17.03.2014 | Von Die Stiftung

Herr Grassl, was ist Duration?

STIFTL: Meine Oma hat mich immer ermahnt, die Küchenrolle genau an der Perforation abzureißen. Und mein Freund aus dem Finanzamt bezeichnet übermotivierte Kollegen als Duracell-Häschen. Was aber ist Duration?

Andreas Grassl: Bei der Duration handelt es sich – grob gesagt – um den Zeitraum in Jahren, in dem der Anleger das investierte Kapital zurückerhält. Im aktiven Portfoliomanagement ist dies eine Steuerungsgröße, die anzeigt, wie sich Zinsänderungen auf die Kurse von Anleihen auswirken. Wird eine Anleihe mit 5% laufender Verzinsung gekauft und das allgemeine Zinsniveau fällt anschließend auf 4%, dann steigt seine 5%-Anleihe im Kurs – und zwar umso mehr, je länger die Laufzeit der Anleihe ist. Wenn der Zins steigt, ist es allerdings umgekehrt. Je länger die Laufzeit der Anleihen ist, umso empfindlicher reagieren ihre Kurse auf Zinsänderungen. Deswegen ist die Duration so wichtig.

STIFTL: Was bedeutet das für mein Rentenmanagement?

Grassl: Grundsätzlich beeinflussen Kredit- und Zinsänderungsrisiken die Werthaltigkeit von Anleihen am stärksten. Erstere stehen derzeit im Fokus, da die Bonität vieler Emittenten in Zweifel gezogen wird. Letztere sind jedoch auch wichtig. Der Mandant muss entscheiden, ob er das Risiko begrenzen möchte oder ob sein Portfoliomanager frei entscheiden kann. Das Risiko kann durch ein absolutes Durationslimit oder eine maximale Abweichung von der Duration eines Rentenindex begrenzt werden. Das sind meine Leitplanken als Portfoliomanager.

STIFTL: Wie kriege ich es denn nun hin, dass Zinsänderungen meinem Portfolio möglichst wenig anhaben können?

Grassl: Die Duration müsste extrem kurz gewählt werden, bis hin zur Anlage in Cash. Dies ist aber meist nicht im Interesse des Anlegers. Der Auftrag an uns Portfoliomanager lautet nämlich, durch das bewusste Eingehen von Risiken positive Mehrerträge zu schaffen. Bei der Aussicht auf stabile oder leicht sinkende Zinsen schafft eine höhere Duration Mehrwert für den Anleger. Schwieriger ist es, wenn der Anleger Verbindlichkeiten hat, die durch das Anlageportfolio gedeckt werden müssen – auch diese haben eine Duration. Eine Minimierung des Risikos erreiche ich, wenn beide Seiten der Bilanz im gleichen Maße auf Zinsänderungen reagieren.

STIFTL: Und was sage ich nun meinem Vorstand?

Grassl: Der Anleger muss seine Erwartungshaltung und Risikoneigung definieren und dem Vermögensmanager entsprechende Vorgaben machen. Dazu gehört auch, wie der Vermögensmanager mit Zinsänderungsrisiken umgehen soll. Zwischen zu hohen und lohnenswerten Risiken bedarf es stets einer sorgfältigen Abwägung.

Andreas_GrasslAndreas Grassl ist stellvertretender Leiter Renten, Geld und Devisen bei der MEAG und in dieser Funktion für das Fondsmanagement des MEAG FairReturn verantwortlich. Die MEAG in München ist Vermögensverwalter der Versicherungen Munich Re und ERGO und verwaltet Kapitalanlagen im Wert von derzeit rund 210 Mrd. EUR.

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