10.02.2015 | Von Die Stiftung

Das Münchner Stiftungswesen vom 13. bis zum 20. Jahrhundert

Die Stiftungstradition wurde in München bereits kurz nach dessen erster urkundlicher Erwähnung im Jahre 1158 begründet: So stiftete 1213 der schwer kranke Goldschmied Bernhard der Deutsche in Venedig den Insassen des Leprosenhauses am Gasteig ein Vermögen von 50 Venezianer Denaren. Und diese Tradition lebt bis heute.

Die Stiftungstradition wurde in München bereits kurz nach dessen erster urkundlicher Erwähnung im Jahre 1158 begründet: So stiftete 1213 der schwer kranke Goldschmied Bernhard der Deutsche in Venedig den Insassen des Leprosenhauses am Gasteig ein Vermögen von 50 Venezianer Denaren. Und diese Tradition lebt bis heute.
von Dr. Barbara Wagner

 

Die frühen Stiftungen der Stadt waren meist Anstaltsstiftungen, die ihren Zweck durch den Betrieb von Einrichtungen vor allem der Wohlfahrtspflege erfüllten. In München ist die Heiliggeistspital-Stiftung die älteste städtische Stiftung, die sich über 800 Jahre nach dem Tod des Stifters heute noch um alte und hilfsbedürftige Menschen kümmert. Herzog Ludwig I. von Bayern hatte Vermögen gestiftet, damit ein Spital zur Versorgung von Pilgern, Kranken und bedürftigen Alten gegründet werden konnte. Die Stadt war offensichtlich so rasch gewachsen, dass bereits 1208 eine solche Krankenpflege- und Versorgungseinrichtung notwendig geworden war.

Weitere Spitalstiftungen waren das Leprosenhaus am Gasteig (mindestens seit 1213) und das Nikolaispital in Schwabing, das vermutlich ebenfalls bis ins 13. Jahrhundert zurückgeht. Ihre Gründer sind unbekannt.

München
Viele frühe Stiftungen hatten es zur Aufgabe sich um die Armen der Stadt zu kümmern, häufig in Form von Kleidungs- oder Essensspenden.

Im Mittelalter kümmerte man sich um die Armen, Kranken und Heimatlosen, weil man an die Heilung durch das gute Werk glaubte und Angst um das eigene Seelenheil hatte. Aus diesem Grund wurden viele Seelhäuser gegründet. Das waren Unterkünfte, meist ein Mietshaus oder eine Herberge, für Pilger sowie alte, unvermögende oder kranke Menschen.

Die ersten Seelhäuser entstanden als Stiftungen reicher Bürger. Vier Seelhaus-Stiftungen haben die beiden Währungsreformen von 1923 und 1948 überstanden. Erst 1953 wurden sie als selbstständige Stiftungen aufgelöst und ihr Vermögen dem allgemeinen Wohlfahrtsfonds der Stadt zugeführt.

Zudem gab es viele Jahrestagsstiftungen mit Spenden von Essen, Wein oder Kleidung für Arme. Zu diesen gehörte auch das Jungferngeld, eine Aussteuerstiftung für arme Mädchen, die bis Anfang des 19. Jahrhunderts bestand. Sie geht zurück auf Herzog Ernst, der 20 Pfund jährlich als Heiratsgut für zwei fromme, arme, wohlbeleumundete Münchner Jungfrauen bestimmte (1437). Weitere Münchner Bürger stifteten zu, so dass jährlich bis zu zehn arme Mädchen für die Heirat ausgestattet werden konnten.

Am bekanntesten wurde die sogenannte Wadlerbrezenspende von Burkhard und Heilwig Wadler von 1318: Das Ehepaar verpflichtete das Heiliggeistspital, einmal jährlich für 3 Pfund Münchner Pfennig Brezeln an die Armen zu verteilen. Das entsprach 2.880 Brezen.

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