15.09.2017 | Von Tobias Anslinger

Der letzte Flug der „Landshut“ landet in FDH

Die Boeing 737 „Landshut“, die einst zu einem traurigen Kapitel bundesdeutscher Geschichte wurde, soll künftig am Bodensee zu sehen sein. Initiiert hat dieses Projekt die Dornier-Stiftung aus Friedrichshafen. Ein Projektplan sowie ein Gesamtkostenkonzept fehlen allerdings noch.

Demontage „Landshut“ Dornier-Stiftung
Die Demontage der „Landshut“ in Fortaleza ist in vollem Gange. Hier wird gerade der linke Flügel abgenommen. Die Arbeiten gestalten sich allerdings schwieriger als erwartet. © dpa

Im März dieses Jahres liest David Dornier, Museumsdirektor des gleichnamigen Museums und Erbe von Silvius Dornier, dem Gründer der Dornier-Stiftung, von der in Brasilien vor sich hin rostenden ehemaligen „Landshut“-Maschine. Er weiß, dass es rund um das Dornier-Museum in Friedrichshafen noch Freiflächen gibt, sucht ständig nach neuen Möglichkeiten, das Museum einem breiteren und neuen Publikum zu öffnen, um das jährliche Defizit zu senken. Und so fasst er einen Plan.

Es ist der 18. Oktober 1977 kurz nach Mitternacht, als in der somalischen Hauptstadt Mogadischu die Geiseln des fünf Tage zuvor auf Mallorca entführten Flugzeuges „Landshut“ durch die Spezialeinheit GSG 9 befreit werden – der „Deutsche Herbst“ ist auf seinem Höhepunkt. Die „Landshut“ ist seitdem untrennbar mit diesem dunklen Kapitel bundesdeutscher Geschichte verbunden. Das Flugzeug wird bei der Befreiungsaktion zwar beschädigt, jedoch repariert und fliegt danach noch bis 1985 im Liniendienst der Lufthansa. Anschließend gehört es mehreren weiteren Gesellschaften, zuletzt einer brasilianischen Fluglinie, und wird Anfang 2008 außer Dienst gestellt. Seitdem steht die „Landshut“ verwaist in Fortaleza.

„Landshut“ wird zum Rücktransport vorbereitet

Die Bundesrepublik, genauer das Auswärtige Amt, hat das Flugzeug zum Schrottwert von 20.000 Euro gekauft. In der zweiten Septemberhälfte soll die Maschine nun nach Deutschland, nach Friedrichshafen, überstellt werden. Aktuell wird sie vor Ort durch ein 15-köpfiges Team der Lufthansa-Technik demontiert und für den Transport vorbereitet. Man würde die Maschine gerne noch vor der Bundestagswahl am 24. September zurück nach Deutschland bringen, sagte ein Sprecher von Lufthansa-Technik gegenüber der DPA.

Update: 23.9.: Die „Landshut“ ist in Friedrichshafen angekommen. Der Rumpf Maschine wurde mit einer Antonow AN 124 überstellt. Eine weitere Maschine vom Typ Iljushin 76 brachte die Tragflächen sowie weitere Teile. Das Dornier-Museum Friedrichshafen begrüßte die Maschine mit einem Bürgerfest und einem Tag der offenen Tür.

Dass die „Landshut“ in Friedrichshafen landet, dafür hat sich der Biberacher SPD-Abgeordnete Martin Gerster bei Bundesaußenminister Sigmar Gabriel starkgemacht. Gabriel hatte bei einem Besuch des Dornier-Museums im August Friedrichshafen als Museumsstandort für die „Landshut“ nochmals bekräftigt. Er sei dankbar für das Angebot der Stiftung. Eine Boeing 737 brauche Platz, im Hause der Geschichte in Bonn etwa hätte man vielleicht ein paar Teile zeigen können, nicht aber die komplette Maschine. Es gehe schließlich um das „kollektive Gedächtnis der Bundesrepublik Deutschland“.

Projektplan, Finanzierung und Gesamtkosten unklar

Die „Landshut“ soll in Friedrichshafen von der Techniksparte der Lufthansa restauriert und originalgetreu wieder zusammengebaut werden. Wie lange das dauern wird? Unklar. „Ab 2018 sollte die Ausstellung möglich sein“, sagt der Sprecher und deutet damit an, dass eine Ausstellung anlässlich des 40. Jahrestages der Befreiung der Geiseln am 18. Oktober wohl eher unrealistisch ist. Geplant sei, die Maschine nicht nur auf das Areal zu stellen, sondern den Besuchern auch eine entsprechende inhaltliche Begleitung zu geben.

Dass die Maschine am Bodensee zu sehen sein wird, finden nicht alle gut. Ein Flensburger Unternehmer wirft dem Auswärtigen Amt vor, ein Versprechen für einen offenen Wettbewerb um den besten Standort gebrochen zu haben, wie der „Spiegel“ berichtet. Gabriels Ministerium bestreitet diese Zusage.

Über die Finanzierung des Projekts hüllen sich die Verantwortlichen bislang in Schweigen. Ein Gesamtkostenkonzept werde derzeit erarbeitet. „Es ist gesichert, dass das Flugzeug – zusammen mit einer Fachausstellung – in Friedrichshafen zu sehen sein wird“, so der Sprecher. Bekannt ist, dass zur Finanzierung neben dem Auswärtigen Amt und der Lufthansa noch die „Bild“-Zeitung und das Bundesministerium für Kultur und Medien beitragen sollen. Doch gerade Letzteres ist ebenfalls ob der Vorgehensweise alles andere als glücklich. Es läge bis dato keine belastbare Unterlage zum Projekt vor, ein Ausstellungskonzept fehle. Ein Expertenteam, dem unter anderem auch der damalige Copilot der „Landshut“, die Chefstewardess sowie weitere Zeitzeugen, Wissenschaftler und Historiker angehören sollen, soll nach Auskunft der Stiftung darüber beraten.

Dornier-Stiftung setzt auf Spenden

Den Verantwortlichen ist zumindest bewusst, dass es ohne Spenden aus der Bevölkerung nicht gehen wird. Ein entsprechender Aufruf findet sich bereits auf der Website der Stiftung. Darüber hinaus wird ein eigener Blog den Fortschritt der Restaurierung dokumentieren und mit Infos und Interviews der Beteiligten ergänzen. Davon erhoffen sich die Beteiligten ebenfalls mehr Aufmerksamkeit für das Projekt.

Museumschef David Dornier hat eine zeitnahe Klärung offener Fragen angekündigt.

www.dornier-stiftung.de

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