21.03.2017 | Von Die Stiftung

Herr Schneider-Sickert, was ist eigentlich ein Robo-Advisor?

DIE STIFTUNG: Robocop ist ein Science-Fiction-Film, der mir als Kind zeigte, welche Auswüchse die Profitgier haben kann. Und der Philanthropy-Advisor ist eine gefragte Zusatzqualifikation im Non-Profit-Sektor. Was aber ist ein Robo-Advisor?
Christian Schneider-Sickert: Robo-Advisors digitalisieren und automatisieren klassische Finanzdienstleistungen. Zumeist basieren sie auf mathematischen Algorithmen und treffen für ihre Kunden Entscheidungen im Bereich Geldanlage. Die unterschiedlichen Angebote beginnen bei einfachen „ETF-Mischern“ – hier erhalten Kunden auf Basis ihrer Risikoaffinität und ihrer Anlageziele automatisch ein Portfolio, das sich aus verschiedenen passiven Indexfonds, sogenannten Exchange-Traded-Funds (ETF), zusammensetzt. Und sie reichen bis zu vollumfänglicher, bankenunabhängiger Vermögensverwaltung, bei der auch aktiv gemanagte Fonds angeboten werden.

DIE STIFTUNG: Warum sollen künstliche Intelligenzen bessere Investitionsentscheidungen treffen können als ein Mensch?
Schneider-Sickert: Alle automatisierten Investmententscheidungen von Robo-Advisors sind letztlich menschengemacht, denn sie basieren auf Erkenntnissen aus der Wirklichkeit und wissenschaftlichen Theorien zum Portfolio-Management. Auf Basis derer werden Entscheidungen getroffen, die rein datengetrieben sind und größtmögliche Objektivität versprechen. Fehlentscheidungen aufgrund von menschlichen Emotionen, etwa Panik in schwierigen Marktsituationen, werden so ausgeschlossen.

DIE STIFTUNG: Wie oft geht das tatsächlich gut?
Schneider-Sickert: Da das Phänomen Robo-Advisory noch relativ jung ist, kann man das für alle Spieler noch nicht abschließend beantworten. Bisher ist aber zu beobachten, dass viele der verschiedenen Modelle funktionieren. Im Detail kann ich nur für Liqid sprechen – und dabei kann gesagt werden, dass sich unsere Kunden-Portfolios im vergangenen Jahr sehr gut entwickelt haben, auch in Stresssituation wie dem Brexit.

DIE STIFTUNG: Wie gehen künstliche Intelligenzen speziell mit neuen, noch nie dagewesenen Ereignissen an den Kapitalmärkten um?
Schneider-Sickert: Letztlich bringen noch nie dagewesene Ereignisse für Mensch und Maschine die gleichen Schwierigkeiten mit sich: Man kann sich nicht auf sie vorbereiten und nicht kalkulieren, welche Entscheidung in der aktuellen Situation die beste ist – diese Einschätzung ist immer erst im Nachgang möglich. Algorithmen agieren in solchen Situationen entsprechend den Zielen und dem Risikoprofil des Anlegers. Ist ein Anleger beispielsweise sehr risikoaffin und möchte seine Gewinne maximieren, greift der Algorithmus entsprechend dieser Ausrichtung in die Portfolio-Zusammensetzung ein.

DIE STIFTUNG: Und was sage ich jetzt meinem Vorstand?
Schneider-Sickert: Robo-Advisor ist nicht gleich Robo-Advisor – allen gemein ist aber, dass sie verschiedene Aspekte der Geldanlage digitalisieren und automatisieren. Sie bieten Kunden zeitgemäße Lösungen und ermöglichen objektive Entscheidungen in Sachen Geldanlage. Und sie sind durch die Digitalisierung im Vergleich zu klassischen Finanzangeboten oftmals wesentlich kostengünstiger. Anleger sollten Robo-Advisor nutzen, wenn sie ihre Vermögensverwaltung mittels neuester Technologien effektiver und vor allem kostengünstiger gestalten wollen.

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