06.12.2019 | Von Die Stiftung

Streit um Conterganstiftung

Die Conterganstiftung prüft die Möglichkeit, die Unterstützung von Opfern in Brasilien zu beenden. Nach Medienberichten steht die Organisation nun in der Kritik – unter anderem vom Pharmaunternehmen Grünenthal, das den Wirkstoff Thalidomid herstellte.

Conterganstiftung
Fehlbildungen durch Contergan Foto: Otis Historical Archives National Museum of Health and Medicine., NCP14053, CC BY 2.0

Die Conterganstiftung sieht sich harscher Kritik ausgesetzt, seitdem Ende November öffentlich geworden ist, dass sie die Unterstützung brasilianischer Opfer von Contergan einstellen will – jenes Mittels gegen Schwangerschaftsübelkeit, das 1957 bis 1961 vertrieben wurde. Die Stiftung argumentiert, dass die Betroffenen in Brasilien zwar durch den Wirkstoff Thalidomid der Firma Grünenthal geschädigt worden seien – aber eben nicht durch ein Präparat des Aachener Pharmaunternehmens. Vielmehr hat Sedalis, ein Produkt des Lizenznehmers Pinheiros, die Fehlbildungen ausgelöst. Die Satzung der Stiftung hält hierzu fest: „(1) Zweck der Stiftung ist es, behinderten Menschen, deren Fehlbildungen mit der Einnahme thalidomidhaltiger Präparate der Grünenthal GmbH, Aachen (früher Chemie Grünenthal GmbH in Stolberg) durch die Mutter während der Schwangerschaft in Verbindung gebracht werden können, … Leistungen zu erbringen …“

Entscheidender Lizenzvertrag

Pharmahersteller Grünenthal hat diese Lesart öffentlich kritisiert, ebenso Herbert Wartensleben, der frühere und langjährige Leiter der Rechtsabteilung des Unternehmens. Wartensleben verweist gegenüber tagesschau.de auf den Lizenzvertrag zwischen Grünenthal und dem brasilianischen Partner Pinheiros – dieser liege der Stiftung nicht vor und sie kenne auch den Inhalt nicht. Aus dem Dokument geht laut tagesschau.de „klar hervor, dass ausschließlich Grünenthal den Wirkstoff Thalidomid herstellen sollte. ‚Zwecks Erhaltung eines gleichbleibenden Qualitätsstandards‘ verpflichtete Pinheiros sich, ‚ihren gesamten Bedarf an Rohstoffen für die Vertragsprodukte nur von Grünenthal gegen feste Rechnung zu kaufen‘“. Pinheiros selbst sollte demnach dann noch die letzten Schritte der Herstellung übernehmen, die „Konfektionierung“, also das „Mischen, Abfüllen und Verpacken“.

Grünenthal habe laut Wartensleben „damals mit einigen Firmen Vereinbarungen getroffen, die es den Lizenznehmern erlaubten, die Produkte wirklich selbst herzustellen, inklusive des Wirkstoffs Thalidomid“. In diesem Fall wäre die deutsche Conterganstiftung tatsächlich nicht für die Entschädigung zuständig. Pinheiros jedoch sei ein reines Vertriebsunternehmen gewesen. Seiner Erinnerung nach habe Grünenthal die Produkte „komplett fertig“ geliefert, wird Wartensleben zitiert. Dokumente, die dies belegen, habe er allerdings nicht.

Leid lindern

Die Conterganstiftung wurde nach einem Beschluss des Deutschen Bundestages am 31. Oktober 1972 als öffentlich-rechtliche Stiftung des Bundes unter dem Namen Stiftung Hilfswerk für behinderte Kinder ins Leben gerufen wurde. 2005 wurde sie in Conterganstiftung für behinderte Menschen umbenannt. Im Januar 2019 berief Bundesfamilienministerin Franziska Giffey heute den Theologen Dieter Hackler zum neuen ehrenamtlichen Vorsitzenden des Vorstands.

Satzung der Conterganstiftung

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