13.06.2017 | Von Die Stiftung

Herr Nieberding, was sind eigentlich Secondaries?

DIE STIFTUNG: „Secondaries“ – das klingt irgendwie zweitklassig. Was genau bezeichnen Secondaries eigentlich?
Alex Nieberding: Im Private Equity hat das Wort „Secondaries“ zwei unterschiedliche Bedeutungen. Zum einen geht es um den Investor – die Anteile eines bestehenden Private-Equity (PE)-Fonds wechseln den Besitzer und werden damit zu einem „Secondary“.
Die andere Bedeutung bezieht sich auf das Investitionsziel – ein PE-Fonds verkauft das Zielunternehmen an einen anderen PE-Fonds. Der Anteil an diesen sogenannten „Secondary Buyouts“ hat in den vergangenen Jahren massiv zugenommen, da primäre Investitionsmöglichkeiten immer rarer werden. Die Leser dieses Beitrags werden eher mit der ersten der vorgenannten Möglichkeiten in Berührung kommen.

DIE STIFTUNG: Wie entstehen Secondaries überhaupt?
Nieberding: Investoren in Private-Equity-Fonds legen ihr Kapital meist für mindestens zehn Jahre an und halten ihre Position über diese Zeitspanne. Wer jedoch vor Ablauf dieser vergleichsweise langen Frist verkaufen möchte, findet Kaufinteressenten bei den hierauf spezialisierten „Secondary-Fonds“.

DIE STIFTUNG: Wo bzw. wie konkret können Stiftungen mit Secondaries in Berührung kommen?
Nieberding: Der effizienteste Weg, um in Secondaries zu investieren, führt über einen spezialisierten Secondaries-Fonds.

DIE STIFTUNG: Welche Chancen bieten Secondaries für die Vermögensanlage einer Stiftung?
Nieberding: Secondaries können ein intelligenter Weg sein, Private Equity in das eigene Portfolio aufzunehmen. Gegenüber einer Erstanlage in Private Equity gibt es mehrere Vorteile:
Während bei der Erstanlage das Investitionskapital vom Anleger schrittweise – meist über fünf Jahre gestreckt – abgerufen wird, erfolgt die Anlage im Secondaries-Fonds schneller. Zudem kaufen Secondaries-Fonds meist mit einem Abschlag, was eine Sicherheitsmarge für den Investor kreiert. Darüber hinaus sind die zugrundeliegenden Private-Equity-Fonds schon weiter in ihrem Lebenszyklus fortgeschritten, möglicherweise bereits in der Ausschüttungsphase. Dies kann die Kapitalbindungsdauer für den Anleger erheblich verkürzen.

DIE STIFTUNG: … und welche Risiken bestehen?
Nieberding: Das zugrundeliegende Risiko eines PE-Secondary ist das gleiche wie beim direkten Investment in PE. Obwohl PE exzellente Investmentmanager einsetzt, leidet die Branche an Kapitalüberschuss und Anlagedruck gekoppelt mit einer zunehmend knappen Anzahl an Übernahmezielen; was die PE-Renditen auf mittlere Sicht einschränken könnte. Beim Investment in einen diversifizierten Pool an PE-Secondaries über einen Fund-of-Funds minimiert man das Risiko, dass ein oder zwei der zugrundeliegenden PE-Fonds „underperformen“.

DIE STIFTUNG: Was kostet eine Investition in Secondaries?
Nieberding: Investoren müssen mit Gebühren auf zwei Ebenen rechnen: Sowohl Management- und Performance-Gebühren direkt an den Secondary-Fund-Manager als auch indirekt an die Manager der zugrundeliegenden Private-Equity-Fonds.

DIE STIFTUNG: Was muss ich in Bezug auf Secondaries unbedingt wissen, um im Gespräch mit meinem Finanzberater oder meinem Stiftungsvorstand zu signalisieren, dass er mir „nichts vom Pferd“ erzählen kann?
Nieberding: Zu Beginn klarzustellen, welcher PE-Secondary-Begriff im Gespräch gemeint ist, wird sowohl Finanzberater als auch Vorstand beeindrucken!

Mehr zum Thema Stiftungsvermögen finden Sie auf unserer Themenseite „Vermögen & Finanzen“.

Artikel teilen