17.03.2014 | Von Die Stiftung

Herr Plesse, was ist eigentlich Asset Allocation?

STIFTL: Als junger Bursche hatte ich bei der Pokerrunde in der Kneipe immer noch ein Ass im Ärmel. Jugendliche, die heute in eine Bar gehen, sagen, dass sie eine „Location“ aufsuchen. Aber was ist eigentlich Asset Allocation?

Jörg Plesse: Dieser Begriff ist ein gutes Beispiel dafür, dass viele Banker gern, unverständliche Fremdwörter benutzen. Assets lässt sich mit Anlagen übersetzen. Das Wort Allokation kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Zuweisung von finanziellen Mitteln“. Unter Asset Allocation verstehen Banken und Vermögensverwalter die Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlagen mit dem Ziel, systematisch das Risiko-Rendite-Verhältnis zu optimieren. Das Ergebnis wird als Diversifikation bezeichnet.

STIFTL: Wie funktioniert so eine Asset Allocation?

Plesse: Man kann die Asset Allocation in die strategische Asset Allocation und Einzeltitelauswahl unterteilen. Beides muss für jede Stiftung individuell entwickelt werden. Dabei sind die Anlage- und Renditeziele, die Risikoneigung und -tragfähigkeit sowie die Ausschüttungserfordernisse und Nachhaltigkeitsvorgaben der Stiftung zu berücksichtigen. Zunächst erfolgt die strategische Asset Allocation. Hierbei wird festgelegt, wie viel Prozent des Vermögens in genau definierte Anlageklassen, wie z.B. nordamerikanische Aktien, investiert werden sollen. Der letzte Schritt der Asset Allocation ist die Einzeltitelauswahl – also die Entscheidung, die Assetklasse nordamerikanische Aktien mit einem bestimmten Aktienfonds oder bestimmten Aktien, wie z.B. General Electric oder Exxon-Mobil, abzubilden.

STIFTL: Was ist wichtiger, die strategische Asset Allocation oder die Einzeltitelauswahl?

Plesse: Sofern man den meisten Untersuchungen und Experten glauben darf, ist die strategische Asset Allocation viel wichtiger. Demnach sind mehr als 90% der erzielten Gesamtrendite auf die strategische Asset Allocation zurückzuführen und weniger als 10% auf die Einzeltitelauswahl und das Timing. Ich bin jedoch sehr skeptisch, dass sich das künftig so absolut sagen lässt. In den vergangenen Jahren hat die Volatilität an den Märkten stark zugenommen, auch durch die Finanzmarkt- und Euro-Schuldenkrise. Dadurch wird auch die Bedeutung des richtigen Timings zunehmen.

STIFTL: Und was sage ich nun meinem Vorstand?

Plesse: Asset Allocation ist die Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlagen mit dem Ziel, Risiko und Rendite zu optimieren. Das Ziel ist eine möglichst optimale Diversifikation aller Anlagen. Sie muss für jede Stiftung individuell entwickelt, laufend überprüft und angepasst werden.

G_8_PlesseJörg Plesse ist bei der NORD/LB im Erb- und Stiftungsmanagement des Private Banking tätig. Darüber hinaus arbeitet er als freiberuflicher Dozent, u.a. für die Frankfurt School of Finance and Management.

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