10.07.2015 | Von Die Stiftung

Herr Kosiolek, was sind eigentlich quantitative Anlagestrategien?

STIFTL: Stratego haben damals im Landheim alle Jungs gespielt, die kein Mädchen abbekommen haben. Und einen Quantensprung verlangte in der nächsten Woche der Klassenlehrer von uns, damit wir die Noten vom letzten Schuljahr halten können. Was aber sind quantitative Anlagestrategien?
Frank Kosiolek: Ihre schmerzhaften Erfahrungen aus der Schulzeit möchte ich nicht kleinreden, aber glauben Sie mir: Im Investmentportfolio – auch von Stiftungen – sind quantitative Strategien viel besser aufgehoben als in Landheim oder Klassenzimmer. Denn quantitatives Investieren setzt voraus, dass man große Datenmengen effizient und systematisch analysiert und auf den Ergebnissen einen schlüssigen und disziplinierten Investmentprozess aufsetzt. In unserem Aktienselektionsmodell werden zum Beispiel über 200 fundamentale und technische Eigenschaften zu über 4.000 Aktien weltweit verarbeitet, also Faktoren, die potenziell Aussagekraft über künftige Kursentwicklungen besitzen. Die Anlageentscheidungen werden anhand nachvollziehbarer Fakten getroffen und sind unabhängig von der Tagesform eines Managers oder dessen Bauchgefühl.

STIFTL: Könnte ich so etwas auch selbst machen?
Kosiolek: Gegenfrage: Könnten Sie Formel-1-Weltmeister werden? Vermutlich nicht. Denn selbst wenn Sie ein hervorragender Fahrer sind, brauchen Sie dafür ein Top-Auto und ein großes Team, das Spitzenleistungen vollbringt.
Übertragen auf Quant-Strategien heißt das: Wie jede moderne, komplexe Technik erfordern sie eine hohe Qualifikation bei der Entwicklung und beim Anwender. Das ist jenseits von Rennsport und Investment ganz ähnlich: Wenn etwa ein Patient sich einer Computertomographie unterzieht, braucht er am Ende immer noch einen hochqualifizierten Arzt, der die Ergebnisse interpretiert und dann die richtigen Schritte einleitet.

STIFTL: Was hat eine Stiftung von der Anwendung quantitativer Anlagestrategien?
Kosiolek: Quantitative Strategien zeigen Wege aus der Zinswüste auf, in der viele Stiftungen mit hohen Staatsanleihen-Investments stecken. Mit Quant-Strategien lassen sich sehr gezielt Risiken identifizieren, quantifizieren und managen – auf der Anleihen- wie auch der Aktienseite. Dabei bleiben alle Anlageentscheidungen und -ergebnisse lückenlos dokumentier- und nachvollziehbar.

STIFTL: Und was sage ich nun meinem Vorstand?
Kosiolek: Dass er angesichts dauerhaft niedriger Zinsen über quantitative, risikoreduzierte Strategien auf der Aktien- und Rentenseite nachdenken sollte. Und dass er dafür am besten Experten zu Rate zieht, die auf langjährige Erfahrung und einen überzeugenden Track Record über unterschiedliche Marktphasen hinweg verweisen können.

 

Sal Oppenheim: EUROPA, DEUTSCHLAND, NORDRHEIN-WESTFALEN, KOELN, 08.10.2010: Portrait Frank Kosiolek in Unter Sachsenhausen/ EnggasseFrank Kosiolek ist Diplom-Volkswirt und seit Oktober 2013 Leiter Portfoliomanagement der integrierten Vermögensverwaltung bei Sal. Oppenheim, einem der führenden Stiftungsberater in Deutschland. Kosiolek beschäftigt sich seit rund 20 Jahren mit quantitativen Investmentstrategien für Privatkunden, institutionelle Investoren und Stiftungen.

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