18.07.2012 | Von Die Stiftung

Das Schneeball-Prinzip

Wenn im Internet die breite Masse zu einer kleinen Spende für ein spezielles Projekt aufgerufen wird, spricht man Neudeutsch von Crowdfunding. Bisher hat sich diese Form des Fundraisings vor allem bei kulturellen Projekten bewährt. Ein Selbstläufer ist die neue Art der Spendergewinnung aber keineswegs: Ohne geeignete Projekte, gute Vermarktung und ein hohes Maß an Transparenz kann sie schnell scheitern.

Seit 2007 bietet das Spenden-Portal Betterplace.org Stiftungen, Vereinen und Privatpersonen außerdem die Möglichkeit, auf der Website die eigenen sozialen Projekte zu präsentieren und für Spenden aufzurufen. 2010 kamen Plattformen wie Startnext.de oder Visionbakery.de dazu, die den aktuellen Trend aufgreifen und zusätzlich fördern wollen. Eigentlich.

Doch genau in dieser Entwicklung sieht Bernd Labetzsch von der Bank für Sozialwirtschaft eine ernstzunehmende Schwachstelle: „So gut die Idee der Schwarmfinanzierer auch ist: Bisher kannibalisieren sich die unterschiedlichen Plattformen. Gäbe es beispielsweise eine große Plattform für den Kulturbereich, eine andere für den Sozialbereich und würden sich diese auch abgrenzen, dann könnte es auf lange Sicht eine reale Finanzierungsalternative zum ‚normalen‘ Fundraising werden.“ Tatsächlich existieren derzeit jedoch zahlreiche Websites, die dem Internetnutzer ein buntes Potpourri aus Spendenaktionen anbieten.

Doch welche Projekte erhalten überhaupt dermaßen hohen Zuspruch, dass sich Menschen im Internet finden, die bereit sind, hierfür Geld zu spenden? Stephanie Sczuka vom Medikamentenhilfswerk medeor folgt hierbei einem bestimmten Prinzip: „Es muss ein Thema sein, das im öffentlichen Interesse steht, damit es zum Erfolg wird. Dann schauen wir, dass wir einen überschaubaren Bedarf definieren. Es soll ja auch ein Ziel gesteckt werden, das realistisch erreicht werden kann.

In jedem Falle sei die Kommunikationskompetenz des Initiators entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg eines Projektes, so Labetzsch: „Ohne Kommunikation, ohne soziale Netze kann es nicht funktionieren.“

Diese Auffassung teilt auch Wagner: „Wer eine Crowdfunding-Aktion startet, sollte sich von Anfang an bewusst sein, dass diese kein Selbstläufer ist. Es geht darum, Projekte so zu konzipieren und zu kommunizieren, dass sie sich für das Crowdfunding eignen und bei den fokussierten Zielgruppen überzeugen.“

Quelle: panthermedia/Cathy YeuletSczuka kann nur zustimmen: „Das Internet ist und bleibt ein schnelles Kommunikationsinstrument, bei dem man zeitnah reagieren muss. Und alles was nicht glaubwürdig erscheint, hat meiner Meinung nach im Internet keine Chance, ein Erfolg zu werden.“

Verständlichkeit, Klarheit und Transparenz seien weitere entscheidende Aspekte, führt Kommunikationsexpertin Wagner diesen Gedanken fort: „Von nun an gilt es, die ‚Crowd‘ kontinuierlich zu mobilisieren, etwa über Social-Media-Kanäle, Öffentlichkeitsarbeit und persönliche Kontakte.“

„Letztlich ist ein persönliches Engagement hier noch viel mehr gefordert als bei einer normalen Spende, denn hier bin ich indirekt dabei, hier fließt echtes Herzblut“, bestätigt auch Labetzsch. Der Erfolg erster Projekte habe einen regelrechten Hype um das Thema Crowdfunding ausgelöst. Dennoch bleibt er skeptisch: „Für den NPO-Bereich fehlt mir bislang der große Schwung. Dort scheint man – wie so oft – erst mal abwarten zu wollen.“

Aber worauf warten? „Crowdfunding eignet sich für gemeinnützige Organisationen aller Größen“, ist sich Urselmann sicher. Für Labetzsch sind wiederum andere Aspekte ausschlaggebend: „Ich würde mich nicht auf die Größe festlegen, sondern auf die Attraktivität des Plans, auf die Kreativität der Idee und die Begeisterungsfähigkeit des Projektes.“

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