11.10.2019 | Von Die Stiftung

Wirbel um Mittelverwendung bei der „Stiphtung“

Die Noch-Ehefrau beschreibt die „Stiphtung“ des schwäbischen Kabarettisten Christoph Sonntag als „Selbstbedienungsladen“ – die Landeszentrale für politische Bildung erachtet die Vorwürfe als haltlos. Die Opposition im Landtag kritisiert Sozialminister Manfred Lucha.

Stiphtung
Sind einander freundschaftlich verbunden: Kabarettist Christoph Sonntag (links) und Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne). Fotos: Frank C. Müller, Christoph Sonntag 02 fcm, CC BY-SA 4.0/Ra Boe / Wikipedia, Manfred Lucha 2013-by-RaBoe 01, CC BY-SA 3.0 DE

Man kann den Eindruck gewinnen, dass hier ein Scheidungskrieg weite Kreise gezogen hat: Seit Juli sieht sich der Kabarettist Christoph Sonntag mit Vorwürfen konfrontiert, es gebe Ungereimtheiten um die Verwendung von Geldern für seine „Stiphtung“. Die in Trennung von ihm lebende Ehefrau und ihre Mutter behaupten, die gemeinnützige GmbH sei für den Schwaben ein „Selbstbedienungsladen“, so die Stuttgarter Nachrichten.

FDP spricht von Untersuchungsausschuss

Daraufhin geriet auch der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) unter Beschuss. Die FDP-Fraktion im Landtag warf ihm vor, die Förderung in Höhe von 211.000 Euro für das Projekt „A-B-C-D-E-Mokratie neu buchstabiert!“ erst ermöglicht und dann zu spät auf mögliche Ungereimtheiten reagiert zu haben. Lucha und Sonntag sind einander freundschaftlich verbunden. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke zog in einem Interview gar in Erwägung, einen Untersuchungsausschuss einzuberufen, wenn das Sozialministerium sich mit Auskünften zu den Vorgängen zurückhalte. Der Vorwurf: Das Ministerium habe die Staatsanwaltschaft zu spät informiert – erst nach der Berichterstattung in den Stuttgarter Nachrichten.

Die Vorhaltungen gegen Sonntag sind schwerwiegend: „Die TV Sonntag GmbH, also der Künstlerbetrieb von Sonntag, schreibt überhöhte oder frei erfundene Rechnungen an die Stiphtung, die von der Rechtsform her eine gemeinnützige GmbH ist, und zieht auf diese Weise Geld aus der Stiphtung“, so der Schwarzwälder Bote über die Schilderungen von Sonntags Ehefrau und deren Mutter: 211.000 Euro, die Sonntag zwischen Mitte 2018 und Mitte 2019 für Demokratieförderprojekte bezogen habe, seien unverhältnismäßig zum Aufwand gewesen – demnach sei der tatsächliche Aufwand nur etwa halb so hoch gewesen. Des Weiteren seien Aufträge an die Firma seiner Frau geflossen und Sonntag habe Bücher verkauft, ohne Steuern für den Verkauf zu zahlen.

Landeszentrale stützt Sonntag

Mitte September hat die Landeszentrale für politische Bildung indes erklärt, dass sie die Vorwürfe für gegenstandslos halte, so die Stuttgarter Nachrichten. „Auch Fremdaufträge, darunter an die Firma von Sonntags Ehefrau, seien voll erbracht und zu markt- und branchenüblichen Konditionen vergütet worden“, zitiert der SWR aus dem Prüfbericht. „Dass anders als in der ursprünglichen Zielsetzung auch Schulklassen im Projekt aufgenommen wurden, ist nach Ansicht der Landeszentrale kein Verstoß gegen die Zuwendungsbedingungen.“ Christoph Sonntag hat die „Stiphtung“ 2007 gegründet. Sie setzt sich vor allem für benachteiligte Kinder und Jugendliche ein.

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