01.12.2017 | Von Die Stiftung

Herr Mönkediek, was sind eigentlich Optionen?

Optionen sind eine sehr gute Ergänzung der Anlagestrategie und nur dann Zockerei, wenn ich unüberlegt oder mit Gier handle.

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Optionen sind eine sehr gute Ergänzung der Anlagestrategie und nur dann Zockerei, wenn man unüberlegt oder mit Gier handelt. Foto: Garsya/iStock/Thinkstock

DIE STIFTUNG: Das Thema „Optionen“ und die Geschäfte mit Optionen waren in den ersten Monaten des Jahres Gegenstand reger Diskussionen unter unseren Lesern. Sind Optionen nur etwas für „Zocker“?
Stefan Mönkediek: Nein, im Gegenteil: Optionen sind eine sehr gute Ergänzung der Anlagestrategie und nur dann Zockerei, wenn ich unüberlegt oder mit Gier handle.

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Stefan Mönkediek Foto: Pro Videns Vermögensmanagement

DIE STIFTUNG: Wie funktionieren Optionsgeschäfte eigentlich genau?
Mönkediek: Eine Option ist ein zeitlich befristetes Recht zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers zu einem festgelegten Kurs. Dabei gibt es vier Grundmodelle: Beim Kauf einer Kaufoption („Long Call“) erwartet man steigende Kurse z.B. einer Aktie. Um sich diese Chance zu sichern, zahlt man eine Optionsprämie und wartet ab. Beim Kauf einer Verkaufsoption („Long Put“) erwartet man fallende Kurse, möchte sich davor schützen und zahlt dafür die Optionsprämie.

Beim Verkauf einer Kaufoption („Short Call“) will man ab einem bestimmten Kurs eine Aktie verkaufen und lässt sich das Abwarten durch die Optionsprämie vergüten. „Gedeckt“ nennt sich diese Strategie dann, wenn sich die Aktie im Bestand befindet. „Ungedeckt“, also ohne Aktienbestand, wäre es eine reine Spekulation auf die Optionsprämie.

Schließlich gibt es noch den Verkauf einer Verkaufsoption („Short Put“): Dabei möchte man die Aktie kaufen, weil sie aber noch zu teuer ist, bezahlt einem die Prämie gewissermaßen das Warten auf das Erreichen des Limits.

DIE STIFTUNG: Wann können Optionsgeschäfte für Stiftungen sinnvoll sein?
Mönkediek: Insbesondere Short Call (gedeckt) und Short Put sind interessant, weil die Stiftung für das Warten auf ein Kurslimit einen Zusatzertrag erhält – und Erträge braucht jede Stiftung. Wichtig ist, dass man dabei nicht spekuliert, sondern seine Optionsstrategie in die Aktienstrategie integriert, also z.B. nur Verkaufsoptionen auf Aktien verkauft, die man auch wirklich haben möchte. Man ist „Stillhalter“ und muss abwarten, was der Inhaber der Option tut. Übt er die Option aus, ist das gut, denn ich wollte sowieso zu diesem Kurs kaufen bzw. verkaufen. Übt er sie nicht aus, dann hat man eine gute Prämie eingenommen.

Ein Long Call kann sinnvoll sein, wenn eine Aktie z.B. durch eine Umstrukturierung stark schwankt und somit ein Einstieg lockt. Er gibt der Stiftung die Chance, ab einer bestimmten Erholung der Aktie daran zu partizipieren, begrenzt aber das Risiko auf die Höhe der Optionsprämie. Der Long Put ist das klassische Absicherungsinstrument, mit dem sich temporäre Marktturbulenzen aussitzen lassen, ohne eine Bestandsposition aufzugeben.

DIE STIFTUNG: Was sollten Stiftungen, die einen Vermögensverwalter damit beauftragen, für sie am Optionenmarkt tätig zu werden, unbedingt mit diesem im Vorfeld klären?
Mönkediek: Beide sollten klar festlegen, welche Optionsstrategien der Verwalter eingehen darf, in welcher Größenordnung und mit welchen Anlagezielen. Der Vermögensverwalter muss umfassend über die Wirkungsweisen aufklären und sicherstellen, dass die Stiftung die Chancen und Risiken der Strategie des Verwalters verstanden hat.

DIE STIFTUNG: Stiftungen können mit Optionsgeschäften auch viel Geld verlieren. Wie lässt sich einem Verlust bestmöglich entgegenwirken bzw. er sich von vornherein eindämmen?
Mönkediek: Die Risiken lassen sich durch klare Regeln gut eindämmen. Dazu zählen etwa, keine ungedeckten Short Calls einzugehen oder Short Puts immer mit dem vollen Ausübungswert mit Liquidität zu unterlegen und auf die Aktienquote anzurechnen. Short-Geschäfte sollte sie nur dann eingehen, wenn sie die Aktie zu den jeweiligen Ausübungskursen wirklich verkaufen bzw. kaufen will.

Zur Person: Stefan Mönkediek ist geschäftsführender Gesellschafter der Pro Videns Vermögensmanagement GmbH und zertifizierter Stiftungsberater & Stiftungsmanager (EBS).

 

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