21.01.2016 | Von Die Stiftung

Herr Hasselbring, was heißt eigentlich FFO?

STIFTL: Radio ffn war einst ein hipper Radiosender, aus dem allmählich ein bloße Musikabspielstation wurde. Und ein neuer Mitschüler, der aus Frankfurt (Oder) kam, handelte sich in meiner Klasse den Spitznamen FO ein. Was aber ist FFO?
Dirk Hasselbring: FFO ist die Abkürzung für „Funds From Operations“ und stellt eine betriebswirtschaftliche Kennzahl zur Beurteilung des operativen Ergebnisses eines (Immobilien-)Unternehmens dar, ohne Sondereffekte, beispielsweise aus (Immobilien-)Verkäufen, zu berücksichtigen. Die Berechnung basiert auf dem Jahresüberschuss des Unternehmens, zu dem Abschreibungen und nicht liquiditätswirksame Kosten hinzuaddiert werden und der um Zuschreibungen aus Bewertungen sowie Sondereffekte aus Verkäufen bereinigt wird. Folglich lässt sich gegenüber dem in der Bilanz ausgewiesenen Jahresüberschuss das operative Ergebnis aus der laufenden Geschäftstätigkeit eines Unternehmens besser einschätzen.

STIFTL: Welche Bedeutung hat diese Kennzahl für Stiftungen, die in Immobilien investieren?
Hasselbring: Für Investoren ermöglicht der Ausweis dieser Kennzahl eine bessere Beurteilung der wirtschaftlichen Leistung eines Unternehmens. Manche Unternehmen bereinigen das Jahresergebnis neben den oben genannten Größen zusätzlich noch um Mieterhöhungen und bestimmte Kapitalkosten, sodass eine Vergleichbarkeit zwischen den Perioden gewährleistet wird.

STIFTL: Wie weit lässt sich damit auch ermitteln, ob ich dem Grundsatz des Kapitalerhalts nachkomme und welchen Teil des Ergebnisses ich zeitnah verwenden muss?
Hasselbring: Durch die Angabe des FFO wird den Investoren die operative Leistungsfähigkeit eines Unternehmens transparenter dargestellt und eine Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Perioden ermöglicht. Einer Beurteilung der Nachhaltigkeit des Investments und folglich auch der Beurteilung des Kapitalerhalts kann so leichter nachgekommen werden.

Ob die erhaltene Ausschüttung erwirtschafteter Gewinn ist, der die Nachhaltigkeit seines Investments nicht negativ beeinflusst oder ob die Ausschüttung die Substanz des Investments schmälert, lässt sich anhand des FFO besser einschätzen. Der Zielkonflikt zwischen zeitnaher Verwendung des Ergebnisses, um den Stiftungszweck nachzukommen, und Gewährleistung des Kapitalerhalts kann dadurch gelöst werden.

STIFTL: Und was sage ich nun meinem Vorstand?
Hasselbring: Wenn der Vorstand über die Stiftungseignung eines bestimmten Investments zu entscheiden hat, sollte darauf geachtet werden, dass eine Beurteilung der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit des Investments über die gesamte Laufzeit bei gleichzeitiger Erfüllung des Gebots der zeitnahen Mittelverwendung ermöglicht wird. Der FFO ist neben anderen Kennzahlen, wie beispielsweise die Ermittlung des Zeitwerts seines Investments, ein verwendbares Instrument.

G1 HasselbringDirk Hasselbring ist Vorsitzender der Geschäftsführung und zentraler Ansprechpartner für Stiftungen bei Hamburg Trust REIM Real Estate Investment Management. Das Unternehmen ist ein Fonds- und Asset-Manager für in- und ausländische Immobilieninvestments und hat im vergangenen Jahr seinen ersten Immobilienfonds gestartet, der speziell auf Stiftungen zugeschnitten ist.

Artikel teilen