08.05.2018 | Von Die Stiftung

Von US-Hochschulstiftungen lernen

Deutsche Stiftungen sind laut einer Studie der Internationalen Business School ESMT mit der derzeitigen Ausrichtung ihrer Anlagepolitik den Herausforderungen der Zukunft nicht gewachsen. Als Vorbild dafür, wie Erträge erhöht werden könnten, dienen US-Hochschulstiftungen.

US-Hochschulstiftungen
Die Studie der ESMT zeigt, was sich deutsche Stiftungen von US-Hochschulstiftungen abschauen könnten. Das Bild zeigt den Harvard Square. Foto: Muns, Cambridge Harvard Square, CC BY-SA 3.0

Dass die anhaltenden Niedrigzinsen eine Herausforderung für Stiftungen sind, ist nichts Neues. Doch die aktuelle Studie der Internationalen Business School ESMT aus Berlin zeigt, dass Stiftungen aufgrund ihres Anlagehorizonts enormes Potenzial im Hinblick auf ihre Risikotragfähigkeit haben. Durch ihre aktuelle Anlagepolitik entgehen Stiftungen in Deutschland signifikante Beträge, so die Studie. Würde sie eine Anlagepolitik wie die großen US-Hochschulstiftungen verfolgen, stünde der deutschen Stiftungslandschaft ein zu hebendes Renditepotenzial von jährlich zwei Milliarden Euro offen.

Optimierungshebel für die Anlagepolitik

Am Beispiel von US-Hochschulstiftungen zeigt die Studie Optimierungshebel für die Anlagepolitik deutscher Stiftungen auf. Während Fonds und Festgeld die häufigsten Anlageformen deutscher Stiftungen sind, zeigt die Analyse der US-Hochschulstiftungen, dass diese eine breitere Streuung, eine bessere Berücksichtigung der Risikoallokation und eine höhere Risikobereitschaft aufweisen. Die Autoren der Studie betonen, dass diese Ergebnisse die Notwendigkeit aufzeigen, sich intensiver mit der Frage zu beschäftigen, wie Stiftungen zukünftig ihre Vermögen verwalten und wie sie dabei mit geeigneten Rahmenbedingungen unterstützt werden können.

„Sollten sich die Stiftungsvertreter für eine Thesaurierung der zusätzlichen Erträge entscheiden, würde innerhalb eines Zeitraums von zehn Jahren ein zusätzlicher Kapitalstock in Höhe von 26,12 Milliarden Euro entstehen, welcher für gemeinnützige Projekte zur Verfügung stünde“, so die Autoren der Studie. Darüber hinaus könne auch davon ausgegangen werden, dass es aufgrund höherer Renditen zu verstärkten Zustiftungen komme. Unter diesen Annahmen könne darauf geschlossen werden, dass in Deutschland ein zu hebendes Potenzial von jährlich zwei Milliarden Euro längerfristig eher die Untergrenze der Möglichkeiten darstellt, die der deutschen Stiftungslandschaft offenstehen würden, sollten sich die Stiftungen dazu entschließen, etwas risikoaffiner und diversifizierter zu veranlagen.

„Deutschlands Stiftungen sind bisher, trotz sinkender Renditeaussichten, relativ unbeschadet durch die Dekade nach der Finanzkrise gekommen“, konstatieren die Autoren der Studie. Die Zukunftsaussichten seien jedoch durch die aktuelle Portfolioallokation und die damit verbundene Zinssensitivität angesichts eines steigenden Zinsumfeldes als fordernd zu beschreiben. „So verbessern sich zwar die Anlagemöglichkeiten im Anleihebereich wieder, doch auf bestehende Positionen wirkt sich ein Zinsanstieg je nach Zinssensitivität negativ aus.“

Unterschiede in Renditeanspruch

Bei einer durchschnittlichen Ausschüttungsquote von vier Prozent und einer erwarteten Inflationsrate von zwei Prozent p.a. ist ohne weitere Zustiftungen bereits eine Gesamtrendite von sechs Prozent p.a. nötig, um einen realen Kapitalerhalt zu erreichen. „Deutliche Unterschiede zwischen deutschen und US-Stiftungen zeigen sich schon im Renditeanspruch, um diesen Kapitalerhalt zu schaffen“, besagt die Studie. So liege das Medianrenditeziel der US-Stiftungen mit 7,4 Prozent deutlich über dem Anspruch, lediglich einen Inflationsausgleich zu erreichen.

Deutsche Stiftungen sollen sich an den größten NACUBO-Stiftungen (National Association of College and University Business Officers) wie Yale und Harvard orientieren. Wenn sie wie diese gleichzeitig aggressiver und diversifizierter veranlagen würden, könnte wesentlich mehr Wirkung für die Gesellschaft in Form von höheren Ausschüttungen für den gemeinnützigen Zweck erzielt werden.

www.esmt.org

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