29.04.2016 | Von Die Stiftung

Herr Zitt, was ist eigentlich die Ongoing Charge?

STIFTL: „The heat is on“ ist ein Song von Glenn Frey, den wir bis heute jeden Sommer im Radio hören. Und „Charger“ ist der Name des Ladegeräts für meine Akkus. Was aber ist die Ongoing Charge?
Christoph J. Zitt: Diesen Begriff findet man weder in der Musik- noch der Elektronikwelt, sondern er entstammt der Fondsindustrie. Aufgrund verschiedener Kostenbegriffe ist es dort schwierig, einzelne Produkte untereinander einem Vergleich zu unterziehen. Um dies zu ermöglichen, wurden Kennzahlen entwickelt, die einen einheitlichen Ausweis der Kosten durch die Fondsgesellschaften sicherstellen sollen. „Ongoing Charge“, kurz OGC, ist also eine Kennzahl, die auf Fondsebene anfallende Kosten darstellt. Sie wurde im Zuge der neuen europäischen Fondsgesetzgebung UCITS IV eingeführt und löst damit die bekannte und geläufige Kennzahl „Total Expense Ratio“, kurz TER ab, der sie im Grunde genommen stark ähnelt. Kosteninteressierte Investoren finden diese Gebühr unter anderem im Fondsdokument KIID.

STIFTL: Wie unterscheidet sich nun die OGC von der TER?
Zitt: Die „Total Expense Ratio“ beinhaltet, anders als der Name vermuten lässt, nicht alle Fondskosten. Performanceabhängige Gebühren, Market-Impact-Kosten und Transaktionskosten fehlen, ebenso die Berücksichtigung der laufenden Kosten der enthaltenenen Zielfonds bei den sogenannten Dachfonds. Diese Gebühr jedoch wird bei der OGC berücksichtigt und gilt als wesentliches Unterscheidungsmerkmal zur TER; insofern kann man sie als etwas aussagekräftiger bezeichnen.

STIFTL: Warum hat sich die OGC dann gegenüber der TER noch nicht durchsetzen können?
Zitt: Es ist nur eine Frage der Übergangszeit, bis sich OGC durchgesetzt hat. Die TER stieß in der Vergangenheit immer wieder auf Kritik, nachdem insbesondere die Portfolio-Transaktionskosten nicht berücksichtigt wurden. Außerdem existierten in der EU uneinheitliche Interpretationen und Methoden zur TER-Berechnung. Mit der Einführung der europäischen Fondsgesetzgebung wird dann die „neue“ Kennzahl OGC die „alte“ TER in der EU ganz ablösen. Mittlerweile hat die Mehrzahl der Fondsanbieter bereits auf die neue Kennziffer umgestellt.

STIFTL: Welche Höhe sollte eine faire OGC maximal haben?
Zitt: Durchschnittliche Kosten für aktive Rentenfonds liegen bei ca. 2% p.a., mindestens 1% mehr bezahlt man bei aktiven Aktienfonds für Standardwerte. Handelt es sich um Aktienfonds aus den Schwellenländern, gibt es noch einen „Schnaps“ obendrauf. Die in Deutschland zurzeit beliebten Mischfonds liegen etwa bei 2,5%. Die Höhe einer fairen Gebühr lässt sich aber am ehesten an der Qualitätsleistung des Managements festmachen. Hat mein gewählter Fonds meine Erwartungen nach Kosten erfüllt, beispielsweise das Kapital erhalten oder den Vergleichsindex geschlagen? Die Antwort auf diese Frage sollte ebenso in Betracht gezogen werden.

STIFTL: Und was sage ich nun meinem Vorstand?
Zitt: Für eine Stiftung ist es ratsam, sich mit den einzelnen Gebührenbestandteilen unterschiedlicher Fonds vertraut zu machen, um sie zu vergleichen. Höhere Fondskosten bedeuten, dass man auch eine höhere Performance erzielen muss, um diese zu begleichen. Umgekehrt tragen unterdurchschnittliche Gebühren positiv zur Wertentwicklung bei. Deshalb sollten Stiftungen vor einer Investitionsentscheidung neben den hier erwähnten Ongoing Charges weitere potenzielle Kostenquellen untersuchen. Denn hohe Fondskosten sind Perfomancekiller, die ich nur durch sorgfältigen Vergleich vermeiden kann.

Ongoing Charge
Christoph J. Zitt
ist zertifizierter Stiftungsberater und Senior Sales Director bei NN Investment Partners in Frankfurt. Er fungiert dort als Ansprechpartner für Stiftungen.

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