18.07.2012 | Von Die Stiftung

Das Schneeball-Prinzip

Wenn im Internet die breite Masse zu einer kleinen Spende für ein spezielles Projekt aufgerufen wird, spricht man Neudeutsch von Crowdfunding. Bisher hat sich diese Form des Fundraisings vor allem bei kulturellen Projekten bewährt. Ein Selbstläufer ist die neue Art der Spendergewinnung aber keineswegs: Ohne geeignete Projekte, gute Vermarktung und ein hohes Maß an Transparenz kann sie schnell scheitern.

Auch Wagner sieht vor allem Chancen für Organisationen, die sich mit einem eher leicht zugänglichen Thema befassen und mit einer klaren zeitlichen Zielsetzung Spenden für konkrete Projekte einwerben wollen. Sczuka hat diesbezüglich folgende Erfahrung gemacht: „Von unserer Warte aus betrachtet ist es leichter, Spenden für ein Nothilfe-Projekt zu bekommen als für Medikamente, die beispielsweise eine kleine Gesundheitsstation in Nigeria benötigt.“

Sczuka spricht nach wie vor bewusst von Spenden und steht der Bezeichnung ‚Crowdfunding‘ noch etwas kritisch gegenüber: „Crowdfunding im eigentlichen Sinn betreiben wir nicht. Es gibt ja keine Gegenleistung für unsere Spender.“

Ein durchaus wichtiger Aspekt, der das Crowdfunding gewissermaßen charakterisiert. So erhalten beispielsweise Unterstützer eines Filmprojekts Tickets für die Premiere und werden im Abspann genannt. Möglicherweise ein Grund, warum sich diese Form des Fundraisings bislang vor allem im Kulturbereich bewährt hat.

Urselmann betont jedoch, dass sich – wie allgemein im Fundraising – auch beim Crowdfunding immaterielle Formen einer Gegenleistung finden lassen, die steuerlich gesehen keinen „geldwerten Vorteil“ (bei Privatpersonen) beziehungsweise „wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb“ (bei steuerbegünstigten Körperschaften) darstellen. Alles andere wäre für das Stiftungswesen in höchstem Maße unseriös, merkt auch Wagner an: „Adäquate Gegenleistungen sind eher kommunikativer oder symbolischer Natur. Online-Tools können in diesem Kontext gute Dienste leisten, etwa um Projektfortschritte zu visualisieren, virtuelle Urkunden auszustellen oder mit Spendern und Unterstützern in Kontakt zu bleiben und sie kontinuierlich zu informieren.“

Der Kreativität sind hierbei keine Grenzen gesetzt. So können großzügige Spender beispielsweise auch zur Eröffnungsfeier oder einem Kennenlern-Brunch mit den Mitgliedern der Organisation eingeladen werden. Auch Sczuka kann dies nur bestätigen: „Selbstverständlich wird jede Spende honoriert.“ Und sei es mit einem einfachen, aber ehrlichen „Dankeschön.“

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