhaft wirtschaftlich guter Lage eine deutlich höhere Verzinsung als bei Anleihen.

 

G1 Uwe Eilers (2)
Uwe Eilers
ist Finanzanalyst (DVFA/CEFA) sowie Mitgründer und Vorstand der Hamburger Geneon Vermögensmanagement AG, welche auf die Umsetzung regelbasierter Risikomanagement-Strategien spezialisiert ist. Darüber hinaus ist er Vorstandsmitglied im Verband unabhängiger Vermögensverwalter.

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