18.10.2012 | Von Die Stiftung

Herausforderung Stiftungskommunikation

Kommunikation gehört heute, wie die durchdachte Anlagestrategie, die passende Gremienstruktur und das erfolgreiche Projektmanagement, zu den festen Eckpfeilern der Stiftungsarbeit. Die neuen Herausforderungen der Wissens- und Informationsgesellschaft haben auch vor Stiftungen nicht halt gemacht. Wer heute mit seiner Stiftung einen Beitrag für die Gesellschaft leisten will, muss sein Anliegen nach außen tragen und sich mit seinen Interessensgruppen auseinandersetzen. Aber noch sind nicht alle Stiftungen darauf vorbereitet.

von Barbara Ditze

 

Seit Langem gilt der vielzitierte Spruch „Tue Gutes und rede darüber“ als Inbegriff der Kommunikation gemeinnütziger Organisationen. Zurückhaltende Stifter dagegen folgten lieber dem Ansatz, die Taten allein für sich sprechen zu lassen. Ich würde nun gerne behaupten, dass die Tage dieser stillen Stifter der Vergangenheit angehören und dass die Stiftungen im Zeitalter der Kommunikation angekommen sind. In der Praxis höre ich allerdings noch oft genug, „nein, der Stifter möchte nicht in die Öffentlichkeit“ und so bleibt auch die Stiftungsarbeit häufig im Verborgenen. Mit dieser Haltung werden leider viele Chancen vergeben, den Stiftungszweck bestmöglich umzusetzen – und darum geht es den Stiftern schließlich.

Die Stiftung – das unbekannte Wesen
Schaut man auf das Ergebnis der repräsentativen Befragung „Assoziationen zu Stiftungen“, die der Bundesverband Deutscher Stiftungen im Jahr 2010 durchführen ließ, wird deutlich wie wenig über Stiftungen in Deutschland bekannt ist. Die Befragten, die bislang wenige Berührungspunkte mit Stiftungen hatten, halten diese eher für intransparent, elitär, lediglich dem Stifter dienend und ohne Wirkkraft. Bei denjenigen, die bereits im Kontakt mit Stiftungen stehen, sieht das Bild glücklicherweise anders aus. Aber auch unter ihnen wird Kritik an der Nachhaltigkeit, der Professionalität und der Innovationskraft geübt.

Kann man daraus schließen, dass zu wenig kommuniziert wird? Begibt man sich im Internet auf die Suche, stellt man fest, dass so manche Stiftung hier gar nicht vertreten ist. Selbst wenn man in einem Zeitungsartikel über die Förderung oder die Vergabe eines Preises liest, gerät man bei seinen Nachforschungen nicht selten in eine Sackgasse. Erstaunlicherweise verfügen eine große Anzahl der Stiftungen über keine eigene Website, obwohl die ersten Informationen mittlerweile nachweislich über das Internet gesucht werden. Und bei der großen Anzahl Treuhandstiftungen ist es meist noch schwieriger etwas über die Existenz, den Hintergrund des Stifters und die Wirkung der Förderungen zu erfahren.

Wissensbedarf der Öffentlichkeit ist gestiegen
Mit den digitalen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung erhält heute jeder Einblick in laufende Prozesse, kann sich zu jeder Zeit und überall ein Bild von Aktivitäten machen und sich schneller darüber austauschen. Bürger fordern daher immer häufiger Mitsprache in gesellschaftlichen Belangen und hinterfragen das Tun. Wirtschaftsunternehmen werden aufgefordert ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen und Engagement für die Umwelt und ihr soziales Umfeld zu zeigen. Vor diesem Hintergrund wird über kurz oder lang auch eine schärfere Beobachtung der Stiftungen und Kritik an ihrer Arbeit nicht ausbleiben.

Neue Zeiten – neue Ansprüche
In der Wissens- und Informationsgesellschaft haben sich die Anforderungen an diejenigen, die etwas Gutes bewirken wollen, verändert. Heute gilt „ein Führender, der nicht kommunikationsfähig ist, genießt kein Vertrauen“. Der Ausspruch von Baldur Kirchner, Philosoph, Theologe und Seminarleiter für Rhetorik, ist durchaus auch auf Stiftungen übertragbar, denn Stiftungen erscheinen immer mehr in einer gesellschaftlichen Führungsrolle.

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