16.01.2015 | Von Die Stiftung

Herr Schneider, was heißt eigentlich Euribor?

STIFTL: Bei Beamten, die über Burn-Out klagen, wird häufig festgestellt, dass sie in Wahrheit unter Bore-Out leiden. Und ein Konzert der Eurythmics hat mich schon immer mehr angesprochen als eine Eurythmie-Aufführung. Was aber ist ein Euribor?
Peter Schneider: Die Abkürzung Euribor steht für Euro Interbank Offered Rate. Euribor bezeichnet die durchschnittlichen Zinssätze, zu denen viele europäische Banken einander Kredite in Euro gewähren. Die Laufzeiten dieser Interbanken-Geldgeschäfte reichen von einer Woche bis zu zwölf Monaten.

STIFTL: Welche Relevanz hat es für Stiftungen, sich mit Interbanken-Krediten zu beschäftigen?
Schneider: Diese täglich ermittelten Zinssätze dienen unter anderem als Referenz bei der Emission von variabel verzinslichen Anleihen, deren Zinssatz  z. B. alle drei oder sechs Monate neu angepasst wird. Zu dem Referenzzins muss der Emittent in der Regel je nach Bonität eine Kreditmarge beziehungsweise Zinsaufschlag zahlen. Und hier kann das Thema für Stiftungen interessant werden, die nach einer Geldanlage in Euro suchen.

Nehmen wir folgendes Beispiel für eine variabel verzinsliche Anleihe, die auch Floater genannt wird: Die Laufzeit einer Bankanleihe beträgt fünf Jahre, die Zinszahlung oder der Kupon setzt sich aus dem Drei-Monats-Euribor von 0,1% plus 80 Basispunkten zusammen. Somit erhält der Investor für die nächsten drei Monate eine Verzinsung von 0,9% p.a. Die nächsten Kuponzahlungen sind jetzt davon abhängig wie sich der Drei-Monats-Euribor entwickelt, denn der Aufschlag bleibt fix. Es sei angemerkt, dass dieses Illustrationsbeispiel eine sehr gängige, aber einfache Variante ist. Das Angebot an Floatern ist nach Bonität, Laufzeit und Zinsstrukturen sehr vielfältig.

STIFTL: In jüngster Zeit war ein ganz leichter Anstieg des Euribor zu beobachten. Ist das schon ein Signal für eine Trendwende?
Schneider: Die Veränderungen bewegen sich derzeit im Mikrobereich und sind aktuell kein Indiz für eine Trendwende zu steigenden Zinsen. In den letzten Monaten haben wir eher das Gegenteil erlebt, denn die Euribor-Zinssätze unterliegen dem Einflussbereich der EZB-Geldpolitik. Seitdem Banken für Ihre Einlagen bei der EZB Negativzinsen zahlen wirkt dieser Effekt auch auf die kurzen Fristen bei den Euribor-Zinssätzen durch.

STIFTL: Und was sage ich nun meinem Vorstand?
Schneider: Floater mit interessanten Zinsstrukturen und nennenswerten Zinsaufschlägen über dem entsprechenden Euribor-Zinssatz gehören mit zum Anlagerepertoire, vielleicht im Sinne eines Termingeld-Ersatzes. Insbesondere in Zeiten steigender Zinsen können Floater ihre Stärken ausspielen. Denn sie profitieren in kurzen Zeitabständen von den steigenden Zinsen, weil die Kupons mitsteigen. Außerdem sind die Floater durch diesen Effekt auch immuner gegen Kursverluste, wenn die Renditen steigen.

Will man den Aussagen der EZB Glauben schenken, dann werden die Zinsen aber noch länger niedrig bleiben. Dies muss aber nicht unbedingt so eintreten. Deshalb sollte die Stiftung bei der Anlage ihres Kapitals neben Floatern auch andere kluge Instrumente nutzen.

 

Schneider und Walter_MG_2455

Der Rentenexperte Peter Schneider ist Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Schneider Walter & Kollegen.

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