28.11.2014 | Von Die Stiftung

Herr Lange, was heißt eigentlich Maximum Drawdown?

STIFTL: Max Headroom ist eine fast vergessene Science-Fiction-Serie aus den 1980er Jahren. Und Draw me ist eine wundervolle Ballade der finnischen Metal-Band Sonata Arctica. Was aber ist der Maximum Drawdown?
Achim Lange: „Gesegnet mit Augen, die die Dinge so sehen, wie sie sind…“ – so beginnt sinngemäß die von Ihnen zitierte Ballade. Hätten wir als Portfoliomanager einen solchen „Röntgenblick“, so gebe es keinen Maximum Drawdown. Denn diese Kennzahl beschreibt den maximalen Verlust, den ein Anleger bei einer Investition in einem bestimmten Zeitraum erlitten hätte, wenn er zum Höchstkurs eingestiegen und zum Tiefstkurs wieder ausgestiegen wäre. Beispielsweise würde der Maximum Drawdown 7,8% betragen, wenn eine Anlage in einem bestimmten Zeitraum maximal einen Kurs von 103 und mindestens einen Kurs von 95 erreicht hätte. Gesegnet mit dem beschriebenen Röntgenblick hätte sich der Anleger natürlich rechtzeitig von der Anlage getrennt, bevor der Verlust entstanden wäre!

STIFTL: Warum ist diese Kennzahl so wichtig?
Lange: Der Maximum Drawdown stellt eine Möglichkeit dar, dem Anleger das Risiko vor Augen zu führen, das er mit einer Investition eingegangen wäre. Dadurch, dass der Wertverlust nicht absolut, sondern relativ zum Anlagevolumen formuliert wird, macht die Kennzahl darüber hinaus die Risiken verschiedener Anlagen vergleichbar. Der Anleger kann erkennen, bei welcher Investition er im „Worst-Case-Szenario“ am besten davon gekommen wäre.

STIFTL: Welche Angaben verraten mir noch, wie krisenfest der Fonds ist?
Lange: Zunächst einmal muss man sagen, dass der Maximum Drawdown nur verrät, wie krisenfest eine Anlage, beispielsweise ein Fonds, in der Vergangenheit war. Die Kennzahl macht keine Aussage über die Zukunft! Das ist bei anderen Risikokennziffern wie der Volatilität, dem Value at Risk oder dem durchschnittlichen Monatsverlust genauso. Und eine Anlagepolitik, die in der Vergangenheit relativ krisenfest war, kann sich in der Zukunft als sehr riskant herausstellen. Insofern sollte sich ein Anleger, der beispielsweise in einen Fonds investieren möchte, möglichst auch über die grundsätzliche Anlagepolitik des Managements informieren und sich dadurch ein Bild über den Umgang mit zukünftigen Risiken machen. Ziel für uns als Portfolio-Manager ist immer, das wirtschaftliche und politische Geschehen so eng zu analysieren, dass wir Risiken frühzeitig erkennen. Um Verluste zu minimieren, sind wir auch bereit, auf die eine oder andere Chance zu verzichten.

STIFTL: Und was sage ich nun meinem Vorstand?
Lange: Vergangenheitsorientierte Kennzahlen wie der Maximum Drawdown sollten nicht die alleinige Basis sein, auf der eine Anlageentscheidung getroffen wird. Die Wirklichkeit, die für den Erfolg einer Investition ausschlaggebend ist, ist leider – oder vielmehr glücklicherweise – deutlich komplexer!

 

Achim Lange (Stiftl 20)Achim Lange ist Diplom-Mathematiker (FH) und Abteilungsleiter Portfoliomanagement bei der HASPA. Als Leiter Portfoliomanagement ist der gebürtige Norddeutsche für die strategische Portfolioausrichtung im Private Banking  verantwortlich. Seine langjährige Erfahrung mit institutionellen Kunden findet Berücksichtigung in der Ausrichtung und Optimierung der Kundenportfolios.

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