03.05.2016 | Von Die Stiftung

In Afrika stirbt man nicht

Jeder Mensch trägt Frieden in sich. Jeder Mensch ist auf der Suche nach Zufriedenheit. Und jede Suche beginnt mit Bewusstmachung. Davon ist Claude Kalume Mukadi, Prinz von Abomey, Benin, überzeugt und setzt sich in Deutschland und Afrika für mehr Frieden und ein besseres Verständnis zwischen den Kulturen ein.

Jeder Mensch trägt Frieden in sich. Jeder Mensch ist auf der Suche nach Zufriedenheit. Und jede Suche beginnt mit Bewusstmachung. Davon ist Claude Kalume Mukadi, Prinz von Abomey, Benin, überzeugt und setzt sich in Deutschland und Afrika für mehr Frieden und ein besseres Verständnis zwischen den Kulturen ein.
Von Martina Benz

 

Morddrohungen, Fremdenhass, Gewalt. Und eine Postkarte mit den Worten „Ab nach Auschwitz“. Für den dunkelhäutigen Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende aus dem oberbayrischen Zorneding waren das die traurigen Gründe für seinen Amtsrücktritt im vergangenen März.

Für Prinz Claude Kalume wa Mukadi Dah Vignon ist die erschreckend aggressive Atmosphäre in Deutschland ein Grund mehr, seinen Kampf für Frieden fortzusetzen, den er und seine Bell Amani Friedensstiftung gemeinsam führen. Statt wütend zu werden, sieht Mukadi diese neuesten Entwicklungen als Chance. Wie jede Herausforderung in seinem Leben. Als Chance auf Veränderung.

Mukadi kennt den Pfarrer persönlich. Er kennt unglaublich viele Menschen. Nicht weil er Prinz ist. Vielmehr war das andersherum. Durch seinen hohen Bekanntheitsgrad wurde Mukadi Prinz. Adoptivprinz sozusagen.

Mit und ohne Prinzentitel immer aktiv
Seit er vor 29 Jahren nach Deutschland kam, um die Sprache zu lernen, ist er ständig aktiv. Setzt sich für asylsuchende Afrikaner ein. Initiiert Partnerschaften zwischen europäischen und afrikanischen Städten. War als erster Schwarzer im Ausländerbeirat von München tätig. Die königliche Familie im westafrikanischen Benin wurde dadurch auf ihn aufmerksam und nahm ihn gemäß der afrikanischen Tradition auf. Mit dem Titel Prinz Dah Vignon. Das war im Jahr 2005.

Er hat dadurch Adelszugehörigkeit, Kontakte und eine dritte Heimat gewonnen, sie einen Vertreter in Deutschland. Und zu seinen sieben gebürtigen Geschwistern sind noch unzählige hinzukommen. Wie viele genau weiß er nicht.

Afrika
Prinz Mukadi ist stolz auf seine Arbeit im Kampf für den Frieden – und überzeugt erfolgreich einen Unterstützer nach dem anderen. Foto: Martina Benz

„So was kann in Afrika nicht passieren.“ Mukadi spricht von dem Hass, den Pfarrer Ndjimbi-Tshiende dieses Jahr zu spüren bekam. Ein simpler Satz. Ein komplexes Thema. Auf seinem Kontinent wird jeder Gast herzlich empfangen, ist Mukadi sich sicher. Und doch nimmt die Gewalt in einigen Gebieten extrem zu. Vor allem der Einsatz von Waffen. Waffen, die zum Teil von Kindersoldaten abgefeuert werden.

Auf dieses Thema wurde Mukadi im Jahr 2010 beim Cinema for Peace in Berlin aufmerksam. „Children of War“ hieß der Film, den er dort sah und der ihn seitdem nicht mehr loslässt. Bis heute stellt er sich und seinen Mitmenschen die Frage, wieso es ausgerechnet in den Ländern Kindersoldaten gibt, wo gar keine Waffenfabriken stehen. Sie war für ihn der Beginn einer grundlegenderen Suche. Der Suche danach, was Frieden bedeutet. Der Suche nach etwas, was man dem weltweit immer stärker werdenden Lärm der Waffen entgegensetzen kann. Der Suche nach Antworten. Dabei sind Hermann Hesses Worte gleichzeitig Antrieb und Motivation für ihn: „Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.“

Artikel teilen